Erweiterte Funktionen
Perspektiven: Österreich - Inflationsausblick 2022 mit Sondereffekten
29.10.21 12:30
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Die Teuerung hat im Oktober mit +3,6% ein neues Jahreshoch erreicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Österreich stelle in dieser Weise im Vergleich zur internationalen Entwicklung keine Ausnahme dar. Anders dagegen im Jahr 2022, in denen drei Sonderfaktoren die Teuerung nochmals spürbar nach oben treiben würden, während in der Eurozone im Jahresdurchschnitt der Teuerungsdruck nachlassen dürfte. Weiter steigende Inflationsraten in Österreich, während die Euro-Teuerung wieder etwas abflaue - ein Umfeld, das die (wirtschaftspolitische) Diskussion in Österreich nochmals befeuern sollte.
Im August 2021 sei die Preissteigerungsrate erstmals über die 3%-Marke gesprungen. Doch der Trend nach oben gehe weiter. Mit 3,6% im Oktober habe der Verbraucherpreisindex (VPI) noch weiter zugelegt. Wie schon seit einiger Zeit kommuniziert, würden die Analysten den Höhepunkt der aktuellen Teuerungswelle im vierten Quartal 2021 sehen. Damit seien die Preissteigerungsraten so hoch wie zuletzt vor zehn Jahren.
Die zunehmende Teuerung im laufenden Jahr sei zum Großteil eine Konsequenz aus Öffnungs-, Basis- und Energie-/Rohstoffpreiseffekten. Die Teuerungsrate im zweiten Halbjahr 2020 sei durch die seit November verordneten Schließungen großteils nach unten verzerrt gewesen bzw. seien viele Dienstleistungspreise nicht erhebbar gewesen. Folglich habe die Preissteigerungsrate beim VPI im Dezember 2020 mit 1,2% deutlich unter den Werten der Vorjahre gelegen. Mit den Öffnungschritten im zweiten Quartal 2021 habe das Angebot die aufgestaute Nachfrage (die verfügbaren Einkommen seien in 2020 aufgrund von hohen Transferleistungen nur geringfügig zurückgegangen) nur ungenügend befriedigen können.
Neben der starken Steigerung der Dienstleistungspreise seien seither auch langlebige Konsumgüter - in den letzten Jahren zumeist preissenkend im VPI wirkend - kräftig angestiegen (z.B. PCs/Fahrräder: +10,9 bzw. +9,5% p.a. im September). Weltweite Lieferkettenprobleme und erhöhter Preisüberwälzungsspielraum würden dafür verantwortlich zeichnen. Zu guter Letzt, aber von großem Gewicht, seien die Energie- und Rohstoffpreise seit einem Jahr auf internationalem Steigflug. Egal, ob Öl, Erdgas, Metalle oder Baustoffe, die Preisexplosion mache sich sowohl bei Produzenten wie bei Konsumenten negativ bemerkbar.
So seien auch die beiden Komponenten Verkehr (+9,4% p.a.) und Wohnen/Wasser/ Energie (+3,9% p.a.) die beiden Hauptfaktoren der Teuerung. Inklusive dem starken Anstieg bei Restaurants und Hotels (+4,4% p.a.) seien diese drei Kategorien für 2,5 Prozentpunkte der 3,3%igen Teuerung verantwortlich. Das entspreche 75% des gesamten Inflationsanstiegs!
Global betrachtet seien die Energie- und Rohstoffpreise der Hauptfaktor, welcher über Angebotsknappheit in vielen Produktionsbereichen und Dienstleistungssektoren den Preisüberwälzungsspielraum der Unternehmen gegenüber vor COVID-19 deutlich vergrößert habe. Da sich die Angebots-/Nachfrage-Ungleichgewichte im Verlauf von 2022 spürbar abbauen sollten, müsste sich dies auch in abnehmendem Preisdruck bemerkbar machen. Doch selbst wenn die Preise von Energie und Vorprodukten auf hohem Niveau verbleiben würden, werde sich der sogenannte Basiseffekt im Jahresverlauf 2022 in abnehmenden Teuerungsraten bemerkbar machen.
Allerdings dürfte der Rückgang der Teuerung in der Eurozone und eventuell in den USA etwas langsamer vor sich gehen, als noch vor einem halben Jahr allgemein geschätzt. Die Transport- und Lieferkettenproblematik in mehreren Schlüsselindustrien dauere eben länger als ursprünglich vermutet und könne noch im ersten Halbjahr 2022 Spuren in der Preisentwicklung hinterlassen. Trotzdem würden die Anstiege der Verbraucherpreise am Jahresbeginn abnehmen, und speziell im Verlauf des zweiten Quartals und der zweiten Jahreshälfte 2022 weiter an Dynamik verlieren.
Entscheidend werde für 2023 sein, wie stark die Lohnentwicklung nur Einmaleffekte berücksichtige, oder eine längere Phase ansteigender Preise abgegolten werden solle. Zweitens werde auch die noch immer extrem expansive Fiskalpolitik mit ihrer zusätzlichen Nachfrage und Finanzierungsunterstützung durch die Geldpolitik Einfluss auf den mittelfristigen Preistrend haben.
Unter den oben genannten Entspannungsgründen würde die Teuerungsrate in Österreich im Jahresschnitt auf rund 2% zurückgehen. Aber schon in ihrer Publikation Perspektiven: Österreich - Hohe Inflation, heiße Herbstlohnrunde? vom 8. September 2021 hätten die Analysten zwei "Unsicherheitsfaktoren" für die Teuerungsrate 2022 in Österreich genannt: Erstens die Rücknahme der befristeten Umsatzsteuersenkung auf 5%, die am Jahresende 2021 schlagend werde, und zweitens die angekündigte CO2-Steuer ab Mitte 2022. Während die im vorangegangenen Abschnitt genannten Basiseffekte für sich genommen auch in Österreich 2022 eine niedrigere Teuerung als 2021 (jeweils Jahresdurchschnitt) bedeuten würden, seien es diese beiden österreichspezifischen Faktoren, die im kommenden Jahr gegen den europäischen Trend einen fortgesetzten Steigflug der österreichischen Teuerung zur Folge haben würden.
Hinsichtlich Punkt 1 müsse festgehalten werden, dass die vorübergehende USt-Senkung ab Juli 2020 als Hilfe für Unternehmen gedacht gewesen sei, die unter der COVID-19 Pandemie und staatlichen Schließungen besonders gelitten hätten. Sie habe folglich zu keinen Preissenkungen für die Konsumenten geführt. Ganz im Gegenteil, die Teuerung bei Restaurants und Hotels im Juli 2020 sei mit +1,5 p.m. Prozentpunkten gegenüber Juni (Vorsaison) signifikant höher als die durchschnittlichen +0,9 Prozentpunkte der Vorjahre gewesen. Anders die Situation in Deutschland, wo die befristete Mehrwertsteuersenkung wie vom Gesetzgeber gewünscht großteils an die Endkunden weitergereicht worden sei. Die Effekte der befristeten Senkungen seien also sehr unterschiedlich gewesen, was aber im Sinne der jeweiligen Gesetzgeber gewesen sei.
Neben Tourismus seien auch Kultur, Sport und Bildung von der USt-Senkung von 10 auf 5% begünstigt gewesen. Es sei somit nicht unerheblich, ob die Unternehmen dieser Sektoren mit dem Auslaufen der Begünstigung die USt-Anhebung auf 10% wieder auf eigene Rechnung übernehmen, oder diese an die Verbraucher weitergeben würden. Die Analysten würden aufgrund der geringen Preiselastizität in diesen Bereichen überwiegend mit Preissteigerungen nach Auslaufen der befristeten USt-Senkung rechnen. Da diese Dienstleistungen einen Umfang von rund 17% des gesamten Warenkorbs umfassen würden, sei der Einfluss auf den VPI nicht unerheblich. Eine vollständige Weitergabe des USt-Anstiegs würde die gesamte Inflation (% p.a.) per Januar um knapp 1,5 Prozentpunkte erhöhen. Die Analysten würden damit rechnen, dass ein Großteil des USt-Anstiegs an die Endverbraucher weitergegeben werde.
Die Einführung einer CO2-Steuer (Punkt 2) auf Verkehr und Gebäude für Konsumenten in Österreich sei nach deutschem Vorbild konzipiert. Daher seien auch die deutschen Erfahrungen 2021 und deren Kalkulation für den Verbraucherpreisindex (Gutachten deutscher Sachverständigenrat) für Österreich gut anwendbar. Da die Steuer ab 1. Juli 2022 eingehoben werde, seien die Effekte halb so hoch für die Jahresteuerung anzusetzen. Das bedeute etwa 0,25 Prozentpunkte direkte Preisaufschläge und gut +0,5 Prozentpunkte inklusive der indirekten Effekte.
Die Tatsache, dass die Einführung der CO2-Steuer anders als in Deutschland erst mit Beginn der zweiten Jahreshälfte und nicht zu Jahresbeginn erfolge, habe jedoch ein anderes Inflationsprofil zur Folge. So sei der größte Effekt auf die Teuerung im Gegensatz zu Deutschland nicht im Jahr der Einführung zu erwarten, sondern erst im Jahr danach. So dürften die direkten Effekte (Verteuerung von Treibstoffen, Erdöl, Erdgas) die allgemeine Teuerung mit circa 0,3 Prozentpunkten 2023 in etwas stärkerem Maße erhöhen als im Jahr der Einführung (knapp 0,25 Prozentpunkte). In den Folgejahren seien abnehmende, gleichwohl weiterhin positive Preiseffekte infolge der degressiven CO2-Verteuerung anzunehmen.
Nach den niedrigen Lohnabschlüssen des Vorjahres seien die Weichen für die Tariflöhne 2022 auf signifikant höhere Abschlüsse gestellt. Neben den angezogenen Teuerungsraten komme in immer mehr Sektoren auch der Fachkräftemangel als Argument für höhere Lohnabschlüsse ins Spiel. Am zähen Verlauf der Metallerverhandlungen sei ablesbar, dass die Abschlüsse in jenen Sektoren mit höherem Produktivitätswachstum die 3%-Marke übersteigen würden, in anderen etwas darunter liegen könnten. Aufgrund des Preisüberwälzungsspielraums sei dies für die Unternehmen verkraftbar, aber dementsprechend im Verbraucherpreisindex des Jahres 2022 ablesbar.
Aufgrund all dieser Sonderfaktoren (Umsatzsteueranhebung, CO2-Steuer-Einführung, Lohnabschlüsse) dürfte Österreich 2022 mit einer vom europäischen Trend abweichenden Teuerungsentwicklung "auffallen". In der Ausgangsbasis hätten die Analysten den Anstieg der Verbraucherpreise 2022 mit durchschnittlich 2,0% kalkuliert (nach 2,6 % 2021). Da diese Sonderfaktoren rund 1,6 Prozentpunkte zusätzliche Preissteigerung ausmachen dürften, würden die Analysten ihre Prognose 2022 für den Verbraucherpreisanstieg (HVPI) auf 3,6% erhöhen. Da der größte Effekt der CO2-Steuer, wie ausgeführt, nicht 2022, sondern erst 2023 wirksam werde, würden die Analysten 2023 mit 2,6% p.a. eine weiterhin klar überdurchschnittliche Teuerungsrate erwarten - sowohl verglichen mit der eigenen Historie als auch mit der für die Eurozone erwarteten Teuerung.
Damit liege Österreich deutlich über dem Schnitt der Eurozone, die sich beim HVPI im Jahresverlauf 2022 wieder der 2%-Marke annähere und diese auch in H2 unterschreiten könne. Die Entwicklung verlaufe ähnlich wie in Deutschland 2021, allerdings dort weniger ausgeprägt, weil u.a. die Lohnkomponente für das laufende Jahr sehr verhalten gewesen sei. Aufgrund zunehmender Indexierung von Tarifverträgen und administrierten Preisen des öffentlichen Sektors sei genau zu beobachten, wie sich dies in der Teuerung 2023 und danach auswirken werde. Zusammen mit den konstant höheren Dienstleistungspreisen dürfte dies Österreich auch in den kommenden Jahren eine Inflationsrate über dem Eurozonen-Durchschnitt bescheren. (29.10.2021/alc/a/a)
Österreich stelle in dieser Weise im Vergleich zur internationalen Entwicklung keine Ausnahme dar. Anders dagegen im Jahr 2022, in denen drei Sonderfaktoren die Teuerung nochmals spürbar nach oben treiben würden, während in der Eurozone im Jahresdurchschnitt der Teuerungsdruck nachlassen dürfte. Weiter steigende Inflationsraten in Österreich, während die Euro-Teuerung wieder etwas abflaue - ein Umfeld, das die (wirtschaftspolitische) Diskussion in Österreich nochmals befeuern sollte.
Im August 2021 sei die Preissteigerungsrate erstmals über die 3%-Marke gesprungen. Doch der Trend nach oben gehe weiter. Mit 3,6% im Oktober habe der Verbraucherpreisindex (VPI) noch weiter zugelegt. Wie schon seit einiger Zeit kommuniziert, würden die Analysten den Höhepunkt der aktuellen Teuerungswelle im vierten Quartal 2021 sehen. Damit seien die Preissteigerungsraten so hoch wie zuletzt vor zehn Jahren.
Die zunehmende Teuerung im laufenden Jahr sei zum Großteil eine Konsequenz aus Öffnungs-, Basis- und Energie-/Rohstoffpreiseffekten. Die Teuerungsrate im zweiten Halbjahr 2020 sei durch die seit November verordneten Schließungen großteils nach unten verzerrt gewesen bzw. seien viele Dienstleistungspreise nicht erhebbar gewesen. Folglich habe die Preissteigerungsrate beim VPI im Dezember 2020 mit 1,2% deutlich unter den Werten der Vorjahre gelegen. Mit den Öffnungschritten im zweiten Quartal 2021 habe das Angebot die aufgestaute Nachfrage (die verfügbaren Einkommen seien in 2020 aufgrund von hohen Transferleistungen nur geringfügig zurückgegangen) nur ungenügend befriedigen können.
Neben der starken Steigerung der Dienstleistungspreise seien seither auch langlebige Konsumgüter - in den letzten Jahren zumeist preissenkend im VPI wirkend - kräftig angestiegen (z.B. PCs/Fahrräder: +10,9 bzw. +9,5% p.a. im September). Weltweite Lieferkettenprobleme und erhöhter Preisüberwälzungsspielraum würden dafür verantwortlich zeichnen. Zu guter Letzt, aber von großem Gewicht, seien die Energie- und Rohstoffpreise seit einem Jahr auf internationalem Steigflug. Egal, ob Öl, Erdgas, Metalle oder Baustoffe, die Preisexplosion mache sich sowohl bei Produzenten wie bei Konsumenten negativ bemerkbar.
So seien auch die beiden Komponenten Verkehr (+9,4% p.a.) und Wohnen/Wasser/ Energie (+3,9% p.a.) die beiden Hauptfaktoren der Teuerung. Inklusive dem starken Anstieg bei Restaurants und Hotels (+4,4% p.a.) seien diese drei Kategorien für 2,5 Prozentpunkte der 3,3%igen Teuerung verantwortlich. Das entspreche 75% des gesamten Inflationsanstiegs!
Global betrachtet seien die Energie- und Rohstoffpreise der Hauptfaktor, welcher über Angebotsknappheit in vielen Produktionsbereichen und Dienstleistungssektoren den Preisüberwälzungsspielraum der Unternehmen gegenüber vor COVID-19 deutlich vergrößert habe. Da sich die Angebots-/Nachfrage-Ungleichgewichte im Verlauf von 2022 spürbar abbauen sollten, müsste sich dies auch in abnehmendem Preisdruck bemerkbar machen. Doch selbst wenn die Preise von Energie und Vorprodukten auf hohem Niveau verbleiben würden, werde sich der sogenannte Basiseffekt im Jahresverlauf 2022 in abnehmenden Teuerungsraten bemerkbar machen.
Allerdings dürfte der Rückgang der Teuerung in der Eurozone und eventuell in den USA etwas langsamer vor sich gehen, als noch vor einem halben Jahr allgemein geschätzt. Die Transport- und Lieferkettenproblematik in mehreren Schlüsselindustrien dauere eben länger als ursprünglich vermutet und könne noch im ersten Halbjahr 2022 Spuren in der Preisentwicklung hinterlassen. Trotzdem würden die Anstiege der Verbraucherpreise am Jahresbeginn abnehmen, und speziell im Verlauf des zweiten Quartals und der zweiten Jahreshälfte 2022 weiter an Dynamik verlieren.
Unter den oben genannten Entspannungsgründen würde die Teuerungsrate in Österreich im Jahresschnitt auf rund 2% zurückgehen. Aber schon in ihrer Publikation Perspektiven: Österreich - Hohe Inflation, heiße Herbstlohnrunde? vom 8. September 2021 hätten die Analysten zwei "Unsicherheitsfaktoren" für die Teuerungsrate 2022 in Österreich genannt: Erstens die Rücknahme der befristeten Umsatzsteuersenkung auf 5%, die am Jahresende 2021 schlagend werde, und zweitens die angekündigte CO2-Steuer ab Mitte 2022. Während die im vorangegangenen Abschnitt genannten Basiseffekte für sich genommen auch in Österreich 2022 eine niedrigere Teuerung als 2021 (jeweils Jahresdurchschnitt) bedeuten würden, seien es diese beiden österreichspezifischen Faktoren, die im kommenden Jahr gegen den europäischen Trend einen fortgesetzten Steigflug der österreichischen Teuerung zur Folge haben würden.
Hinsichtlich Punkt 1 müsse festgehalten werden, dass die vorübergehende USt-Senkung ab Juli 2020 als Hilfe für Unternehmen gedacht gewesen sei, die unter der COVID-19 Pandemie und staatlichen Schließungen besonders gelitten hätten. Sie habe folglich zu keinen Preissenkungen für die Konsumenten geführt. Ganz im Gegenteil, die Teuerung bei Restaurants und Hotels im Juli 2020 sei mit +1,5 p.m. Prozentpunkten gegenüber Juni (Vorsaison) signifikant höher als die durchschnittlichen +0,9 Prozentpunkte der Vorjahre gewesen. Anders die Situation in Deutschland, wo die befristete Mehrwertsteuersenkung wie vom Gesetzgeber gewünscht großteils an die Endkunden weitergereicht worden sei. Die Effekte der befristeten Senkungen seien also sehr unterschiedlich gewesen, was aber im Sinne der jeweiligen Gesetzgeber gewesen sei.
Neben Tourismus seien auch Kultur, Sport und Bildung von der USt-Senkung von 10 auf 5% begünstigt gewesen. Es sei somit nicht unerheblich, ob die Unternehmen dieser Sektoren mit dem Auslaufen der Begünstigung die USt-Anhebung auf 10% wieder auf eigene Rechnung übernehmen, oder diese an die Verbraucher weitergeben würden. Die Analysten würden aufgrund der geringen Preiselastizität in diesen Bereichen überwiegend mit Preissteigerungen nach Auslaufen der befristeten USt-Senkung rechnen. Da diese Dienstleistungen einen Umfang von rund 17% des gesamten Warenkorbs umfassen würden, sei der Einfluss auf den VPI nicht unerheblich. Eine vollständige Weitergabe des USt-Anstiegs würde die gesamte Inflation (% p.a.) per Januar um knapp 1,5 Prozentpunkte erhöhen. Die Analysten würden damit rechnen, dass ein Großteil des USt-Anstiegs an die Endverbraucher weitergegeben werde.
Die Einführung einer CO2-Steuer (Punkt 2) auf Verkehr und Gebäude für Konsumenten in Österreich sei nach deutschem Vorbild konzipiert. Daher seien auch die deutschen Erfahrungen 2021 und deren Kalkulation für den Verbraucherpreisindex (Gutachten deutscher Sachverständigenrat) für Österreich gut anwendbar. Da die Steuer ab 1. Juli 2022 eingehoben werde, seien die Effekte halb so hoch für die Jahresteuerung anzusetzen. Das bedeute etwa 0,25 Prozentpunkte direkte Preisaufschläge und gut +0,5 Prozentpunkte inklusive der indirekten Effekte.
Die Tatsache, dass die Einführung der CO2-Steuer anders als in Deutschland erst mit Beginn der zweiten Jahreshälfte und nicht zu Jahresbeginn erfolge, habe jedoch ein anderes Inflationsprofil zur Folge. So sei der größte Effekt auf die Teuerung im Gegensatz zu Deutschland nicht im Jahr der Einführung zu erwarten, sondern erst im Jahr danach. So dürften die direkten Effekte (Verteuerung von Treibstoffen, Erdöl, Erdgas) die allgemeine Teuerung mit circa 0,3 Prozentpunkten 2023 in etwas stärkerem Maße erhöhen als im Jahr der Einführung (knapp 0,25 Prozentpunkte). In den Folgejahren seien abnehmende, gleichwohl weiterhin positive Preiseffekte infolge der degressiven CO2-Verteuerung anzunehmen.
Nach den niedrigen Lohnabschlüssen des Vorjahres seien die Weichen für die Tariflöhne 2022 auf signifikant höhere Abschlüsse gestellt. Neben den angezogenen Teuerungsraten komme in immer mehr Sektoren auch der Fachkräftemangel als Argument für höhere Lohnabschlüsse ins Spiel. Am zähen Verlauf der Metallerverhandlungen sei ablesbar, dass die Abschlüsse in jenen Sektoren mit höherem Produktivitätswachstum die 3%-Marke übersteigen würden, in anderen etwas darunter liegen könnten. Aufgrund des Preisüberwälzungsspielraums sei dies für die Unternehmen verkraftbar, aber dementsprechend im Verbraucherpreisindex des Jahres 2022 ablesbar.
Aufgrund all dieser Sonderfaktoren (Umsatzsteueranhebung, CO2-Steuer-Einführung, Lohnabschlüsse) dürfte Österreich 2022 mit einer vom europäischen Trend abweichenden Teuerungsentwicklung "auffallen". In der Ausgangsbasis hätten die Analysten den Anstieg der Verbraucherpreise 2022 mit durchschnittlich 2,0% kalkuliert (nach 2,6 % 2021). Da diese Sonderfaktoren rund 1,6 Prozentpunkte zusätzliche Preissteigerung ausmachen dürften, würden die Analysten ihre Prognose 2022 für den Verbraucherpreisanstieg (HVPI) auf 3,6% erhöhen. Da der größte Effekt der CO2-Steuer, wie ausgeführt, nicht 2022, sondern erst 2023 wirksam werde, würden die Analysten 2023 mit 2,6% p.a. eine weiterhin klar überdurchschnittliche Teuerungsrate erwarten - sowohl verglichen mit der eigenen Historie als auch mit der für die Eurozone erwarteten Teuerung.
Damit liege Österreich deutlich über dem Schnitt der Eurozone, die sich beim HVPI im Jahresverlauf 2022 wieder der 2%-Marke annähere und diese auch in H2 unterschreiten könne. Die Entwicklung verlaufe ähnlich wie in Deutschland 2021, allerdings dort weniger ausgeprägt, weil u.a. die Lohnkomponente für das laufende Jahr sehr verhalten gewesen sei. Aufgrund zunehmender Indexierung von Tarifverträgen und administrierten Preisen des öffentlichen Sektors sei genau zu beobachten, wie sich dies in der Teuerung 2023 und danach auswirken werde. Zusammen mit den konstant höheren Dienstleistungspreisen dürfte dies Österreich auch in den kommenden Jahren eine Inflationsrate über dem Eurozonen-Durchschnitt bescheren. (29.10.2021/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 24.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


