PBoC erhöht die Zinsen - Neudefinition des Leitzinses?


30.03.17 12:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Geldpolitik der PBoC (People's Bank of China) durchläuft zurzeit eine Anpassung, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Neuorientierung auf marktorientiertere Instrumente ohne einen Leitzins zu definieren, die breite Palette an geldpolitischen Zielsetzungen und die mangelnde Transparenz der Notenbank würden den Anschein unstrukturierten Vorgehens und einer Verschleierungstaktik erwecken.

Selbstverständlich sei die geldpolitische Zielsetzung der PBoC auf Inflationssteuerung ausgerichtet. Daneben solle das Wirtschaftswachstum (und die Beschäftigung) unterstützt werden, so die offizielle Zielsetzung laut PBoC. Darüber hinaus solle bei den Leistungs- und Kapitalverkehrssalden die Balance sichergestellt und auch für Währungsstabilität gesorgt werden.

Für das Jahr 2017 seien die Ziele Abbau des Verschuldungsgrades der chinesischen Ökonomie bei gleichzeitiger Vermeidung finanzieller Risiken definiert worden (zuletzt wieder beim Volkskongress deutlich hervorgehoben). Für die Geldpolitik sei dies eine Herausforderung, da die unterschiedlichen Ziele auch ein unterschiedliches Reaktionsmuster der Notenbank verlangen würden. Die offizielle geldpolitische Ausrichtung laute für dieses Jahr: Besonnene und neutrale Geldpolitik (im Unterschied zur besonnenen Geldpolitik mit einem Hang zur Lockerung im letzten Jahr).

Das geldpolitische Instrumentarium habe in den letzten beiden Jahren einige Änderungen erfahren, mit dem Ziel, die Zinsen marktnäher zu gestalten und den Transmissionsmechanismus zu verbessern.

Hauptinstrumente seien jetzt die Offenmarktgeschäfte (Repo und Reverse Repo mit 7, 14 - und 28 tägigen Laufzeiten,) und kurz- bzw. mittelfristige Ausleihefazilitäten (SLF = Standard Lending Facility und MLF = Medium Term Lendig Facility) mit Laufzeiten zwischen 1-3 Monaten (SLF) und 3-12 Monaten (MLF). Die Offenmarktgeschäfte könnten täglich abgewickelt werden. SLOs (Short Term Market Operations) würden ebenso zu diesen Geschäften zählen, seien aber nur ad hoc Maßnahmen mit Fristigkeiten unter 7 Tagen und würden zum Ausgleich saisonaler Spitzen und für Notfallsrefinanzierungen eingesetzt.

Darüber hinaus seien die Banken zur Haltung von Mindestreserven verpflichtet. Der offizielle Satz liege aktuell bei 17%. Allerdings sei im Februar für Banken, die im größeren Ausmaß kleinere Unternehmen und an die Agrarwirtschaft verleihen würden, der Reservesatz auf 15-16% gesenkt worden.

Aktuell versuche die Notenbank einen Zinskorridor zu etablieren. SLFs würden das obere Ende des Zinskorridors, der Zins auf Überschussreserven (über Mindestreserven hinausgehende Reserven) theoretisch das untere Ende der Bandbreite stellen. Da dieser aber zu tief liege, um eine bindende Orientierungsgröße für Banken zu sein, dürfte sich der 7-tägige Reserve-Reposatz der PBoC als untere Bandbreitengröße etablieren.

Die ersten restriktiveren Maßnahmen hätten die Chinesischen Währungshüter bereits im Sommer letzten Jahres mit einem "operational twist" gesetzt. Kurzfristige, 7-tägige Refinanzierungen über Offenmarktgeschäfte seien durch längerfristige 14- und 28-tägige Geschäfte ersetzt worden. Gleichzeitig seien die Banken aufgefordert worden, Übernachtfinanzierungen durch längerfristige zu ersetzen. Im Endergebnis seien die Geldmarktzinsen am vorderen Ende kräftig angestiegen und hätten eine Verschiebung der gesamten Renditekurve nach oben verursacht. Die 10-jährigen Anleiherenditen lägen jetzt bei ca. 3,5% in etwa im langfristigen Durchschnitt.

Der nächste Schritt sei nach den Neujahrsfeiertagen gesetzt worden. Die PBoC habe die Offenmarktsätze im 7-, 14- und 28-tägigen Segment um 10 BP erhöht, ein sehr moderater Schritt, da normalerweise die Zinsschritte im 25 BP Ausmaß erfolgen würden. Gleichzeitig sei der erhöhte Liquiditätsbedarf über kurzfristige Repogeschäfte und über die mittelfristige Refinanzierungsfazilität (MLF) gedeckt worden.

Die letzten Zinsmaßnahmen seien vor gut einer Woche beschlossen worden. Die Zinsen bei den Offenmarktgeschäften seien wieder um 10 BP auf 2,45%, 2,60% und 2,75% angehoben worden. Jene der MLFs auf 3,20%. Die Maßnahmen seien nur wenige Stunden gekommen, nachdem die US-FED die Zinsen erhöht habe. Der Grund sei offensichtlich gewesen: Mit einer Zinsanhebung sollte eine Intensivierung des Kapitalabflusses und somit eine weitere Yuan-Schwäche vermieden werden.

Im Endeffekt sei es der Plan, die geldpolitischen Zügel zu straffen; allerdings in einer sehr moderaten und behutsamen Art. Steigende Zinsen (so auch vom IWF als makroprudenziale Maßnahme gefordert) sollten den Kredit- und Immobilienboom eindämmen und so die volkswirtschaftlichen Risiken reduzieren. Die Maßnahmen dürften andererseits nicht zu heftig ausfallen, um den Unternehmen (vor allem mit notleidenden Krediten) nicht den Liquiditätshahn zu sperren. Gleichzeitig dürfte der Fokus der Notenbank und der Regierungsmitglieder weiter bei der Währungsstabilisierung liegen.

Die in den letzten Monaten beobachtbaren Zinsanstiege bei den Offenmarktgeschäften und bei den Refinanzierungfazilitäten würden diese "restriktivere" Neigung der PBoC widerspiegeln. Generell könne daher im Jahresverlauf mit weiteren Zinsschritten gerechnet werden, allerdings in einem sehr moderaten Ausmaß.

Der bisherige "Leitzins", der 1-jährige Basisausleihesatz, dürfte unverändert bleiben. Mit Aufgabe der bindenden Obergrenze habe dieser Zins ohnehin seine Richtwertfunktion für Kreditausleihungen verloren. Somit könne er auch nicht mehr als Leitzins definiert werden. Diese Rolle dürfte immer mehr der Reverse-Reposatz übernehmen. Solange es hier keine offizielle Erklärung gebe, heiße es aber weiter, im "Trüben fischen". (Ausgabe vom 29.03.2017) (30.03.2017/alc/a/a)





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