Erweiterte Funktionen
Massive Kursverluste - Notenbanken beschließen Maßnahmen
16.03.20 10:15
Union Investment
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Finanzmärkte erlebten eine rabenschwarze Woche, so die Experten von Union Investment.
Der Druck an den Kapitalmärkten durch die weitere Ausbreitung des Coronavirus halte unvermindert an. Der starke Ölpreisverfall zum Wochenstart sowie das US-Einreiseverbot für Europäer durch Präsident Trump hätten wie zusätzliche Brandbeschleuniger in der ohnehin fragilen Lage gewirkt. Die bislang nicht hinreichend koordinierten oder unzureichenden Maßnahmen von Politik und Notenbanken hätten diesen Trend nicht stoppen können. Noch nie habe es innerhalb so kurzer Zeit einen vergleichbaren Kurseinbruch in Breite, Tiefe und Schnelligkeit gegeben. Selbst die sicheren Häfen wie Bundesanleihen und Gold hätten in den letzten Tagen nicht mehr vor Kursverlusten geschützt. Konjunkturdaten und Unternehmensmeldungen seien angesichts der Marktentwicklung zweitrangig gewesen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) habe auf ihrer regulären Sitzung am Donnerstag im Rahmen ihrer Möglichkeiten einige Maßnahmen beschlossen, um Finanzmarktverwerfungen zu dämpfen und Zweitrundeneffekte in Form verschärfter Kreditvergabebedingungen zu verhindern:
- Ein neues bis zum Jahresende zeitlich begrenztes Wertpapier-Kaufprogramm mit einem Kaufvolumen in Höhe von 120 Milliarden Euro. Dieses scheine mit größeren Freiheitsgraden ausgestattet zu sein. So habe EZB-Präsidentin Lagarde eine vorübergehende Abweichung vom Kapitalschlüssel angedeutet und die Nutzung aller existierenden Freiheitsgrade hervorgehoben. Dies solle der EZB ermöglichen, zielgenauer Kapitalmarktverwerfungen zu adressieren. Der Erwerb anderer Assetklassen wie hochverzinslicher Anleihen (High Yield) sei jedoch weiterhin nicht möglich.
- Zusätzliche langfristige Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) mit vergünstigten Konditionen. Damit solle vor allem die Kreditvergabe an mittlere und kleinere Unternehmen angeschoben werden.
- Des Weiteren seien regulatorische Erleichterungen für die Eigenkapitalvorsorge von Banken beschlossen worden.
Die EZB habe hingegen überraschend, aber nach Meinung der Experten von Union Investment richtigerweise, auf eine Zinssenkung verzichtet. Stattdessen würden sich die Maßnahmen auf die Vermeidung einer Straffung der Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Krisenstaaten fokussieren. Ob dies gelinge, hänge von dem weiteren Verlauf der Corona-Pandemie sowie den Interventionen der Regierungen ab. Die von der EZB beschlossenen Maßnahmen würden in die richtige Richtung zielen und könnten sicherlich noch ausgeweitet werden. Insofern habe die EZB im Rahmen des ihr Möglichen mehr aber auch nicht agiert.
Für Aufsehen habe in der EZB-Pressekonferenz die Aussage von Präsidentin Lagarde gesorgt, es sei nicht Aufgabe der Zentralbank, für geringe Anleihespreads (an den Staatsanleihemärkten) zu sorgen. Dies sei letztlich gegenteilig zu Mario Draghis legendärem "whatever it takes" aufgefasst worden und habe umgehend für hohe Risikoprämien bei italienischen Staatsanleihen gesorgt. Die EZB habe sich am letzten Freitagvormittag über ihren Chefvolkswirt Philip Lane zu einigen korrigierenden Aussagen hinsichtlich der Ausgestaltung des Kaufprogramms genötigt gesehen, um die am 12. März verursachten Unsicherheiten einzudämmen. Demzufolge dürfte es der Zentralbank nunmehr möglich sein, beispielsweise mehr italienische Staatsanleihen ankaufen zu können, als dies bislang der Fall gewesen wäre.
Im Kampf gegen die Corona-Auswirkungen habe die Bank of England am Mittwoch den Leitzins gesenkt. Nach der mit 0,5 Prozentpunkten umfassenden deutlichen Reduzierung liege der britische Leitsatz bei nunmehr historisch niedrigen 0,25 Prozent. Der anschließend veröffentlichte britische Haushaltsentwurf sehe zudem umfangreiche öffentliche Investitionen vor. Seitens der deutschen Bundesregierung seien bislang Liquiditätshilfen, wohl auch über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, angekündigt worden. Die US-Notenbank FED habe in der Berichtswoche (vom 9. bis 13. März 2020) zudem weitere Liquidität im Rahmen von Repogeschäften angekündigt. (Ausgabe vom 13.03.2020) (16.03.2020/alc/a/a)
Der Druck an den Kapitalmärkten durch die weitere Ausbreitung des Coronavirus halte unvermindert an. Der starke Ölpreisverfall zum Wochenstart sowie das US-Einreiseverbot für Europäer durch Präsident Trump hätten wie zusätzliche Brandbeschleuniger in der ohnehin fragilen Lage gewirkt. Die bislang nicht hinreichend koordinierten oder unzureichenden Maßnahmen von Politik und Notenbanken hätten diesen Trend nicht stoppen können. Noch nie habe es innerhalb so kurzer Zeit einen vergleichbaren Kurseinbruch in Breite, Tiefe und Schnelligkeit gegeben. Selbst die sicheren Häfen wie Bundesanleihen und Gold hätten in den letzten Tagen nicht mehr vor Kursverlusten geschützt. Konjunkturdaten und Unternehmensmeldungen seien angesichts der Marktentwicklung zweitrangig gewesen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) habe auf ihrer regulären Sitzung am Donnerstag im Rahmen ihrer Möglichkeiten einige Maßnahmen beschlossen, um Finanzmarktverwerfungen zu dämpfen und Zweitrundeneffekte in Form verschärfter Kreditvergabebedingungen zu verhindern:
- Ein neues bis zum Jahresende zeitlich begrenztes Wertpapier-Kaufprogramm mit einem Kaufvolumen in Höhe von 120 Milliarden Euro. Dieses scheine mit größeren Freiheitsgraden ausgestattet zu sein. So habe EZB-Präsidentin Lagarde eine vorübergehende Abweichung vom Kapitalschlüssel angedeutet und die Nutzung aller existierenden Freiheitsgrade hervorgehoben. Dies solle der EZB ermöglichen, zielgenauer Kapitalmarktverwerfungen zu adressieren. Der Erwerb anderer Assetklassen wie hochverzinslicher Anleihen (High Yield) sei jedoch weiterhin nicht möglich.
- Des Weiteren seien regulatorische Erleichterungen für die Eigenkapitalvorsorge von Banken beschlossen worden.
Die EZB habe hingegen überraschend, aber nach Meinung der Experten von Union Investment richtigerweise, auf eine Zinssenkung verzichtet. Stattdessen würden sich die Maßnahmen auf die Vermeidung einer Straffung der Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Krisenstaaten fokussieren. Ob dies gelinge, hänge von dem weiteren Verlauf der Corona-Pandemie sowie den Interventionen der Regierungen ab. Die von der EZB beschlossenen Maßnahmen würden in die richtige Richtung zielen und könnten sicherlich noch ausgeweitet werden. Insofern habe die EZB im Rahmen des ihr Möglichen mehr aber auch nicht agiert.
Für Aufsehen habe in der EZB-Pressekonferenz die Aussage von Präsidentin Lagarde gesorgt, es sei nicht Aufgabe der Zentralbank, für geringe Anleihespreads (an den Staatsanleihemärkten) zu sorgen. Dies sei letztlich gegenteilig zu Mario Draghis legendärem "whatever it takes" aufgefasst worden und habe umgehend für hohe Risikoprämien bei italienischen Staatsanleihen gesorgt. Die EZB habe sich am letzten Freitagvormittag über ihren Chefvolkswirt Philip Lane zu einigen korrigierenden Aussagen hinsichtlich der Ausgestaltung des Kaufprogramms genötigt gesehen, um die am 12. März verursachten Unsicherheiten einzudämmen. Demzufolge dürfte es der Zentralbank nunmehr möglich sein, beispielsweise mehr italienische Staatsanleihen ankaufen zu können, als dies bislang der Fall gewesen wäre.
Im Kampf gegen die Corona-Auswirkungen habe die Bank of England am Mittwoch den Leitzins gesenkt. Nach der mit 0,5 Prozentpunkten umfassenden deutlichen Reduzierung liege der britische Leitsatz bei nunmehr historisch niedrigen 0,25 Prozent. Der anschließend veröffentlichte britische Haushaltsentwurf sehe zudem umfangreiche öffentliche Investitionen vor. Seitens der deutschen Bundesregierung seien bislang Liquiditätshilfen, wohl auch über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, angekündigt worden. Die US-Notenbank FED habe in der Berichtswoche (vom 9. bis 13. März 2020) zudem weitere Liquidität im Rahmen von Repogeschäften angekündigt. (Ausgabe vom 13.03.2020) (16.03.2020/alc/a/a)


