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Die Notenbanken agieren weiter sehr umsichtig


17.09.21 10:33
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Unterschiedlicher konnten die Verhaltensweisen der Schwellenländer und der Industrienationen in den letzten Monaten nicht sein, so Jens Herdack, CEFA, CIIA bei der Weberbank.

Während in den Industrienationen weiter kräftig Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen und Bevölkerung umgesetzt würden und auch die Notenbanken "noch" konjunkturfördernd agieren würden, seien die Schwellenländer sehr viel weniger mit Stützungsmaßnahmen aktiv geworden. China habe schon seit Ausbruch der Pandemie eher verhalten agiert. In den letzten Monaten seien darüber hinaus auch noch zusätzliche eher wirtschaftsdämpfende Maßnahmen hinzugekommen. So ging die chinesische Regierung zahlreiche Fehlentwicklungen im Land an, so die Analysten der Weberbank.

Schon seit einigen Jahren sei festzustellen gewesen, dass sich das Reich der Mitte von seinem kommunistischen Ideal der gleichmäßigen Verteilung des Wohlstands und der Zufriedenheit der Bevölkerung weit entfernt habe. Der Druck auf die großen Tech-Konzerne sei gewachsen, ihre Marktmacht nicht weiter auszunutzen und sich dem Geist des Gemeinwohls zu öffnen.

Ähnlich den Industrienationen kämpfe China darüber hinaus mit seiner Demografie. Dem einstigen Verbot mehrerer Kinder sei nun die Erlaubnis von bis zu drei Kindern pro Familie gefolgt. Um dieses Ziel zu erreichen, habe die Regierung jüngst mit dem Verbot der Gewinnorientierung der Unternehmen radikal in den Bildungsmarkt eingegriffen, um den ärmeren Familien die Finanzierung mehrerer Kinder überhaupt erst zu ermöglichen.

Auch die jüngste Einschränkung der Nutzung von Onlinespielen für unter 18-Jährige ziele in die Richtung der größeren Priorisierung gesellschaftlichen Nutzens. Gemäß dem neuen Motto der chinesischen Regierung "Häuser sind zum Wohnen, nicht zum Spekulieren" seien die Anforderungen an Immobilienentwickler ebenfalls deutlich verschärft worden, was aktuell zu einer prekären Liquiditätskrise bei einem der größten Entwickler des Landes führe. Ein Zwiespalt für die chinesische Regierung: Einerseits möchte man marktorientierter werden und auch Konkurse einzelner Unternehmen zulassen, andererseits würde eine Pleite des Immobilienriesen auf Banken und private Sparer durchschlagen.

Darüber hinaus sei zuletzt auch die ungerechte Verteilung von Vermögen thematisiert worden. Die Kommunisten hätten gewissermaßen den Kommunismus neu entdeckt, den sie lange Zeit dem "Wild-West-Kapitalismus" geopfert hätten. Die Märkte würden auf diese vielen Regulierungsvorstöße verschreckt reagieren. Die chinesischen Aktienmärkte befänden sich in einem Abwärtstrend. Dürfe man deshalb dort nicht mehr investieren? Die Analysten der Weberbank würden glauben, dass in der aktuellen Regulierungswelle in nächster Zeit ein Boden erreicht sein könnte und die deutlich korrigierten Bewertungen dann ein günstiges Einstiegsniveau darstellen könnten.

Auch in den Industrienationen hätten zuletzt die Aktienmärkte vor dem Hintergrund sich wieder normalisierender Wachstumszahlen konsolidiert. Die Notenbanken würden jedoch weiter sehr umsichtig agieren. So habe die EZB in ihrem jüngsten Statement erneut eine klare Aussage zu eventuellen Reduzierungen ihrer Anleihekaufprogramme verschoben. Auch die FED gehe sehr vorsichtig mit der Kommunikation zu den von ihr erwarteten Maßnahmen um. Insofern könnte sich auch die rasante Aufwärtsbewegung an den westlichen Börsen nun zunächst etwas abflachen. Immerhin sei der US-Markt, gemessen am S&P 500-Index, in diesem Jahr schon um ca. 25 Prozent in Euro gestiegen. Doch selbst wenn die Notenbanken nun ihre Unterstützung für die Wirtschaft etwas reduzieren sollten, stehe immer noch sehr viel Liquidität bereit, sodass Aktien weiter attraktiv bleiben würden.

Dass die Wirtschaft global weiter auf soliden Beinen stehe, lasse sich auch an den steigenden Rohstoffpreisen ablesen. Sowohl der Ölpreis, als auch die Industriemetalle würden weiter steigen. Ölseitig sei die OPEC aufgrund ins Stocken geratenen Ausbaus der Schieferölproduktion in den USA wieder in eine dominante Position gerückt und schaffe es im Moment sehr gut, ihre Produktion nur soweit zu steigern, als dass der Ölpreis auf seinen hohen Niveaus verbleibe. Die Industriemetallpreise würden von den angeschobenen Investitionsprogrammen weltweit und dem Umbau der Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit profitieren. Dieser Trend dürfte die Rohstoffpreise wohl auch mittelfristig weiter unterstützen. (17.09.2021/alc/a/a)