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Negativzinsen sind auch in den USA möglich


25.02.20 12:15
Legg Mason

Baltimore (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank hält die Leitzinsen als einzige der Großen derzeit noch im positiven Bereich, so die Experten von Legg Mason.

Im nächsten wirtschaftlichen Abschwung könnte auch die FED gezwungen sein, negative Zinsen einzuführen. "Die Angst davor ist groß, die Auswirkungen müssen aber nicht negativ für die Märkte sein", sage Michael Bazdarich, Mitglied des Pension Solutions Team bei Western Asset. Dafür seien allerdings einige Bedingungen zu erfüllen.

"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis negative Zinsen auch in den USA Einzug halten", sage Bazdarich. In der Eurozone und in Japan seien die Negativzinsen bereits seit Jahren gang und gäbe. "Die EZB arbeitet seit 2014 mit Minuszinsen, die japanische Notenbank seit 2016", so Bazdarich. Die Notenbanken wollten auf diese Weise die schwache Wirtschaft ankurbeln und einen Absturz in eine Rezession verhindern. Ob die Negativzinsen hier wirklich hilfreich seien, sei allerdings noch nicht abschließend geklärt.

In jedem Fall aber würden die Beispiele aus Europa und Japan zeigen, wie Unternehmen, Banken und der Staat mit negativen Zinsen umgehen würden. "Daraus lassen sich Rückschlüsse für die USA ziehen", sage Bazdarich. Sicher sei, dass der Ruf nach weiteren Zinssenkungen kommen werde, vor allem vonseiten der Politik, sobald die wirtschaftliche Dynamik nachlasse. "Und rein technisch werden auch die US-Banken keine Probleme haben, mit Minuszinsen umzugehen", so Bazdarich.

Bei Anleihen sei es ganz einfach: Da ein negativer Kupon nicht ausgeschrieben werde, rutschten die Renditen einfach über höhere Kurse ins Minus. "Bei Pensionsverpflichtungen und Versicherungen ist es etwas komplexer", sage Bazdarich. Hier würden sich Laufzeiten verlängern und die Bewertungen würden steigen. Bei Geldmarktfonds sehe man eine andere Möglichkeit: Hier würden nicht die Renditen ins Minus gedrückt, sondern die Zahl der Fondsanteile für die Investoren verringert - was einer negativen Rendite gleichkomme. "In den USA wird durchaus ernsthaft diskutiert, ob negative Zinsen rechtlich zulässig sind", sage Bazdarich. "Dies ist aus unserer Sicht aber mit einem klaren ja zu beantworten."

In den USA lägen die Leitzinsen derzeit bei 1,75 Prozent. "Um eine Rezession abzumildern oder zu verhindern, hat die FED in den vergangenen Abschwüngen jeweils Zinskürzungen von mehr als 500 Basispunkten vorgenommen", sage Bazdarich. In der nächsten Abkühlung habe die FED also nur zwei Möglichkeiten: "Entweder sie tut nichts, um die Wirtschaft zu stützen. Oder sie geht in die Minuszinspolitik", so Bazdarich. "Wir gehen davon aus, dass der Druck der Politik und der Märkte so groß sein wird, dass die FED ins Minus gehen wird."

Anders als in Europa und Japan, wo sich Investoren wie weite Teile der Bevölkerung recht reibungslos mit Minuszinsen abgefunden hätten, könnten die Vorbehalte in den USA aber größer sein. "Wir gehen davon aus, dass die Einführung von Negativzinsen nicht ohne großen Aufschrei verläuft", sage Bazdarich. Möglich sei auch, dass die Menschen dann anfangen würden, große Mengen Bargeld zu horten. "Das aber liefe der Absicht der Notenbanken entgegen", so Bazdarich. Bargeld in Schließfächer zu stecken, sei kontraproduktiv für die Wirtschaft.

"Es geht darum, möglichst viel Geld in produktivere Assets zu bekommen, etwa an den Aktienmarkt", sage Bazdarich. Deshalb werde das Horten von Bargeld erschwert. In Europa etwa sei der 500-Euro-Schein bereits aus dem Verkehr gezogen worden. "Ähnliches wird auch in den USA diskutiert", sage Bazdarich. Wenn auch auf beiden Seiten des Atlantiks eher mit der Begründung des Kampfes gegen Kriminalität und Geldwäsche. "Wobei die Geld-Horter oder deren Helfer vielleicht auch bald schon als unerwünscht gelten werden", sage Bazdarich. (25.02.2020/alc/a/a)