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Niedrigzinsen können helfen, fiskalische Expansion zu erleichtern
10.02.20 12:45
AB
München (www.anleihencheck.de) - "Die Langzeittrends, die bisher das Wachstum begünstigt haben, verkehren sich ins Gegenteil", mahne Darren Williams, Director Global Economic Research beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).
Statt Konjunktur und niedriger Inflation erwarte uns mit höchster Wahrscheinlichkeit ein viel schwächeres Wirtschaftswachstum, niedrigere Zinsen und letztlich eine höhere Inflation, so die Experten von AB.
Vier strukturelle Entwicklungen, die in den letzten drei Jahrzehnten das Wachstum begünstigt hätten, würden sich laut Williams nun ins Gegenteil verkehren:
1. Die Anzahl der Arbeitnehmer sinke: Zwischen 1950 und 2010 sei die Zahl von Menschen im arbeitsfähigen Alter in den entwickelten Staaten um 0,8 Prozent jährlich gewachsen. Diese hätten dazu beigetragen, die Wirtschaft anzukurbeln und die Inflation zu senken. Nun sinke jedoch die Anzahl der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sowohl in den Industrieländern als auch in China - und der Welt drohe ein negativer Angebotsschock.
2. Die Verschuldung holt uns ein: Vor der Finanzkrise begünstigten die Notenbanken die Verschuldung und konnten so erfolgreich die Verbraucherpreisinflation unter Kontrolle halten, so die Experten von AB. Gleichzeitig habe es jedoch ein enormes Wachstum der Geld-, Kredit- und Vermögenspreise gegeben. Die Politik habe das Wirtschaftswachstum gefördert, welches aber möglicherweise eine strukturelle Verschlechterung verdeckt habe. Das Ergebnis sei die schlimmste Wirtschaftskrise seit der großen Depression sowie eine lähmende Verschuldung gewesen.
3. Die Arbeiter würden zurückschlagen: In Zeiten starker Gewerkschaften, viel Staatseigentum und Preisregulierung hätten Liberalisierung und staatliche Begünstigung von Unternehmen wachstumsfördernd gewirkt. Heute wachse Kapital in Form von Unternehmensprofiten disproportional, während Gehälter stagnieren würden und die Einkommens- und Wohlstandsschere immer größer werde. Das fördere den Populismus - und dieser könnte dazu führen, dass Wachstumsförderung und die Maximierung der Unternehmensgewinne auf der Regierungsagenda in den Hintergrund treten würden.
4. Nationale Interessen würden dominieren: In den vergangenen 30 Jahren habe die Welt ein beispielloses Ausmaß internationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Integration gesehen. Diese hätten dazu beigetragen, den Industrialisierungsprozess Chinas zu beschleunigen. Nun hole das Land den Westen jedoch auf und das Machtgefälle verschiebe sich zugunsten von Ländern wie China und Indien - auch im Hinblick auf ihre militärische Stärke. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China sei eine der Folgen dieser Machtverschiebung, zeige aber auch: Die Zeit der Zusammenarbeit, von der alle Parteien profitiert hätten, sei vorbei.
Könnten politische Maßnahmen dazu beitragen, die Welt aus der Wachstumsflaute zu holen? "Für die überstrapazierte Geldpolitik lautet die Antwort mit ziemlicher Sicherheit nein", sage Darren Williams. "Niedrigzinsen können jedoch helfen, die fiskalische Expansion zu erleichtern". Allerdings seien nur wenige Regierungen gewillt, den größeren steuerpolitischen Spielraum zu nutzen. "Zwar ringen sich Staaten allmählich zu steuerpolitischen Stimulationsmaßnahmen durch; doch viel zu langsam, um unseren Ausblick positiv zu ändern", so Williams. (10.02.2020/alc/a/a)
Statt Konjunktur und niedriger Inflation erwarte uns mit höchster Wahrscheinlichkeit ein viel schwächeres Wirtschaftswachstum, niedrigere Zinsen und letztlich eine höhere Inflation, so die Experten von AB.
Vier strukturelle Entwicklungen, die in den letzten drei Jahrzehnten das Wachstum begünstigt hätten, würden sich laut Williams nun ins Gegenteil verkehren:
2. Die Verschuldung holt uns ein: Vor der Finanzkrise begünstigten die Notenbanken die Verschuldung und konnten so erfolgreich die Verbraucherpreisinflation unter Kontrolle halten, so die Experten von AB. Gleichzeitig habe es jedoch ein enormes Wachstum der Geld-, Kredit- und Vermögenspreise gegeben. Die Politik habe das Wirtschaftswachstum gefördert, welches aber möglicherweise eine strukturelle Verschlechterung verdeckt habe. Das Ergebnis sei die schlimmste Wirtschaftskrise seit der großen Depression sowie eine lähmende Verschuldung gewesen.
3. Die Arbeiter würden zurückschlagen: In Zeiten starker Gewerkschaften, viel Staatseigentum und Preisregulierung hätten Liberalisierung und staatliche Begünstigung von Unternehmen wachstumsfördernd gewirkt. Heute wachse Kapital in Form von Unternehmensprofiten disproportional, während Gehälter stagnieren würden und die Einkommens- und Wohlstandsschere immer größer werde. Das fördere den Populismus - und dieser könnte dazu führen, dass Wachstumsförderung und die Maximierung der Unternehmensgewinne auf der Regierungsagenda in den Hintergrund treten würden.
4. Nationale Interessen würden dominieren: In den vergangenen 30 Jahren habe die Welt ein beispielloses Ausmaß internationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Integration gesehen. Diese hätten dazu beigetragen, den Industrialisierungsprozess Chinas zu beschleunigen. Nun hole das Land den Westen jedoch auf und das Machtgefälle verschiebe sich zugunsten von Ländern wie China und Indien - auch im Hinblick auf ihre militärische Stärke. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China sei eine der Folgen dieser Machtverschiebung, zeige aber auch: Die Zeit der Zusammenarbeit, von der alle Parteien profitiert hätten, sei vorbei.
Könnten politische Maßnahmen dazu beitragen, die Welt aus der Wachstumsflaute zu holen? "Für die überstrapazierte Geldpolitik lautet die Antwort mit ziemlicher Sicherheit nein", sage Darren Williams. "Niedrigzinsen können jedoch helfen, die fiskalische Expansion zu erleichtern". Allerdings seien nur wenige Regierungen gewillt, den größeren steuerpolitischen Spielraum zu nutzen. "Zwar ringen sich Staaten allmählich zu steuerpolitischen Stimulationsmaßnahmen durch; doch viel zu langsam, um unseren Ausblick positiv zu ändern", so Williams. (10.02.2020/alc/a/a)


