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Mittelstandsanleihen: Der Wackelkandidat Steinhoff


25.07.18 11:15
Wolfgang Steubing AG

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Anfang des Jahres haben wir versucht, einen Vergleich zwischen Steinhoff International und diversen fragwürdigen Mittelstandsanleihen zu ziehen, so das Asset Management Team der Steubing AG.

Davon ausgehend, dass die bilanziellen Probleme der Steinhoff Gruppe, die an die Oberfläche gespült wurden, nicht all-umfassend waren, deuteten wir - insbesondere für die Anleihen - ein hohes Kurs-Abwärtspotenzial an, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Mit der starken Abwärtsbewegung hätten die Analysten Recht gehabt. Wir haben bloß eines anscheinend final nicht richtig eingeschätzt, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Die Pleiten der mittelständischen Unternehmen hätten von den institutionellen Anlegern einfacher "verdaut" werden können. Bei der Steinhoff Gruppe handle es sich aber um ein ganz anderes Kaliber: Schulden in Höhe von EUR 9,4 Mrd. würden den Konzern drücken. Damit habe sich Steinhoff ein gewisses Drohpotenzial für den Kapitalmarkt geschaffen.

Nachdem Anfang dieses Jahres nach dem Rücktritt von CEO und Aufsichtsratsvorsitzenden die Aufarbeitung des Desasters habe begonnen werden können, sei schnell klar geworden, dass Ähnlichkeiten im Firmenaufbau und dem Aufbau der Bilanzen (inklusive Verschiebungen) mit KTG Agrar oder German Pallets bestanden hätten. Ein Firmengeflecht, indem Kredite und Gelder offensichtlich hin und her geschoben worden seien, um den Unternehmenswert aufzublähen, damit immer mehr günstiges Fremdkapital habe akquiriert werden können.

Nun habe es der Konzern erst einmal geschafft. Bevor alles weg sei, hätten die Gläubiger einem so genannten Stillhalteabkommen zugestimmt. Entgegen der landläufigen Pressemeinung sei dies nicht für die Aktionäre wichtig, denn die seien letztlich die Eigentümer und würden sich im Zweifelsfalle ihr unternehmerisches Risiko auch entsprechend vergüten lassen. Außerdem scheinen in den letzten Monaten sowieso sehr viele Short-Seller in die Aktie eingestiegen zu sein, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Nein, hier hätten die kreditgebenden Banken und insbesondere die Anleihengläubiger in den sauren Apfel beißen müssen und mit mehr als 90 Prozent dem Stillhalteabkommen bis voraussichtlich Ende des Jahres 2021 zugestimmt. Ein kurzes Murren hätten die Gläubiger aber zumindest noch darüber formuliert, dass sie zweimal die early-bird-Frist hätten verstreichen lassen. Kurz darauf hätten die österreichischen Steinhoff Unternehmen, die alleine für EUR 7,5 Mrd. verantwortlich zeichnen würden, eine Fortführungsprognose veröffentlicht.

Nun habe man drei Monate Zeit einen Sanierungsplan zu erarbeiten, damit das Stillhalteabkommen final in Kraft trete. In drei Monaten einen Sanierungsplan für ein Unternehmen zu erarbeiten, was über mehrere Kontinente agiere und sehr verschachtelt sei, erscheine zumindest ambitioniert. Man könne sich aber sicher sein, dass dieser Sanierungsplan erfolgreich aufgestellt werde, denn ansonsten wäre der Konzern insolvent und viele Gläubiger würden sehr viel Geld verlieren. Deswegen klammere man sich jetzt an den letzten Strohhalm, um über die nächsten drei Jahre den Verlust abzuschreiben und gleichzeitig zu hoffen, dass doch noch alles gut werde. Der Aufschrei der Investoren sei zu recht groß gewesen, als Mittelständler wie Zamak oder Mifa Insolvenz hätten anmelden müssen und im Nachhinein eine Misswirtschaft festgestellt worden sei. Aber hier habe sich der Verlust - nicht unbedingt der Verlust des Einzelnen - in Grenzen gehalten. Bei diesen Insolvenzen habe es kein "weiter so" geben können - bei Steinhoff International sei schnell klar gewesen, dass es ein "weiter so" geben müsse. (25.07.2018/alc/a/a)