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Polen: Pensionsreform wird sich auf Anleihenmarkt längerfristig eher negativ auswirken


19.09.13 17:02
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - In Polen gibt es mittlerweile überwiegend positive Konjunktursignale, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "emreport" zu den Emerging Markets.

Industrieproduktion und Einzelhandel würden sich wieder besser entwickeln, die Reallöhne würden Unterstützung bieten und auch die Verkaufsmanager-Umfragen würden auf eine positivere Konjunkturdynamik hindeuten. Zugleich sei die jährliche Inflationsrate zum ersten Mal seit über einem Jahr angestiegen; sie liege allerdings noch immer auf einem sehr niedrigem Niveau (1,1%). Die Zentralbank habe den Leitzins Anfang September erwartungsgemäß unverändert belassen, nachdem der Zinssenkungszyklus seit Oktober 2012 insgesamt 2,25 Prozentpunkte betragen habe.

Bemerkenswert seien die am Anfang September bekannt gegebenen Details zur Pensionsreform. Der Anleiheteil der privaten Pensionsvorsorge werde vom Staat übernommen und reduziere auf diese Weise die Staatsverschuldung um ca. 8% des BIP. Letztere liege derzeit bereits über der in der Verfassung verankerten Grenze von 55% des BIP. Das würde rasche budgetäre Konsequenzen erfordern - die mit der Pensionsreform zunächst vermieden werden könnten. Die Reform sei in dieser Hinsicht ähnlich wie die Pensionsreform in Ungarn, wenn auch bei weitem nicht so radikal.

Für den Anleihenmarkt werde das längerfristig eher negative Auswirkungen haben, da ein wichtiger Marktteilnehmer damit ausfalle. Allerdings habe die Erfahrung in Ungarn gezeigt, dass das längerfristig verkraftbar sein könne. Die unmittelbare Reaktion sei jedenfalls negativ gewesen, sowohl auf der Anleihen- als auch auf der Währungsseite. Der Aktienmarkt habe im August hingegen ein Plus von rund 2,4% verbucht, sei dafür jedoch Anfang September massiv unter Druck geraten. (Ausgabe September 2013) (19.09.2013/alc/a/a)