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Niedrigere Renditen bei Anleihen, höhere Bewertungen am Aktienmarkt


10.02.15 12:01
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - "Stark und überzeugend" ist für die Research-Experten von AXA Investment Managers (AXA IM) das Quantitative Easing (QE)-Programm, das die Europäische Zentralbank (EZB) im Januar verkündet hat.

Insbesondere die Höhe der monatlichen Summe von 60 Milliarden Euro, die die EZB ab März in Wertpapiere investieren wolle, sowie die unbegrenzte Zeitdauer des Programms hätten ihre Erwartungen übertroffen. "Das EZB-Programm ist gut durchdacht und auf lange Sicht entwickelt", würden die AXA-IM-Experten in einem aktuellen Research-Papier loben.

Die jährlichen Ankäufe der EZB würden nach ihren Berechnungen sieben Prozent des BIP betragen - verglichen mit zuletzt sechs Prozent in den USA und 17 Prozent in Japan. Die Ökonomen von AXA IM würden annehmen, dass von der monatlichen Summe acht Milliarden in Covered Bonds, zwei Milliarden in ABS-Papiere, sechs Milliarden in Schuldpapiere supranationaler Organisationen und 44 Milliarden in Staatsanleihen investiert würden. Die EZB habe dazu keine konkreten Zahlen genannt.

Die Obergrenze von 33 Prozent pro Emittent und die Bandbreite der Wertpapiere würden nach Einschätzung von AXA IM sicherstellen, dass die EZB das Programm auch weit über den September 2016 hinaus fortführen könne, wenn nötig. Entscheidend für den Zeitpunkt der Beendigung des Programms seien die Inflationsentwicklung und die ihr zugrunde liegende Dynamik sowie die Inflationserwartungen. "Die Entscheidung wird letztlich auf einer Einschätzung von Risiken beruhen und nicht darauf, ob eine Inflationsrate von zwei Prozent erreicht ist oder nicht", würden die Experten erklären.

Offen bliebe nur die Frage, ob es der EZB gelinge, die monatlich vorgesehene Menge zu kaufen. In den USA, UK und Japan sei das kein Thema gewesen. Aber Verkäufer seien vermutlich die preissensibelsten Investoren. Ausländische Notenbanken und der heimische Finanzsektor hätten sichere und liquide Anleihen auch aus nicht-ökonomischen Gründen gehalten. Änderungen an den regulatorischen Regelwerken Basel und Solvency wären eine Möglichkeit, Finanzinstitute zu ermutigen, ihre Staatsanleihen zu verkaufen. Damit dürfe man im Moment allerdings nicht unbedingt rechnen.

Den AXA-IM-Ökonomen zufolge werde das QE die Wirtschaft auf drei Wegen ankurbeln: Erstens zeige die EZB durch das Programm ihre Entschlossenheit im Kampf gegen die Deflation. Dies führe dazu, dass die Marktteilnehmer mögliche Zinserhöhungen zu einem späteren Zeitpunkt erwarten würden als ohne Quantitative Easing - und schwäche letztlich den Euro. Zweitens würden niedrigere Renditen bei sicheren Anlagen Investoren dazu ermutigen, mehr Risiko in Kauf zu nehmen. Und drittens sollten geringere Refinanzierungskosten für Banken sowie niedrigere Zinssätze für Endkunden dazu führen, dass die Kreditnachfrage ansteige.

Das QE-Programm dürfte darüber hinaus auch direkte Auswirkungen auf alle wichtigen Assetklassen haben, würden die Experten argumentieren. So sollte es zu niedrigeren Laufzeitprämien bei Anleihen führen und damit die Renditen insgesamt niedrig halten, obwohl gerade bei deutschen Bundesanleihen nur noch wenig Raum für einen weiteren Renditerückgang bestehe. Zudem dürften die Renditespreads zwischen Bundesanleihen und Anleihen aus Peripherieländern zurückgehen, da das EZB-Programm unterstreiche, wie ernst es Notenbankpräsident Mario Draghi mit der Rettung des Euro sei.

Obwohl sie nicht Teil des QE-Programms seien, sollten darüber hinaus auch Unternehmensanleihen profitieren - einerseits durch anziehende Wachstumserwartungen, andererseits durch den steigenden Risikoappetit der Investoren. Dieselben Faktoren könnten nach Ansicht der AXA-IM-Ökonomen auch die Entwicklung der Aktienmärkte begünstigen. Die Schwäche des Euro und die niedrigeren Kosten für den Schuldenservice hätten zu einem stärkeren Gewinnwachstum geführt, während angesichts der extrem niedrigen Anleiherenditen zugleich Investoren mit festen Zielrenditen auf Aktien ausweichen müssten. (10.02.2015/alc/a/a)