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Mehr Rendite mit nicht EZB-fähigen EUR-Unternehmensanleihen


27.02.20 10:00
BANTLEON AG

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Wertentwicklung von EUR-Unternehmensanleihen der Bonität Investment Grade sollte im Jahr 2020 vor allem vom unangefochten positiven technischen Umfeld beeinflusst werden, so Michael Hess, Leiter Portfolio Management, Corporate Credit bei der BANTLEON AG.

So dürften sich die Mittelflüsse weiter im positiven Bereich bewegen, sofern nicht plötzliche Extremereignisse auftreten würden, beispielsweise Schwarze Schwäne. Das gelte mindestens solange, wie die Alternativen in den weniger risikobehafteten Anlageklassen keine ausreichende Rendite abwerfen würden. Das Sahnehäubchen für die positive Renditeentwicklung dürfte jedoch die Unterstützung der EZB sein. Sie werde die Risikoprämien mit ihrem aktuellen Anleihenkaufprogramm wohl auf oder sogar unter die Tiefstände seit der Finanzkrise befördern: Im Jahr 2020 sei ein durchschnittliches Kaufvolumen in Höhe von über 5 Mrd. EUR pro Monat wahrscheinlich, wovon ungefähr 1 Mrd. EUR auf Reinvestitionen für auslaufende Anleihen entfallen würden. Entsprechend sollte das Netto-Kaufvolumen der EZB etwa 4 Mrd. EUR im Monat betragen.

Wie beide Versionen des EZB-Kaufprogramms von Unternehmensanleihen veranschaulichen würden, hätten bereits die Ankündigungen der EZB zu deutlich sinkenden Risikoprämien von EUR-Unternehmensanleihen der Bonität Investment Grade geführt. Zu Beginn der tatsächlichen Käufe sei zwar ein temporärer Anstieg zu beobachten gewesen. Letztendlich habe es sich jedoch nur um eine sehr kurzfristige Schwächephase gehandelt, bis das Kaufprogramm seine Wirkung entfaltet habe und die Risikoprämien weiter gesunken seien.

Interessant bleibe die unterschiedliche Entwicklung von EZB-fähigen Anleihen im Vergleich zu Anleihen, welche die EZB aufgrund des Emittentensitzes nicht erwerben dürfe: Die nicht EZB-fähigen Anleihen hätten in der Regel eine höhere Rendite. Auf Einzeltitelbasis könne die Renditedifferenz beachtlich ausfallen. So biete beispielsweise die EUR-Anleihe von IBM mit Emittentensitz USA - somit nicht EZB-fähig - und einer Laufzeit von acht Jahren mit 0,3% die sechsfache Rendite gegenüber einer Anleihe derselben Laufzeit des Unternehmens SAP. Beide Unternehmen hätten das Rating A. Dementsprechend könne ohne Abstriche beim Kreditrisiko eine signifikant höhere Rendite erzielt werden. Die Kaufprogramme seien deshalb eine gute Möglichkeit, um eine signifikante Überrendite zu erwirtschaften. Nur in Schwächephasen des Marktes für EUR-Unternehmensanleihen guter Bonität sei eine temporäre Outperformance der EZB-fähigen Anleihen zu erwarten, weil bei deren Verkauf die Liquidität besser sein werde. Wegen unseres positiven Konjunkturausblicks erwarten wir im Jahr 2020 einen höheren Ertrag der Anleihen, welche die EZB nicht kaufen kann, so die Experten der BANTLEON AG.

EUR-Unternehmensanleihen der Bonität Investment Grade sollten im Jahr 2020 eine attraktive Lösung für sicherheitsbewusste Investoren bleiben, um im Tiefzinsumfeld noch positive Renditen zu erzielen. Die Erträge von über 6% im Jahr 2019 dürften zwar nicht zu wiederholen sein, dennoch sollte die Erholungsphase des Mini-Kreditzyklus nach dem Tief von Ende 2018 intakt bleiben und von der EZB weiter unterstützt werden. Die politischen Spannungen in Bezug auf den Welthandel, die US-Wahl, den Brexit und die Krise im Nahen Osten dürften die Finanzmärkte im Jahr 2020 zwar beeinflussen. Jedoch würden diese Faktoren nicht ausreichen, um die genannten positiven technischen Faktoren sowie die sich aufhellende Weltwirtschaft nach dem Überwinden des Coronavirus-Effekts zu überlagern. Wegen der deutlich höheren Renditen der nicht EZB-fähigen EUR-Unternehmensanleihen sollten Anleger auch dieses Segment bei ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen. (Ausgabe vom 26.02.2020) (27.02.2020/alc/a/a)