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Neue Zinssenkung in Sicht, aber EZB wird vorsichtig agieren


06.03.25 08:45
Crédit Mutuel AM

Paris (www.anleihencheck.de) - Wie von den Finanzmärkten erwartet, dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Einlagensatz um 25 Basispunkte (Bp) auf 2,5% senken und damit die fünfte Zinssenkung in Folge und die sechste seit Juni 2024 vornehmen, um die Wirtschaft zu stützen, so François Rimeu, Senior Market Strategist bei Crédit Mutuel Asset Management.

Gleichzeitig dürfte die EZB ihre Inflationsprognosen bestätigen und die jährliche Inflationsrate im Euroraum bis zum Jahresende auf das Ziel von 2,0% zusteuern. In dieser Sitzung werde für den EZB-Rat die Herausforderung bestehen, die Frage zu klären, inwieweit er seine Geldpolitik als restriktiv betrachte.

Die Erwartungen von Crédit Mutuel Asset Management:

Der EZB-Rat werde seine Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte senken - bei ausgewogenen Inflationsrisiken. Damit werde der Einlagensatz auf 2,50%, der Refinanzierungssatz auf 2,65% und der Spitzenrefinanzierungssatz auf 2,9% gesenkt.

Da sich der Einlagensatz (der wichtigste Referenzsatz der Zentralbank) dem neutralen Satz[1] nähere (zwischen 1,75% und 2,25% laut Analyse der EZB vom 7. Februar), werde der Rat seine Formulierung anpassen und die Finanzierungsbedingungen als "mäßig" oder "etwas" restriktiv beschreiben. Crédit Mutuel Asset Management denke, dass die EZB die Ergebnisse ihrer vierteljährlichen Umfrage zur Kreditvergabe im Euroraum abwarten werde, bevor sie ihre Wortwahl deutlicher änderet. Diese würden am 15. April, zwei Tage vor ihrer nächsten Sitzung im April, veröffentlicht.

Daher dürfte die EZB ihre Zinssenkungen vorsichtig fortsetzen - abhängig von den eingehenden Daten und unter Berücksichtigung der US-Geldpolitik. Die Zurückhaltung der EZB bei der Ausrichtung ihrer Geldpolitik über diese Sitzung hinaus könnte auf eine Pause im April hindeuten. Crédit Mutuel Asset Management glaube jedoch, dass die EZB wenig Grund habe, eine weitere geldpolitische Lockerung hinauszuzögern (insbesondere aufgrund des schwachen Wachstums in der Region). Aller Voraussicht nach habe die EZB ein Zwischenziel von 2%.

Im Vergleich zu den makroökonomischen Projektionen vom Dezember 2024 dürfte die EZB ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr leicht nach unten korrigieren (von 1,1% auf 0,9% - 1,0%; Quelle: Bloomberg.) Dies sei auf die schwächere Inlandsnachfrage und die Risiken im Zusammenhang mit der US-Handelspolitik zurückzuführen, die jedoch teilweise durch einen möglichen Frieden in der Ukraine ausgeglichen werden könnten. Was die Preisentwicklung anbelange, so dürfte die EZB ihre Inflationsprognose im Einklang mit ihrem mittelfristigen Ziel von 2% unverändert beibehalten (Kern-VPI ohne Energie und Nahrungsmittel: 2025: 2,3%, 2026: 1,9%, 2027: 1,9%) (Quelle: Bloomberg).

Insgesamt erwarte Crédit Mutuel Asset Management von der EZB im März keine größeren Veränderungen. Der EZB-Rat werde die Zinsen wahrscheinlich einstimmig senken und seine Wirtschaftsaussichten geringfügig anpassen. Die Reaktionen der Finanzmärkte dürften sich in Grenzen halten. Vorausgesetzt, es komme nicht zu einer drastischen Veränderung in der Kommunikation der EZB, die darauf hindeute, dass sie ihre Geldpolitik nicht mehr als restriktiv bewerte. Davon gehe Crédit Mutuel Asset Management jedoch nicht aus. (06.03.2025/alc/a/a)