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Notenbanken und US-Wahlkampf im Fokus
27.09.24 12:21
RBC BlueBay Asset Management
London (www.anleihencheck.de) - Die vergangenen Wochen waren geprägt von mehreren geldpolitischen Entscheidungen, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.
Nach der jüngsten Zinssenkung durch die Federal Reserve Bank (FED) setze die US-Zinskurve ihre Normalisierung fort. Während die Zinsen am kurzen Laufzeitende sinken würden, hätten sich die Zinsen am längeren Ende der Zinskurve in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Nach Auffassung der Experten spiegele dies eine Haltung der FED wider, bei der Inflationssorgen gegenüber dem Wirtschaftswachstum depriorisiert würden.
Kommende Woche würden neue Daten zum US-Arbeitsmarkt veröffentlicht, die hinsichtlich der Markterwartung zur weiteren Zinspolitik der US-Notenbank relevant sein dürften. Die Experten könnten sich vorstellen, dass eine sinkende Arbeitslosenquote die FED dazu verleite, die Füße still zu halten.
Steige die Arbeitslosenquote jedoch an und erhöhe sich die Anzahl neu geschaffener Stellen auf Monatssicht um weniger als 50.000, wäre eine Zinssenkung um 50 Basispunkte denkbar.
Die Experten würden davon ausgehen, dass die US-Wirtschaft in den nächsten Monaten relativ gesund aussehen werde. Die Sorgen über eine Schwäche auf dem Arbeitsmarkt könnten dagegen etwas übertrieben sein.
Zur Unsicherheit über die Wirtschaftsentwicklung geselle sich die Ungewissheit über die politische Richtung der Vereinigten Staaten. Die Wahlprognosen für beide Lager - Demokraten und Republikaner - scheinen recht ausgeglichen. Vor allem die Wahlbeteiligung könnte bei dieser Wahl ein entscheidender Faktor werden.
Denn in den Vereinigten Staaten scheine die überwältigende Mehrheit der Wähler, die 2016 und 2020 Republikaner oder Demokraten gewählt haben, dieses Muster auch bei dieser Wahl zu wiederholen. Ein starker Kontrast zur Situation in Europa, wo die Wählerpräferenzen stark schwanken würden.
Im Nahen Osten hätten sich die Ereignisse in Richtung einer Eskalation entwickelt. Aus Gesprächen mit Analysten und Entscheidungsträgern hätten die Experten mitgenommen, dass der israelische Ministerpräsident Netanyahu möglicherweise kalkuliert habe, vor der US-Wahl freie Hand zu haben, den Konflikt eskalieren zu lassen.
Sollte es zu einer größeren Vergeltung durch die Hisbollah oder den Iran kommen und die Vereinigten Staaten in einen Konflikt verwickelt werden, könnte dies dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Trump als stärkeren Unterstützer Israels zugutekommen. Ein größerer Konflikt könnte ein Risiko für steigende Ölpreise darstellen. Die Experten würden es jedoch für wahrscheinlicher halten, dass der Konflikt im Nahen Osten unter Kontrolle bleibe.
In Frankreich würden sich die Probleme der Regierung verschärfen, da die Beliebtheitswerte des französischen Präsidenten Macrons sinken würden und der neue Wirtschaftsminister Antoine Armand die Rassemblement National Partei (RN) von den Haushaltsberatungen ausschließe.
Angesichts des französischen Haushaltsdefizits von über 5 Prozent der Wirtschaftsleistung und eines drohenden EU-Defizitverfahrens stehe die Regierung unter Druck, fiskalische Disziplin zu zeigen. Jene Unsicherheit belaste auch die Finanzmärkte, was weiter Druck auf die Kreditrisikoaufschläge französischer Staatsanleihen ausüben könnte, solange Macron im Amt bleibe.
Die europäischen Einkaufsmanagerindices für den Monat September seien relativ enttäuschend gewesen, was vor allem auf schwache Daten aus Frankreich und Deutschland zurückzuführen sei.
Die Europäische Zentralbank (EZB) stehe folglich unter Druck, weitere geldpolitische Lockerungen vorzunehmen. Die FED liefere dem Markt bereits einen ersten größeren Zinsschritt, der Euro habe zuletzt aufgewertet und teste das Niveau von 1,12 US-Dollar. Fiskalpolitische Impulse der EU würden bislang ausbleiben. Aus diesen Gründen würden die Experten eine weniger restriktive Politik seitens der EZB-Präsidentin Lagarde im nächsten Monat für wahrscheinlich halten.
In China hätten geldpolitische Lockerungsmaßnahmen dem dortigen Aktienmarkt merklich unter die Arme gegriffen. Es scheine, als habe die entschlossene Zinspolitik der FED die Führung in Peking dazu veranlasst, ebenfalls entschiedener vorzugehen.
Kurz vor dem vierten Quartal des Jahres 2024 erscheine den Experten das Anlageumfeld verhältnismäßig unsicher. Kurzfristig würden sie an ihrer Einschätzung zu einer robusten US-Wirtschaft festhalten. Daneben dürfte die lockere Geldpolitik der FED risikoreiche Anlagen weiter stützen.
Die Experten würden davon ausgehen, dass sich die Normalisierung der Zinskurve fortsetze. Es sei denn, überraschend positive Datenpunkte würden dazu führen, dass der Markt seine Erwartung zur Zinspolitik im November deutlich korrigiere.
Das Thema der US-Präsidentschaftswahl gewinne zunehmend an Relevanz, wenngleich der Ausgang kaum prognostizierbar bleibe. Die Experten würden dazu tendieren, einen Sieg Trumps als inflationär einzustufen. Infolgedessen könnte der US-Dollar aufwerten und die US-Zinskurve steiler werden.
Im Falle einer Harris-Präsidentschaft würden die Experten zunächst einen schwächeren US-Dollar und eine eher verhaltene Reaktion der Aktienmärkte erwarten. (27.09.2024/alc/a/a)
Nach der jüngsten Zinssenkung durch die Federal Reserve Bank (FED) setze die US-Zinskurve ihre Normalisierung fort. Während die Zinsen am kurzen Laufzeitende sinken würden, hätten sich die Zinsen am längeren Ende der Zinskurve in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Nach Auffassung der Experten spiegele dies eine Haltung der FED wider, bei der Inflationssorgen gegenüber dem Wirtschaftswachstum depriorisiert würden.
Kommende Woche würden neue Daten zum US-Arbeitsmarkt veröffentlicht, die hinsichtlich der Markterwartung zur weiteren Zinspolitik der US-Notenbank relevant sein dürften. Die Experten könnten sich vorstellen, dass eine sinkende Arbeitslosenquote die FED dazu verleite, die Füße still zu halten.
Steige die Arbeitslosenquote jedoch an und erhöhe sich die Anzahl neu geschaffener Stellen auf Monatssicht um weniger als 50.000, wäre eine Zinssenkung um 50 Basispunkte denkbar.
Die Experten würden davon ausgehen, dass die US-Wirtschaft in den nächsten Monaten relativ gesund aussehen werde. Die Sorgen über eine Schwäche auf dem Arbeitsmarkt könnten dagegen etwas übertrieben sein.
Zur Unsicherheit über die Wirtschaftsentwicklung geselle sich die Ungewissheit über die politische Richtung der Vereinigten Staaten. Die Wahlprognosen für beide Lager - Demokraten und Republikaner - scheinen recht ausgeglichen. Vor allem die Wahlbeteiligung könnte bei dieser Wahl ein entscheidender Faktor werden.
Denn in den Vereinigten Staaten scheine die überwältigende Mehrheit der Wähler, die 2016 und 2020 Republikaner oder Demokraten gewählt haben, dieses Muster auch bei dieser Wahl zu wiederholen. Ein starker Kontrast zur Situation in Europa, wo die Wählerpräferenzen stark schwanken würden.
Im Nahen Osten hätten sich die Ereignisse in Richtung einer Eskalation entwickelt. Aus Gesprächen mit Analysten und Entscheidungsträgern hätten die Experten mitgenommen, dass der israelische Ministerpräsident Netanyahu möglicherweise kalkuliert habe, vor der US-Wahl freie Hand zu haben, den Konflikt eskalieren zu lassen.
In Frankreich würden sich die Probleme der Regierung verschärfen, da die Beliebtheitswerte des französischen Präsidenten Macrons sinken würden und der neue Wirtschaftsminister Antoine Armand die Rassemblement National Partei (RN) von den Haushaltsberatungen ausschließe.
Angesichts des französischen Haushaltsdefizits von über 5 Prozent der Wirtschaftsleistung und eines drohenden EU-Defizitverfahrens stehe die Regierung unter Druck, fiskalische Disziplin zu zeigen. Jene Unsicherheit belaste auch die Finanzmärkte, was weiter Druck auf die Kreditrisikoaufschläge französischer Staatsanleihen ausüben könnte, solange Macron im Amt bleibe.
Die europäischen Einkaufsmanagerindices für den Monat September seien relativ enttäuschend gewesen, was vor allem auf schwache Daten aus Frankreich und Deutschland zurückzuführen sei.
Die Europäische Zentralbank (EZB) stehe folglich unter Druck, weitere geldpolitische Lockerungen vorzunehmen. Die FED liefere dem Markt bereits einen ersten größeren Zinsschritt, der Euro habe zuletzt aufgewertet und teste das Niveau von 1,12 US-Dollar. Fiskalpolitische Impulse der EU würden bislang ausbleiben. Aus diesen Gründen würden die Experten eine weniger restriktive Politik seitens der EZB-Präsidentin Lagarde im nächsten Monat für wahrscheinlich halten.
In China hätten geldpolitische Lockerungsmaßnahmen dem dortigen Aktienmarkt merklich unter die Arme gegriffen. Es scheine, als habe die entschlossene Zinspolitik der FED die Führung in Peking dazu veranlasst, ebenfalls entschiedener vorzugehen.
Kurz vor dem vierten Quartal des Jahres 2024 erscheine den Experten das Anlageumfeld verhältnismäßig unsicher. Kurzfristig würden sie an ihrer Einschätzung zu einer robusten US-Wirtschaft festhalten. Daneben dürfte die lockere Geldpolitik der FED risikoreiche Anlagen weiter stützen.
Die Experten würden davon ausgehen, dass sich die Normalisierung der Zinskurve fortsetze. Es sei denn, überraschend positive Datenpunkte würden dazu führen, dass der Markt seine Erwartung zur Zinspolitik im November deutlich korrigiere.
Das Thema der US-Präsidentschaftswahl gewinne zunehmend an Relevanz, wenngleich der Ausgang kaum prognostizierbar bleibe. Die Experten würden dazu tendieren, einen Sieg Trumps als inflationär einzustufen. Infolgedessen könnte der US-Dollar aufwerten und die US-Zinskurve steiler werden.
Im Falle einer Harris-Präsidentschaft würden die Experten zunächst einen schwächeren US-Dollar und eine eher verhaltene Reaktion der Aktienmärkte erwarten. (27.09.2024/alc/a/a)


