Marktkommentar Oktober 2025: Sinkender US-Leitzins erfreut die Aktienmärkte


07.10.25 09:00
Robert Beer Investment

Weiden (www.anleihencheck.de) - Während die EZB den Leitzins nach den deutlichen Zinssenkungen der letzten Monate stabil gehalten hat, nimmt die US-Notenbank FED die erste Zinssenkung im laufenden Jahr vor, so die Experten von Robert Beer Investment.

Der US-Arbeitsmarkt sende erste Schwächesignale und auch die Auswirkungen der Zölle auf die Inflation seien weiter ungewiss. Zwei weitere Zinsschritte auf einen Leitzins von 3,5% erschienen in den USA im laufenden Jahr derzeit realistisch, während die EZB vermutlich keine Änderungen vornehme.

Über 37 Billionen USD betrage die Verschuldung der USA per August 2025. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt liege die Quote bei über 120%. Deutlich über der von Frankreich, welche im letzten Kommentar ausführlich besprochen worden sei. Aufgrund der wirtschaftlichen Wachstumsraten werde die USA dennoch global deutlich stabiler wahrgenommen als die Grande Nation. Und dennoch lägen die Zinsen für ausstehende Anleihen in den USA deutlich höher.

So würden inzwischen die Zinskosten der USA über 1 Billion USD oder 14% der Gesamtausgaben begtragen. Mehr als für Verteidigung ausgegeben werde. Tendenz steigend. Durchaus nachvollziehbar, dass Präsident Trump deutlich niedrigere Zinsen für die Schulden vorschweben würden. Obwohl die USA als das wirtschaftliche Schwergewicht weltweit und die führende Nation bei Künstlicher Intelligenz gelten würden, seien die Zinsen in USD die höchsten unter den entwickelten Nationen weltweit.

Ein Dilemma, in dem auch die US-Notenbank FED stecke. Während die Arbeitsmarktdaten in den letzten Wochen und Monaten eher enttäuscht hätten und somit weitere Zinssenkungen fundamental untermauert seien, drohe weiterhin Ungemach von der Inflationsseite. Diese notiere zwar relativ stabil bei Werten um 2,7%, liege derzeit weiterhin deutlich über den avisierten 2%. Hinzu komme die politische Einflussnahme durch den US-Präsidenten. Diese untergrabe die Unabhängigkeit der Notenbank und schüre somit Zweifel an der Geldwertstabilität. Ein zweischneidiges Schwert.

Weltweit hätten in den letzten 12 Monaten Notenbanken so oft die Zinsen gesenkt, wie zuletzt 2009 bzw. nach Corona. Bis auf Japan, die jedoch weiter ein sehr niedriges Niveau aufweisen würden, hätten alle großen Industrienationen erheblich niedrigere Leitzinsen als vor 24 Monaten. Hinzu kämen fiskalische Anreize. So habe China vor einem Jahr einen massiven Impuls initiiert. Die USA würden mit der "One Beautiful Big Bill" die Phase hoher Haushaltsdefizite unbeirrt fortsetzen und in Europa setze Deutschland mit dem Infrastruktur- und Rüstungsprogramm ein Zeichen.

Es scheine daher durchaus nachvollziehbar, dass die globalen Aktienmärkte steigen würden, auch wenn die aktuelle konjunkturelle Lage in Europa dies noch nicht widerspiegele. Dass der Markt die Zukunft antizipiere, sehe man neben den Anstiegen der Rüstungsaktien auch im Bereich Infrastruktur. Die Aktien von Heidelberg Materials, Hochtief und Strabag hätten sich auf 12-Monatssicht etwa verdoppelt. Neben den Infrastrukturmaßnahmen würden Unternehmen zudem von den gewaltigen Investitionen im Bereich Datencenter und Künstliche Intelligenz profitieren.

Siemens Energy, die vor zwei Jahren noch staatliche Hilfe benötigt hätten, sei ein Hauptprofiteur. Die Aktie sei vor kurzem sogar in den Euro Stoxx 50-Leitindex aufgenommen worden, in dem die 50 wertvollsten Unternehmen der Eurozone gelistet seien. Neben dem genannten Bereich profitierten in Europa insbesondere Finanztitel. Zum einen würden Banken durch die gestiegenen Zinsen wieder ansehnliche Gewinne ausweisen, zum anderen seien Kreditausfälle aktuell überschaubar und zudem müssten die avisierten Investitionen finanziert werden.

Während also in Europa sogenannte Value-Aktien rund um Rüstung, Infrastruktur/Bau und Banken sehr gut performen würden, würden in den USA gigantische Investitionen in Datencenter und Künstliche Intelligenz das Wirtschaftswachstum befeuern. Auf der Aktienseite seien die Gewinner auf Jahressicht daher eher im Technologiebereich zu finden. So hätten die Aktienkurse der Chip-Größen NVIDIA, Micron, LAM Research und Broadcom auf Jahressicht deutlich zugelegt. Auf der Gewinnerseite würden sich zudem Crowdstrike finden, welche von der wachsenden Bedeutung der Cybersicherheit profitieren würden, sowie das umstrittene Palantir.

Während aufgrund der positiven Börsenentwicklung auch Handelsanbieter wie Robinhood und Interactive Brokers profitieren würden, würden sich auf der Verliererseite sowohl in Europa als auch in den USA Unternehmen aus den Bereichen Chemie, Auto, Konsumgüter als auch Pharma/Medizin finden. Der strukturelle Gegenwind durch hohe Energiepreise in Europa, enormen Wettbewerb bei Autos sowie der Zollsituation treffe diese Branchen besonders. Ein Trendwechsel scheine jedoch bei diesen Branchen noch nicht in Sicht, auch wenn Pharmaaktien aufgrund eines Deals zwischen Trump und Pfizer zuletzt einen kleinen Kurssprung verzeichnet hätten.

"Unsere Strategien haben die freundliche Entwicklung bei Banktiteln in Europa aber auch bei US-Tech-Aktien genutzt, sowie gleichzeitig die Risiken im Griff gehabt und perfromen im laufenden Jahr weiterhin sehr erfreulich. Getreu dem Motto Chancen nutzen und gleichzeitig Risiken begrenzen sind wir mit unseren risikoadjustierten, breit diversifizierten Strategien auch für die kommenden Monate zuversichtlich", so die Experten von Robert Beer Investment. (07.10.2025/alc/a/a)





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