Erweiterte Funktionen
Mittelstandsanleihen: Marken und Bilanzen
21.11.16 11:10
Wolfgang Steubing AG
Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Irgendwie ist es bezeichnend, dass immer im Herbst die deutsche Modeindustrie am Kapitalmarkt Farbe bekennen muss, so das Team des Steubing German Mittelstand Fund I, das sich im "Standpunkt German Mittelstand" regelmäßig zum Markt für Mittelstands- und Hochzinsanleihen äußert.
Letztes Jahr sei der Börsengang von Steilmann gefloppt und in der Folge sei Insolvenz angemeldet worden - damit sei auch die Anleihe signifikant betroffen gewesen. Dieses Jahr befinden wir uns im Endkampf bei Wöhrl, Laurel oder Rene Lezard, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Warum kämen gerade Anleihen von Modebranchen unter die Räder?
Volatil sei die Modebranche schon immer gewesen. Insofern müsse es nicht überraschen, dass Banken diesen Unternehmen ungern bei einer Finanzierung hätten helfen wollen. Deswegen hätten die Unternehmen gerne auf das Finanzinstrument einer unbesicherten Anleihe zurückgegriffen. Zudem hätten sie ja einen scheinbar unschlagbaren Vorteil gehabt: Ihren beim Endkunden bekannten Markennamen. So habe man nicht mal den steinigen Weg gehen und institutionelle Investoren von der Werthaftigkeit der Anleihen überzeugen müssen. Die Stücke hätten über die Börse an die Anleger verteilt werden können. Hauptsache man mache das IBO bekannt - der Rest geschehe von alleine.
In Wirklichkeit seien diese Anleihen von Anfang an auf Kante genäht gewesen. Das Konstrukt sei dann mit dem Wegfall eines starken Absatzmarktes letztendlich zusammengebrochen. "Die kurze Zeit, in der das Fenster für Mittelstandsanleihen offen stand und sich vor allem Privatanleger auf alles stürzten, was hohe Zinsen und Sicherheit versprach, half den Unternehmen, weiter zu überleben. Sie hofften auf Besserungen, die nicht oder nicht im notwendigen Maß eintraten. Ihre Finanzierungssituation verbesserte sich nicht: Hohe Zinsen auf die Anleihen belasteten" ("FAZ" vom 29.09.2016).
Dass kleine deutsche Modefirmen zusätzlich zum Leidtragenden von geopolitischen Turbulenzen werden könnten, damit habe wirklich kaum jemand gerechnet. Die Sanktionen gegen Russland hätten dazu geführt, dass dieser lukrative Markt zusammengebrochen sei und die Modefirmen u.a. deswegen Insolvenz hätten anmelden müssen - oder unter den Schutzschirm geflüchtet seien. Millionenfach geschädigt: Die Privatanleger. Professionelle Investoren seien schon beim Blick auf die Bilanzen skeptisch gewesen und hätten mehr als zögerlich in die IBO's investiert. Zu der hohen Volatilität kämen auch noch die geringen Margen, die Modeunternehmen nachhaltig unter Druck setzen würden.
Der Steubing German Mittelstandsfund I weise seit seiner Auflegung im Jahr 2013 darauf hin, dass sich Privatanleger nicht durch starke Marken verleiten lassen sollten, in einzelne Bonds aus dem Mittelstandssegment zu investieren. Es fehle zumeist der analytische Sachverstand, den institutionelle Investoren oder Fonds hätten. Beide Institutionen seien auch in der Lage, ihre Anlageentscheidungen täglich neu zu bewerten und dementsprechend verändert zu justieren. Die Strahlkraft eines Brands, einer alteingesessenen Marke ersetze keinen Umsatz, keinen Gewinn oder positiven Cash-Flow. Das habe schon die Pleite von Zamek, dem ehemaligen Hauptsponsor der Düsseldorfer Fortuna und der Düsseldorfer EG, gezeigt. Als institutioneller Investor sei es aber auch möglich, in einer Marktsituation der (schmerzvollen) Bereinigung Gewinne zu machen.
Momentan beobachte man den Existenzkampf eines anderen deutschen Unternehmens aus einer ebenfalls kriselnden Branche: Die Reederei Rickmers scheine in schwerer See leckgeschlagen zu sein. Komme dies völlig überraschend? Schon in ihrem Standpunkt im August schrieben die Analysten der Wolfgang Steubing AG: "Der Bond von Rickmers "dümpelt" nun schon seit Monaten um die 30. Eigentlich müsste man davon ausgehen, dass dies nun ein Einstiegskurs wäre. Gleichzeitig haben wir spätestens bei der Bekanntgabe der Commerzbankzahlen erkennen müssen, dass die Schifffahrtskrise wohl noch nicht vorbei ist. Der Commerzbank CFO Engel verwies bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen darauf, dass er für Schifffahrtskredite wieder höhere Risikorückstellungen habe bilden müssen." Anstatt besser werde die Situation für die Rickmers Gruppe in den letzten Monaten aber immer schlechter.
"Die Rating-Agentur Creditreform hat das Unternehmensrating für die Rickmers Holding AG, Muttergesellschaft des Schifffahrtskonzerns Rickmers Gruppe, von CCC (negativer Ausblick) auf CC (negativer Ausblick) aktualisiert. Creditreform begründet die neue Bewertung vor allem mit den anhaltend schwierigen Marktbedingungen in der Containerschifffahrt und einer dementsprechend schwächeren operativen Ergebnisentwicklung der Rickmers Gruppe sowie den sich ergebenden Wertberichtigungen (Pressemitteilung der Rickmers Group vom 15.11.2016)."
Es bleibe zu hoffen, dass sich auch hier nicht wieder vermehrt Privatanleger die Finger verbrannt hätten. Denn es stehe eine Anleihe in Höhe von 275 Mio. Euro im Feuer. Eine Singapurer Beteiligung der Rickmers-Gruppe sei kurz vor der Zahlungsunfähigkeit und könne eine Zinszahlung in Höhe von 3 Mio. Euro nicht leisten.
"Die Rickmers-Gruppe hält 34 Prozent an der Singapurer Beteiligung. Zuletzt hatte Eigner Betram Rickmers mit einer Verschiebung innerhalb seiner Besitztümer dafür gesorgt, dass Rickmers die Tochter Maritime nicht mehr in der Konzernbilanz konsolidieren muss. Die Singapur-Tochter hatte wegen des Verfalls der Frachtraten in der Containerschifffahrt im vergangenen Jahr ein Minus von 129 Millionen US-Dollar angehäuft und das Marktumfeld ist in diesem Jahr sogar noch schlimmer geworden. Dem Zinsverzug vorausgegangen war das Scheitern des geplanten Schuldenschnitts von Rickmers Maritime. Die Aktionäre hatten zwar dem Plan der Gesellschaft zugestimmt, Fremdkapital im Wert von 100 Millionen Singapur-Dollar (75 Millionen US-Dollar) in Aktien im Wert von 28 Millionen Singapur-Dollar umzuwandeln. Allerdings versagten die Anleihegläubiger ihre Zustimmung" ("Finance-Magazin online" vom 16.11.2016).
Mittlerweile wären die Investoren froh, wenn sie bei Rickmers die 30 vom August noch mal sehen würden. Momentan zeichne die Anleihe unter 17. Ob sich auch hier für professionelle Investoren Chancen bieten würden, bleibe zum jetzigen Zeitpunkt abzuwarten. Definitiv würden die nächsten Wochen für die Rickmers Gruppe und für alle ihre Investoren spannend. (21.11.2016/alc/a/a)
Letztes Jahr sei der Börsengang von Steilmann gefloppt und in der Folge sei Insolvenz angemeldet worden - damit sei auch die Anleihe signifikant betroffen gewesen. Dieses Jahr befinden wir uns im Endkampf bei Wöhrl, Laurel oder Rene Lezard, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Warum kämen gerade Anleihen von Modebranchen unter die Räder?
Volatil sei die Modebranche schon immer gewesen. Insofern müsse es nicht überraschen, dass Banken diesen Unternehmen ungern bei einer Finanzierung hätten helfen wollen. Deswegen hätten die Unternehmen gerne auf das Finanzinstrument einer unbesicherten Anleihe zurückgegriffen. Zudem hätten sie ja einen scheinbar unschlagbaren Vorteil gehabt: Ihren beim Endkunden bekannten Markennamen. So habe man nicht mal den steinigen Weg gehen und institutionelle Investoren von der Werthaftigkeit der Anleihen überzeugen müssen. Die Stücke hätten über die Börse an die Anleger verteilt werden können. Hauptsache man mache das IBO bekannt - der Rest geschehe von alleine.
In Wirklichkeit seien diese Anleihen von Anfang an auf Kante genäht gewesen. Das Konstrukt sei dann mit dem Wegfall eines starken Absatzmarktes letztendlich zusammengebrochen. "Die kurze Zeit, in der das Fenster für Mittelstandsanleihen offen stand und sich vor allem Privatanleger auf alles stürzten, was hohe Zinsen und Sicherheit versprach, half den Unternehmen, weiter zu überleben. Sie hofften auf Besserungen, die nicht oder nicht im notwendigen Maß eintraten. Ihre Finanzierungssituation verbesserte sich nicht: Hohe Zinsen auf die Anleihen belasteten" ("FAZ" vom 29.09.2016).
Dass kleine deutsche Modefirmen zusätzlich zum Leidtragenden von geopolitischen Turbulenzen werden könnten, damit habe wirklich kaum jemand gerechnet. Die Sanktionen gegen Russland hätten dazu geführt, dass dieser lukrative Markt zusammengebrochen sei und die Modefirmen u.a. deswegen Insolvenz hätten anmelden müssen - oder unter den Schutzschirm geflüchtet seien. Millionenfach geschädigt: Die Privatanleger. Professionelle Investoren seien schon beim Blick auf die Bilanzen skeptisch gewesen und hätten mehr als zögerlich in die IBO's investiert. Zu der hohen Volatilität kämen auch noch die geringen Margen, die Modeunternehmen nachhaltig unter Druck setzen würden.
Momentan beobachte man den Existenzkampf eines anderen deutschen Unternehmens aus einer ebenfalls kriselnden Branche: Die Reederei Rickmers scheine in schwerer See leckgeschlagen zu sein. Komme dies völlig überraschend? Schon in ihrem Standpunkt im August schrieben die Analysten der Wolfgang Steubing AG: "Der Bond von Rickmers "dümpelt" nun schon seit Monaten um die 30. Eigentlich müsste man davon ausgehen, dass dies nun ein Einstiegskurs wäre. Gleichzeitig haben wir spätestens bei der Bekanntgabe der Commerzbankzahlen erkennen müssen, dass die Schifffahrtskrise wohl noch nicht vorbei ist. Der Commerzbank CFO Engel verwies bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen darauf, dass er für Schifffahrtskredite wieder höhere Risikorückstellungen habe bilden müssen." Anstatt besser werde die Situation für die Rickmers Gruppe in den letzten Monaten aber immer schlechter.
"Die Rating-Agentur Creditreform hat das Unternehmensrating für die Rickmers Holding AG, Muttergesellschaft des Schifffahrtskonzerns Rickmers Gruppe, von CCC (negativer Ausblick) auf CC (negativer Ausblick) aktualisiert. Creditreform begründet die neue Bewertung vor allem mit den anhaltend schwierigen Marktbedingungen in der Containerschifffahrt und einer dementsprechend schwächeren operativen Ergebnisentwicklung der Rickmers Gruppe sowie den sich ergebenden Wertberichtigungen (Pressemitteilung der Rickmers Group vom 15.11.2016)."
Es bleibe zu hoffen, dass sich auch hier nicht wieder vermehrt Privatanleger die Finger verbrannt hätten. Denn es stehe eine Anleihe in Höhe von 275 Mio. Euro im Feuer. Eine Singapurer Beteiligung der Rickmers-Gruppe sei kurz vor der Zahlungsunfähigkeit und könne eine Zinszahlung in Höhe von 3 Mio. Euro nicht leisten.
"Die Rickmers-Gruppe hält 34 Prozent an der Singapurer Beteiligung. Zuletzt hatte Eigner Betram Rickmers mit einer Verschiebung innerhalb seiner Besitztümer dafür gesorgt, dass Rickmers die Tochter Maritime nicht mehr in der Konzernbilanz konsolidieren muss. Die Singapur-Tochter hatte wegen des Verfalls der Frachtraten in der Containerschifffahrt im vergangenen Jahr ein Minus von 129 Millionen US-Dollar angehäuft und das Marktumfeld ist in diesem Jahr sogar noch schlimmer geworden. Dem Zinsverzug vorausgegangen war das Scheitern des geplanten Schuldenschnitts von Rickmers Maritime. Die Aktionäre hatten zwar dem Plan der Gesellschaft zugestimmt, Fremdkapital im Wert von 100 Millionen Singapur-Dollar (75 Millionen US-Dollar) in Aktien im Wert von 28 Millionen Singapur-Dollar umzuwandeln. Allerdings versagten die Anleihegläubiger ihre Zustimmung" ("Finance-Magazin online" vom 16.11.2016).
Mittlerweile wären die Investoren froh, wenn sie bei Rickmers die 30 vom August noch mal sehen würden. Momentan zeichne die Anleihe unter 17. Ob sich auch hier für professionelle Investoren Chancen bieten würden, bleibe zum jetzigen Zeitpunkt abzuwarten. Definitiv würden die nächsten Wochen für die Rickmers Gruppe und für alle ihre Investoren spannend. (21.11.2016/alc/a/a)


