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Nerven am Bondmarkt zum Zerreißen gespannt


24.01.17 12:24
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Wollte man den Status Quo des Anleihenmarktes mit den Worten eines Boxkampf-Kommentators beschreiben, klänge das wohl so: "In der linken Ecke der Titelverteidiger, das traditionelle Fixed-Income-Management, in der rechten Ecke der Herausforderer, die Hedgefonds-Industrie. Die Kontrahenten haben schon eine Anzahl an Runden hinter sich, bislang konnte sich keine Seite durchsetzen, man wartet auf den entscheidenden Schlag." Und der könnte schneller kommen, als gedacht, so die Experten von "FONDS professionell".

Nirgendwo zeige sich das so deutlich wie am Markt für fünfjährige US-Staatsanleihen. Dort befänden sich die Positionen der netto long aufgestellten - in der Mehrzahl institutionellen - Investoren mit 1,5 Millionen Kontrakten auf einem Allzeithoch. Auf der anderen Seite seien die Netto-Short-Positionen der Hedge Fonds-Industrie mit 1,1 Millionen Stück fast ebenso mächtig. Die Verfechter weiterer Kursschwächen würden die Zinspolitik der US Federal Reserve sowie die versprochene Investitionspolitik von Donald Trump ins Feld führen.

Auf der anderen Seite stehe die Meinung, dass das Trump-Programm zum ersten noch nicht ausdefiniert sei und möglicherweise auch die Erwartungen bezüglich der FED-Zinsanhebungen überzogen sein könnten. Außerdem würden langfristig orientierte Investoren von den als günstig wahrgenommen Kurs-Niveaus der Treasuries angelockt.

Das so genannte "fast money" setze massiv auf fallende Anleihen-Kurse und stehe in Opposition zum so genannten "real money", das auf steigende Kurse setze. Wer sich durchsetzen werde? Historisch gesehen das von den Institutionellen vertretene "echte" Geld, schlicht aufgrund der Marktmacht. "Ich bin überrascht, dass sich die spekulativen Daten nach wie vor so stark präsentieren", erkläre Jay Barry, U.S. fixed-income Stratege bei J.P. Morgan Chase.

Er zeige sich gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg fest davon überzeugt, dass dieses Herdenverhalten der Hedge Fonds einen klassischen Kontra-Indikator darstelle: "Historisch gesehen ist das in 75 Prozent der Fälle genau so gewesen", erkläre der Analyst. In der Hedge Fonds-Industrie - zumindest dem Teil, der short positioniert sei - sehe man das naturgemäß anders. So prognostiziere Jason Evans, Mitbegründer von Nine Alpha Capital, in einer Notiz, dass die FED die Zinsen dieses Jahr dreimal anheben werde. "Wir werden Ende des Jahres höhere Renditen haben. Damit kennen wir zumindest die Richtung, in die es gehen wird." Dass Institutionelle ihre Long-Positionen so dermaßen aufgestockt hätten, störe ihn weniger: "Dass es Zu- und Abflüsse gibt, ist verständlich."

Wer letzten Endes am Boden liegen werde - Hedge Fonds oder Institutionelle - sei demnach offen. Gefährlich könne es jedoch für Retailer werden, wenn sie zwischen den Fronten aufgerieben würden und beispielsweisen Theorien von der Großen Rotation zu entschlossen folgen würden. Hierbei handle es sich um die Annahme, dass es eine große Umschichtung von Bonds zu Aktien gebe. Das oben beschriebene Phänomen, wonach sich die Investments der Institutionellen in fünfjährige Treasuriers auf historischen Hochs befänden, würde gegen diese These sprechen. Dazu J.P. Morgan-Mann Barry: "Wenn man zu stark in eine Richtung tendiert, stellt das immer ein Risiko dar." (24.01.2017/alc/a/a)