PCE-Inflation für März in den USA im Fokus


22.04.24 12:06
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Der Datenkalender dieser Woche steht in der Eurozone ganz im Zeichen verschiedener Stimmungsindikatoren für den April, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Den Anfang mache das Konsumentenvertrauen innerhalb des Währungsraumes. Dieses habe zuletzt mit -14,9 Punkten zwar weiterhin klar auf einem pessimistischen Niveau gelegen, aber zumindest deutlich über dem langfristigen Tief in Höhe von -28,8 Punkten (September 2022). Die Analysten würden für April lediglich eine Seitwärtsbewegung erwarten und einen Wert in Höhe von -15,1 Punkten prognostizieren.

In Deutschland stehe indessen der ifo-Index auf der Agenda. Hier würden die Analysten bei der Komponente für die Zukunftserwartungen einen Anstieg von 87,5 auf 88,9 Punkte für möglich halten, während sie bei der Komponente zur aktuellen Lage lediglich einen Anstieg von 88,1 auf 88,3 Punkte erwarten würden. Hinsichtlich des Geschäftsklimaindexes würde dies eine einen Anstieg von 87,8 auf 88,6 Punkte implizieren.

Das unbestrittene Highlight dieser Woche stelle allerdings das Erscheinen der Schnellschätzungen der April-PMIs für die Eurozone dar. Die Analysten würden eine fortgesetzte Ausweitung der zuletzt beobachtbaren Divergenz zwischen dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungsgewerbe erwarten. Während sie für letztere Komponente einen Anstieg von 51,5 auf 52,2 Punkte veranschlagen würden, würden sie bei erstgenannter Komponente lediglich eine leichte Zunahme von 46,1 auf 46,2 Punkte für wahrscheinlich halten.

Auch in den USA stünden die April-Schnellschätzungen der PMIs auf der Agenda. Zuletzt hätten sowohl die Komponente für das Verarbeitende Gewerbe (51,9 Punkte), als auch für den Dienstleistungssektor (51,7) klar auf einem Niveau zunehmender Wirtschaftsaktivität gelegen. Bezüglich der Wirtschaftsaktivität stehe in den USA diese Woche auch die Veröffentlichung der ersten Schätzung zum BIP-Wachstum im ersten Quartal auf dem Programm. Dabei sei abermals alles für ein solides Wachstum angerichtet.

So hätten erst vergangene Woche die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen im März nach oben hin überraschen können (Vormonatszahlen seien darüber hinaus nach oben revidiert worden) und auch die Daten zur Industrieproduktion hätten auf eine positive Entwicklung hingewiesen. Diese Datenpunkte könnten stellvertretend für die anhaltende Stärke der US-Wirtschaft gesehen werden.

Während erste Konsensschätzungen für das erste Quartal ein BIP-Wachstum in Höhe von 2,1% (p.q., annualisiert) erwarten würden, liege der Nowcast der Atlanta FED nach den jüngsten Datenveröffentlichungen sogar bei 2,9%. Zwar würde eine Veröffentlichung im Bereich dieser beiden Schätzungen eine Abkühlung im Vergleich zum vierten Quartal 2023 (3,4%) bedeuten, nichtsdestotrotz wäre ein Wachstum in dieser Höhe aber in Anbetracht der aktuellen Umstände weiterhin als sehr solide zu interpretieren. Aus fiskalpolitischer Sicht hätten sich in den USA während der letzten Monate Diskussionen hinsichtlich der Tragfähigkeit der US-Staatsschulden gemehrt, nachdem bekannt geworden sei, dass die Gesamtschuldenlast der größten globalen Volkswirtschaft mit Jahresende 2023 die Marke von USD 34 Billionen überschritten habe.

Am Zinsmarkt hätten sich die Implikationen der höher als erwarteten US-Inflation für den geldpolitischen Ausblick der Federal Reserve mittlerweile fest verankert. Die Analysten hätten ihre Prognosen bereits letzte Woche angepasst und diese in einer eigenständigen Aussendung nun auch im Detail kommuniziert. Kurz gesagt: Die Analysten würden nun eine erste Zinssenkung der Federal Reserve im September anstatt im Juni erwarten. Seit letzter Woche habe diese Einschätzung auch von Mitgliedern des Offenmarktausschusses Unterstützung gefunden.

FED-Präsident Powell habe beispielsweise festgehalten, dass "die jüngsten Daten keine größere Zuversicht beschert haben" und dass, "wenn die höhere Inflation anhält, die FED den aktuellen Zinssatz so lange wie nötig beibehalten kann". Datenseitig sei vergangene Woche das aktuelle Narrativ einer persistenteren Inflation aufgrund eines starken Konjunktur-Momentums untermauert worden.

Diese Woche werde neben dem US-BIP für das erste Quartal, vor allem der PCE-Inflation für März große Beachtung geschenkt werden. Gemäß den aktuell verfügbaren Informationen würden die Analysten von einem ähnlichen PCE-Inflationsmomentum ausgehen wie im Vormonat (0,3% p.m.), was die Jahresänderungsrate für die Gesamtrate leicht erhöhen und für die Kernrate leicht senken sollte. Dafür sollte der Zinsmarkt gewappnet sein. Dieser preise aktuell zwei Zinssenkungen mit erheblichen Risiken, dass es möglicherweise auch nur eine werden könnte. Klar sei aber, dass das aktuelle Inflationsumfeld keine weiteren Leitzinserhöhungen impliziere, sondern den Start-Zeitpunkt der Leitzinssenkungen mit Unsicherheit umhülle.

Bei der EZB sei dies anders. Das klare Signal im letzten geldpolitischen Beschluss, dass Leitzinssenkungen bevorstünden, sei vergangene Woche von EZB-Ratsmitgliedern gestärkt worden. EZB-Präsidentin Lagarde habe beispielsweise gesagt, dass die EZB "bald die Leitzinsen senken werde" und Banque de France Präsident Villeroy habe ergänzt, dass dem Juni weitere Leitzinssenkungen folgen würden, der Prozess aber datengetrieben bleibe. Eine potenzielle weitere Eskalation im Mittleren Osten zwischen dem Iran und Israel, welche Risiken für einen Ölpreisschock bergen könne, könnte Einfluss auf diesen Pfad nehmen, so Villeroy. (Ausgabe vom 19.04.2024) (22.04.2024/alc/a/a)