Ökonom Hüfner: Zweifel an EZB-Inflationsprognosen


22.06.17 10:15
Hello bank! Österreich

Salzburg (www.anleihencheck.de) - Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater der Hello bank! Österreich, zweifelt an den Prognosen der Europäischen Zentralbank zur Entwicklung der Inflation.

Die EZB rechne im nächsten Jahr mit einem leichten Rückgang und mit einer nur leichten Steigerung in 2019. Hüfner verweise jedoch auf die sich erholende Konjunktur, die auch die Nachfrage wachsen lasse. Der Experte gehe daher von spürbaren Preissteigerungen aus.

"In den letzten fünfzig Jahren besteht ein klarer Zusammenhang zwischen der Konjunktur und den Preisen. Immer dann, wenn die Nachfrage stieg, ging mit einer zeitlichen Verzögerung von ein bis zwei Jahren auch die Inflation nach oben", analysiere Hüfner. "Das ist beruhigend. Bei all den Veränderungen, die sich in den letzten Jahren in der Wirtschaft - und in der Wirtschaftstheorie - ergeben haben, hat sich an dem grundlegenden Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage nichts geändert."

Der Grund, weshalb die EZB-Volkswirte trotz Wirtschaftswachstum zu der Prognose einer sinkenden Inflationsrate kämen, liege laut Hüfner woanders. "Es sind die Ölpreise. Die Zentralbank nimmt an, dass sie in den nächsten zwei Jahren nicht steigen werden, sondern auf dem gegenwärtigen Niveau verharren. Das ist angesichts der schwierigen Lage auf dem globalen Ölmarkt denkbar, aber nicht wahrscheinlich. Vor allem aber: Es kann nicht als Begründung dafür herhalten, die Geldpolitik noch länger so locker zu halten. Die Zentralbank sollte sich nicht an den Ölpreisen orientieren, sondern an den binnenwirtschaftlichen Gegebenheiten."

Hüfner habe den Verdacht, dass die EZB die Inflations-Prognosen nicht zuletzt deshalb so niedrig ansetze, um damit ihr Zögern bei der Geldpolitik zu begründen. Anlegern rate der Volkswirt der Hello bank! Österreich jedenfalls, weiter davon auszugehen, dass die Preissteigerungen in Zukunft eher höher als niedriger ausfallen würden. "Die EZB bleibt unter Druck, die Liquidität zurückzuführen und die Zinsen zu erhöhen. Wenn sie das nicht tun sollte, dann werden wir Reaktionen am Kapitalmarkt sehen. Aktien könnten profitieren, wenn die Zinsen niedrig bleiben, die Preise aber stärker steigen", meine Hüfner. (22.06.2017/alc/a/a)