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Notenbanken warten ab
05.08.24 09:55
Union Investment
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Finanzmärkte wurden im Juli von zahlreichen Themen beeinflusst, von einer ausgesprochenen Sommerpause konnte keine Rede sein, so die Experten von Union Investment.
Die großen Notenbanken Federal Reserve (FED) in den USA und die Europäische Zentralbank (EZB) hätten auf ihren Sitzungen im Berichtsmonat eine abwartende Haltung eingenommen. Die japanische Notenbank habe hingegen den Leitzins erhöht. Auf der politischen Seite habe sich nach den Parlamentswahlen in Frankreich die Lage am Euro-Rentenmarkt beruhigt. An den US-Aktienbörsen sei im Juli ein Favoritenwechsel zu beobachten gewesen. Während die großen Tech-Werte unter Druck gekommen seien, seien die Aktien kleinerer Unternehmen gefragt gewesen. In den USA habe zudem der US-Präsidentschaftswahlkampf mit dem Attentat auf Donald Trump und dem Verzicht von Joe Biden auf eine erneute Kandidatur an Fahrt aufgenommen.
Die Europäische Zentralbank habe auf ihrer Juli-Sitzung die Leitzinsen unverändert beibehalten. Nach der Anfang Juni erfolgten ersten Zinssenkung seit knapp fünf Jahren sei der Einlagensatz damit bei 3,75 Prozent geblieben. Die EZB habe sich mit Hinweisen bezüglich des weiteren Zinspfads sehr bedeckt gehalten. Die Ratsmitglieder scheinen sich vor dem Hintergrund des zuletzt unsicheren Umfeldes uneins über das weitere Vorgehen zu sein, so die Experten von Union Investment.
Zudem dürfte sich die EZB mit einem zu frühzeitigen Festlegen auf weitere Schritte nicht des Handlungsspielraums berauben wollen. Zumal bei der Inflationsentwicklung trotz erkennbarer Fortschritte der Preisdruck weiter anhalte. Die Experten würden aber weiterhin davon ausgehen, dass die EZB im September die nächste Zinssenkung vornehmen werde, weil sich die Teuerung dem Inflationsziel der Notenbank weiter annähern dürfte.
Die US-Notenbank habe Ende Juli ebenfalls wie erwartet den Leitzins unverändert gehalten (5,25 bis 5,5 Prozent). Allerdings habe der FED-Vorsitzende Jerome Powell sowohl im Statement zur FED-Sitzung als auch in der folgenden Pressekonferenz die Tür für eine Leitzinssenkung im September aufgestoßen. Dabei scheinen die im zweiten Quartal veröffentlichten Daten die Währungshüter darin zu bestärken, dass sich die Inflation weiter in Richtung des Inflationsziels der FED entwickeln dürfte, auch wenn sie es zunächst voraussichtlich nicht erreichen wird, so die Experten von Union Investment.
Auch die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt wirke unterstützend. Die Experten würden sich vom FED-Statement in ihrer Einschätzung bestätigt sehen, dass die amerikanische Notenbank nicht mehr viel brauche, um erstmals den Leitzins zu senken. Sollte die Inflation bis September einigermaßen im Rahmen der Erwartungen liegen, dürfte die FED dann auf der September-Sitzung den Leitzins um 25 Basispunkte reduzieren.
Die japanische Notenbank Bank of Japan (BoJ) habe sich hingegen auf ihrer Sitzung Ende Juli mit einer Leitzinserhöhung um 0,25 Prozent und der konkreten Rückführung der Ankäufe japanischer Staatsanleihen auf eine geldpolitische Normalisierung verständigt. Diese Entscheidung zur Abkehr von der expansiven Geldpolitik habe auf der Feststellung gefußt, dass sich die japanische Wirtschaftsaktivität und die Inflation im Wesentlichen so entwickelt hätten, wie dies von der Zentralbank im Frühjahr prognostiziert worden sei.
Höhere Löhne in der Breite und moderat anziehende Preise im Dienstleistungssektor hätten der Entscheidung zugrunde gelegen. Die Tonalität der BoJ sei dabei mit der Betonung auf weiteren Aufwärtsrisiken bei der Inflationsentwicklung restriktiv geblieben. Die Experten würden daher im Dezember mit hoher Wahrscheinlichkeit eine nächste Zinserhöhung in Japan erwarten.
In den USA bleibe das Marktumfeld insgesamt positiv, auch wenn die jüngsten Daten auf eine etwas schwächere Dynamik hindeuten würden. Die Experten hätten ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 2,7 auf 2,6 Prozent leicht reduziert, für 2025 würden sie weiterhin ein Plus von 1,9 Prozent erwarten. Die US-Einzelhandelsdaten seien im Juni gegenüber dem Vormonat unverändert und damit etwas besser als erwartet gewesen.
Der Konsum wachse zwar derzeit nicht so stark wie im zweiten Halbjahr 2023, dieser sollte aber solide bleiben. Die Industrieproduktion habe nach guten Zahlen im Mai auch im Juni spürbar zugelegt. Der Juni-Arbeitsmarktbericht zeige eine moderate Abkühlung mit einer sich abschwächenden Nachfrage nach Arbeitskräften, gleichzeitig nehme das Angebot an Arbeitskräften zu. Anders als erwartet sei der ISM-Service-Indikator im Juni zurückgegangen. Im Verarbeitenden Gewerbe würden die Experten hingegen eine leichte Belebung erwarten.
Im Euroraum sei die Industrieproduktion im Monatsvergleich zuletzt um 0,6 Prozent gesunken. Gegenüber dem Vorjahr betrage das Minus 2,9 Prozent, wobei Deutschland besonders schwach abgeschnitten habe. Das Konsumklima in Deutschland (GfK-Konsumklimaindex) habe sich im Juli - wenngleich im negativen Bereich - immerhin ein wenig verbessern können und finde sich mit zuletzt minus 18,4 Punkten mittlerweile deutlich vom Ende 2022 erreichten Tiefpunkt entfernt. Dennoch könne aufgrund der Kaufkraftverluste der Verbraucher und den - trotz EZB-Zinssenkung - straffen Finanzierungsbedingungen noch keine Entwarnung gegeben werden.
Darüber hinaus habe sich in Deutschland der ifo-Geschäftsklimaindex zum dritten Mal in Folge eingetrübt und im Juli um 1,6 auf 87,0 Punkte nachgegeben. Sowohl die Lage als auch die Erwartungen der befragten Unternehmen seien deutlich pessimistischer als erwartet ausgefallen. Der negative Trend habe sich dabei durch alle Branchen gezogen. Die Prognosen der Experten für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Eurozone lägen unverändert bei 0,6 Prozent für 2024 und für 2025 bei 1,2 Prozent.
Da die deutsche Wirtschaft vergleichsweise stark von China abhänge, würden die jüngsten Konjunkturdaten aus dem Reich der Mitte kaum Anlass für Optimismus bieten. Sowohl beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das zweite Quartal 2024 als auch beim Einzelhandelsumsatz und den Anlageinvestitionen hätten die Datenpunkte unter ihrem jeweiligen Vorwert gelegen. Eine Belebung im chinesischen Bausektor sei nicht in Sicht. Darüber hinaus sei im Juli der Caixin-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe mit 49,8 Punkten unter die wichtige Expansionsschwelle von 50 Zählern gefallen. Der Start ins dritte Quartal sei somit recht schwach gewesen. China werde die Binnennachfrage ankurbeln müssen, um das Wachstumsziel für das Gesamtjahr erreichen zu können. (Ausgabe vom 02.08.2024) (05.08.2024/alc/a/a)
Die großen Notenbanken Federal Reserve (FED) in den USA und die Europäische Zentralbank (EZB) hätten auf ihren Sitzungen im Berichtsmonat eine abwartende Haltung eingenommen. Die japanische Notenbank habe hingegen den Leitzins erhöht. Auf der politischen Seite habe sich nach den Parlamentswahlen in Frankreich die Lage am Euro-Rentenmarkt beruhigt. An den US-Aktienbörsen sei im Juli ein Favoritenwechsel zu beobachten gewesen. Während die großen Tech-Werte unter Druck gekommen seien, seien die Aktien kleinerer Unternehmen gefragt gewesen. In den USA habe zudem der US-Präsidentschaftswahlkampf mit dem Attentat auf Donald Trump und dem Verzicht von Joe Biden auf eine erneute Kandidatur an Fahrt aufgenommen.
Die Europäische Zentralbank habe auf ihrer Juli-Sitzung die Leitzinsen unverändert beibehalten. Nach der Anfang Juni erfolgten ersten Zinssenkung seit knapp fünf Jahren sei der Einlagensatz damit bei 3,75 Prozent geblieben. Die EZB habe sich mit Hinweisen bezüglich des weiteren Zinspfads sehr bedeckt gehalten. Die Ratsmitglieder scheinen sich vor dem Hintergrund des zuletzt unsicheren Umfeldes uneins über das weitere Vorgehen zu sein, so die Experten von Union Investment.
Zudem dürfte sich die EZB mit einem zu frühzeitigen Festlegen auf weitere Schritte nicht des Handlungsspielraums berauben wollen. Zumal bei der Inflationsentwicklung trotz erkennbarer Fortschritte der Preisdruck weiter anhalte. Die Experten würden aber weiterhin davon ausgehen, dass die EZB im September die nächste Zinssenkung vornehmen werde, weil sich die Teuerung dem Inflationsziel der Notenbank weiter annähern dürfte.
Die US-Notenbank habe Ende Juli ebenfalls wie erwartet den Leitzins unverändert gehalten (5,25 bis 5,5 Prozent). Allerdings habe der FED-Vorsitzende Jerome Powell sowohl im Statement zur FED-Sitzung als auch in der folgenden Pressekonferenz die Tür für eine Leitzinssenkung im September aufgestoßen. Dabei scheinen die im zweiten Quartal veröffentlichten Daten die Währungshüter darin zu bestärken, dass sich die Inflation weiter in Richtung des Inflationsziels der FED entwickeln dürfte, auch wenn sie es zunächst voraussichtlich nicht erreichen wird, so die Experten von Union Investment.
Auch die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt wirke unterstützend. Die Experten würden sich vom FED-Statement in ihrer Einschätzung bestätigt sehen, dass die amerikanische Notenbank nicht mehr viel brauche, um erstmals den Leitzins zu senken. Sollte die Inflation bis September einigermaßen im Rahmen der Erwartungen liegen, dürfte die FED dann auf der September-Sitzung den Leitzins um 25 Basispunkte reduzieren.
Höhere Löhne in der Breite und moderat anziehende Preise im Dienstleistungssektor hätten der Entscheidung zugrunde gelegen. Die Tonalität der BoJ sei dabei mit der Betonung auf weiteren Aufwärtsrisiken bei der Inflationsentwicklung restriktiv geblieben. Die Experten würden daher im Dezember mit hoher Wahrscheinlichkeit eine nächste Zinserhöhung in Japan erwarten.
In den USA bleibe das Marktumfeld insgesamt positiv, auch wenn die jüngsten Daten auf eine etwas schwächere Dynamik hindeuten würden. Die Experten hätten ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 2,7 auf 2,6 Prozent leicht reduziert, für 2025 würden sie weiterhin ein Plus von 1,9 Prozent erwarten. Die US-Einzelhandelsdaten seien im Juni gegenüber dem Vormonat unverändert und damit etwas besser als erwartet gewesen.
Der Konsum wachse zwar derzeit nicht so stark wie im zweiten Halbjahr 2023, dieser sollte aber solide bleiben. Die Industrieproduktion habe nach guten Zahlen im Mai auch im Juni spürbar zugelegt. Der Juni-Arbeitsmarktbericht zeige eine moderate Abkühlung mit einer sich abschwächenden Nachfrage nach Arbeitskräften, gleichzeitig nehme das Angebot an Arbeitskräften zu. Anders als erwartet sei der ISM-Service-Indikator im Juni zurückgegangen. Im Verarbeitenden Gewerbe würden die Experten hingegen eine leichte Belebung erwarten.
Im Euroraum sei die Industrieproduktion im Monatsvergleich zuletzt um 0,6 Prozent gesunken. Gegenüber dem Vorjahr betrage das Minus 2,9 Prozent, wobei Deutschland besonders schwach abgeschnitten habe. Das Konsumklima in Deutschland (GfK-Konsumklimaindex) habe sich im Juli - wenngleich im negativen Bereich - immerhin ein wenig verbessern können und finde sich mit zuletzt minus 18,4 Punkten mittlerweile deutlich vom Ende 2022 erreichten Tiefpunkt entfernt. Dennoch könne aufgrund der Kaufkraftverluste der Verbraucher und den - trotz EZB-Zinssenkung - straffen Finanzierungsbedingungen noch keine Entwarnung gegeben werden.
Darüber hinaus habe sich in Deutschland der ifo-Geschäftsklimaindex zum dritten Mal in Folge eingetrübt und im Juli um 1,6 auf 87,0 Punkte nachgegeben. Sowohl die Lage als auch die Erwartungen der befragten Unternehmen seien deutlich pessimistischer als erwartet ausgefallen. Der negative Trend habe sich dabei durch alle Branchen gezogen. Die Prognosen der Experten für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Eurozone lägen unverändert bei 0,6 Prozent für 2024 und für 2025 bei 1,2 Prozent.
Da die deutsche Wirtschaft vergleichsweise stark von China abhänge, würden die jüngsten Konjunkturdaten aus dem Reich der Mitte kaum Anlass für Optimismus bieten. Sowohl beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das zweite Quartal 2024 als auch beim Einzelhandelsumsatz und den Anlageinvestitionen hätten die Datenpunkte unter ihrem jeweiligen Vorwert gelegen. Eine Belebung im chinesischen Bausektor sei nicht in Sicht. Darüber hinaus sei im Juli der Caixin-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe mit 49,8 Punkten unter die wichtige Expansionsschwelle von 50 Zählern gefallen. Der Start ins dritte Quartal sei somit recht schwach gewesen. China werde die Binnennachfrage ankurbeln müssen, um das Wachstumsziel für das Gesamtjahr erreichen zu können. (Ausgabe vom 02.08.2024) (05.08.2024/alc/a/a)


