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Niedrigzinsen werden das Wachstum nicht retten


25.07.19 12:30
SYZ Asset Management

Genf (www.anleihencheck.de) - Die globale Wachstumsdynamik verliert an Schwung, selbst in den USA, so die Experten von SYZ Asset Management.

Angesichts dessen wollten die Zentralbanken weltweit ihre Geldpolitik wieder lockern. Doch werde das etwas bringen?

"Leider bedeuten niedrigere Zinsen nicht automatisch ein höheres nominales Wachstum", ermahne Fabrizio Quirighetti, CIO und Head of Multi-Asset bei SYZ Asset Management. Denn die entscheidenden Probleme seien struktureller Natur. "Niedrigzinsen sind keine Lösung, sondern lediglich eine Möglichkeit, den Konjunkturzyklus zu verlängern und sich etwas vorzumachen", betone er.

Die Japanisierung der Welt

"Die Welt wird zunehmend ‚japanisch‘", pflichte Adrien Pichoud, Chief Economist und Portfolio Manager bei SYZ Asset Management bei. Noch verhindere die robuste Binnennachfrage in den meisten Industriestaaten ein Abrutschen ihrer Wirtschaft in eine Rezession. Angesichts der Inflationsraten hätten die Zentralbanken jedoch kaum eine Wahl gehabt. "Die Inflationsdynamik bleibt auf der ganzen Linie mäßig, und der jüngste Rückgang der Ölpreise, der sich in der Gesamtinflation niederschlägt, war in dieser Hinsicht auch nicht gerade hilfreich", so Pichoud.

"Europa, China und Japan dürften die ersten direkten oder Kollateralopfer werden, wenn es in den nächsten Monaten zu einer Wachstumsenttäuschung kommt und der Handelskrieg sich zuspitzt", fasse Maurice Harari, Senior Portfolio Manager bei SYZ Asset Management zusammen. In der Tat: Angesichts der anhaltenden Wachstumsverlangsamung in den Industrieländlern und der Handelsspannungen zwischen den USA und China würden nun auch Wirtschaften der Schwellenländer größtenteils abbremsen. "Chinas BIP-Wachstum verharrt auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten", kommentiere Pichoud. "Das zieht auch andere südostasiatische Länder wie Korea oder Taiwan in Mitleidenschaft." All das - in Verbindung mit einem US-Dollar, der nicht mehr aufwerte, und schwacher Inflationsraten - veranlasse die Zentralbanken der Schwellenländer dazu, ihre Politiken ebenfalls zu lockern.

Aktien als Alternative

Was tun? "Die Kehrtwende der großen Zentralbanken hin zu einer expansiveren Haltung wird die Marktteilnehmer zwingen, weiterhin Risikoanlagen zu halten oder aufzustocken, um die monetären Kräfte der finanziellen Repression zu vermeiden", sage Harari. "Im Hinblick auf die festverzinsliche Allokation und die Duration raten wir dazu, investiert zu bleiben, eine gewisse Duration zu halten, Schwellenländeranleihen zu bevorzugen und bei europäischen Unternehmensanleihen aufzustocken", ergänze Quirighetti.

Interessant seien auch Aktien mit hohen Dividenden. "Sie dürften weniger von einer zinsbedingten vorübergehenden Neubewertung gefährdet sein und in diesem Niedrigzinsumfeld eine echte mittel- bis langfristige Alternative bieten", so Harari. Quirighetti füge hinzu: "Wir halten es zudem für sinnvoll, auf Wachstumsaktien zu setzen, besonders im Technologiesektor."

Bei Anleihen würden die Experten zu Schwellenländern raten. "Für Schwellenländeranleihen bleibt das aktuelle Umfeld vorteilhaft, vor allem, wenn die FED ihre Geldpolitik demnächst lockert und die US-Wirtschaft kurzfristig nicht in eine Rezession abrutscht", erläutere Harari. Zur Diversifizierung rate er zu Gold. (25.07.2019/alc/a/a)