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Notenbanken werden eher reaktiv als präventiv handeln
30.05.25 12:00
RBC BlueBay Asset Management
London (www.anleihencheck.de) - Die weiteren Marktentwicklungen sind nicht nur für Investoren schwer vorherzusagen, auch für Notenbanker ist der Blick nach vorne eine Herausforderung, betont Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Die Renditen 10-jähriger Anleihen hätten sich in der vergangenen Woche weltweit kaum verändert. Dies sei jedoch nur ein Teil der Wahrheit: Der Verlauf der Renditekurve sei sehr viel volatiler gewesen. Langlaufende Anleihen seien von Sorgen bezüglich einer steigenden Verschuldung in Kombination mit technischen Entwicklungen im Zusammenhang mit Angebot und Nachfrage geprägt worden.
Insbesondere Japan habe in den vergangenen Tagen im Fokus gestanden. Langlaufende japanische Anleihen seien mangels Inlandsnachfrage besonders unter Druck geraten, während die Volatilität potenzielle Käufer abgeschreckt habe. Nach einer chaotischen Auktion 20-jähriger Papiere seien die Renditen für 30-jährige Anleihen auf über 3,2 Prozent gestiegen und hätten damit doppelt so hoch gelegen wie die für solche mit 10-jähriger Laufzeit.
Die Ankündigung, dass die Behörden in Tokio nun bereit seien, auf die Marktbedingungen zu reagieren, indem sie die Emission von Anleihen mit langen Laufzeiten einschränken würden, habe jedoch für eine deutliche Trendwende gesorgt. Sie habe zu einer Abflachung der japanischen Zinskurve zwischen 10 und 30 Jahren Laufzeit um mehr als 20 Basispunkte geführt und zu einer erfolgreicheren Auktion von 40-jährigen Papieren beigetragen.
Die ausgeprägte Abflachung am langen Ende der japanischen Kurve habe weltweit zu ähnlichen Bewegungen geführt. Defizitsorgen hätten die US-Kurve in der Vorwoche steiler werden lassen. Obwohl sich diese Entwicklung in den letzten Tagen wieder umgekehrt habe, würden die Sorgen um die steigende Verschuldung in nächster Zeit aus Sicht von Dowding nicht abnehmen.
In Europa seien die Bewegungen am Anleihemarkt gedämpfter als anderswo gewesen. Die Fiskalpolitik werde gelockert und Dowding sei skeptisch, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen unter 2 Prozent senken werde. Das Wachstum in den kommenden Monaten werde nahe 1,5 Prozent erwartet - ähnlich wie in den USA. Die Inflationsaussichten seien jedoch schwieriger vorherzusagen.
Einerseits erwarte Dowding, dass die Europäische Union (EU) Vergeltungszölle auf US-Importe erheben werde. Das könnte die Preise etwas erhöhen. Andererseits könnten zunehmende chinesische Exporte nach Europa die Inflation senken. Dies hänge natürlich davon ab, ob die EU aus Angst vor Dumping auch die Handelsbeschränkungen zum Schutz ihrer eigenen Produzenten erhöhe.
Es scheine, dass sich die meisten Märkte in den letzten Wochen seitwärts bewegt hätten, ohne einen klaren Trend erkennen zu lassen. Es wäre jedoch leichtsinnig zu erwarten, dass diese Bedingungen noch lange anhalten würden. Seit Beginn dieses Jahres habe man das Gefühl, dass es schwierig sei, vorherzusagen, was hinter der nächsten Ecke auf uns warte.
So anspruchsvoll wie für Volkswirte und Anleger sei es auch für Notenbanker, im aktuellen Umfeld die weiteren Entwicklungen zu prognostizieren. Daher dürften die Ausblicke der Zentralbanken nicht viel zählen. Stattdessen müssten die Entscheidungsträger eher reaktiv als präventiv handeln. Dies deute darauf hin, dass die US-Notenbank Federal Reserve wahrscheinlich irgendwann hinter der Kurve zurückbleiben werde - auch wenn Fed-Chef Jerome Powell bei einem Wachstum von 1,5 Prozent und einem nur langsamen Anstieg der Arbeitslosenquote mit den aktuellen Zinssätzen relativ entspannt sein dürfte. (30.05.2025/alc/a/a)
Die Renditen 10-jähriger Anleihen hätten sich in der vergangenen Woche weltweit kaum verändert. Dies sei jedoch nur ein Teil der Wahrheit: Der Verlauf der Renditekurve sei sehr viel volatiler gewesen. Langlaufende Anleihen seien von Sorgen bezüglich einer steigenden Verschuldung in Kombination mit technischen Entwicklungen im Zusammenhang mit Angebot und Nachfrage geprägt worden.
Insbesondere Japan habe in den vergangenen Tagen im Fokus gestanden. Langlaufende japanische Anleihen seien mangels Inlandsnachfrage besonders unter Druck geraten, während die Volatilität potenzielle Käufer abgeschreckt habe. Nach einer chaotischen Auktion 20-jähriger Papiere seien die Renditen für 30-jährige Anleihen auf über 3,2 Prozent gestiegen und hätten damit doppelt so hoch gelegen wie die für solche mit 10-jähriger Laufzeit.
Die Ankündigung, dass die Behörden in Tokio nun bereit seien, auf die Marktbedingungen zu reagieren, indem sie die Emission von Anleihen mit langen Laufzeiten einschränken würden, habe jedoch für eine deutliche Trendwende gesorgt. Sie habe zu einer Abflachung der japanischen Zinskurve zwischen 10 und 30 Jahren Laufzeit um mehr als 20 Basispunkte geführt und zu einer erfolgreicheren Auktion von 40-jährigen Papieren beigetragen.
In Europa seien die Bewegungen am Anleihemarkt gedämpfter als anderswo gewesen. Die Fiskalpolitik werde gelockert und Dowding sei skeptisch, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen unter 2 Prozent senken werde. Das Wachstum in den kommenden Monaten werde nahe 1,5 Prozent erwartet - ähnlich wie in den USA. Die Inflationsaussichten seien jedoch schwieriger vorherzusagen.
Einerseits erwarte Dowding, dass die Europäische Union (EU) Vergeltungszölle auf US-Importe erheben werde. Das könnte die Preise etwas erhöhen. Andererseits könnten zunehmende chinesische Exporte nach Europa die Inflation senken. Dies hänge natürlich davon ab, ob die EU aus Angst vor Dumping auch die Handelsbeschränkungen zum Schutz ihrer eigenen Produzenten erhöhe.
Es scheine, dass sich die meisten Märkte in den letzten Wochen seitwärts bewegt hätten, ohne einen klaren Trend erkennen zu lassen. Es wäre jedoch leichtsinnig zu erwarten, dass diese Bedingungen noch lange anhalten würden. Seit Beginn dieses Jahres habe man das Gefühl, dass es schwierig sei, vorherzusagen, was hinter der nächsten Ecke auf uns warte.
So anspruchsvoll wie für Volkswirte und Anleger sei es auch für Notenbanker, im aktuellen Umfeld die weiteren Entwicklungen zu prognostizieren. Daher dürften die Ausblicke der Zentralbanken nicht viel zählen. Stattdessen müssten die Entscheidungsträger eher reaktiv als präventiv handeln. Dies deute darauf hin, dass die US-Notenbank Federal Reserve wahrscheinlich irgendwann hinter der Kurve zurückbleiben werde - auch wenn Fed-Chef Jerome Powell bei einem Wachstum von 1,5 Prozent und einem nur langsamen Anstieg der Arbeitslosenquote mit den aktuellen Zinssätzen relativ entspannt sein dürfte. (30.05.2025/alc/a/a)


