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Marktkommentar Dezember 2019: Wann meldet sich die Volatilität zurück?


04.12.19 08:45
Robert Beer Investment

Weiden (www.anleihencheck.de) - Die Aktienindices konnten im November den Aufwärtstrend seit Jahresbeginn fortsetzen und weltweit zulegen, so die Experten von Robert Beer Investment.

Neben der absoluten Entwicklung seit Jahresbeginn sei auch die sehr geringe Schwankungsbreite der letzten Wochen hervorzuheben. Aktieninvestoren würden sich aktuell sehr wohl bei ihren Investments fühlen. Bleiben die Fragen: Wie lange könne dies anhalten und wann melde sich die Volatilität zurück?

Obwohl auf politischer Ebene bei den wichtigen Themen der letzten Jahre, also dem Handelskonflikt zwischen USA und China sowie dem Brexit, es nur eine leichte Besserung der Nachrichtenlage gegeben habe, habe sich die Stimmung der Anleger von "sehr ängstlich" Ende 2018 im laufenden Jahr immer weiter aufgehellt.

Hauptgrund für diesen Stimmungsumschwung sei die Kehrtwende der US-Notenbank gewesen. Nicht nur seien die Zinsen um 0,75 Prozent zurückgenommen worden, auch sei Mitte Oktober die Verkleinerung der FED-Bilanzsumme abrupt beendet worden. Anstatt also die Zinsen und die Bilanz auf ein Normalmaß zu bringen, sei die FED nun erneut dabei, kräftig kurzlaufende US-Staatsanleihen im Wert von monatlich 60 Mrd. USD bis mindestens Mitte nächsten Jahres zu kaufen. Als Folge sei auch die Rendite der 10-jährigen Anleihe von über 3% p.a. auf aktuell etwa 1,85% p.a. gefallen und das, obwohl die USA dieses Jahr ihre Staatsverschuldung mit einer Billion USD massiv ausgeweitet hätten.

Europa sei hierbei schon einen Schritt weiter. Durch den diesjährigen Renditerückgang würden die meisten 10-jährigen Anleihen eine negative Rendite ausweisen. Selbst stark verschuldete Länder wie Griechenland und Italien müssten - wenn überhaupt - kaum noch Zinsen bezahlen. Trotz einer leichten Entspannung in den letzten Wochen erwarte niemand einen Zinsanstieg, von den "alten Zinsniveaus" werde man viele Jahre bestenfalls träumen können.

Kein Wunder also, dass die Aktienmärkte sehr gut gelaufen und auch die Aussichten alles andere als schlecht seien. Gerade Europäische Standardwerte seien in den letzten vier Jahren kaum gestiegen und würden aktuell mit dem langfristigen Durchschnitt bewertet. Hinzu komme eine attraktive Dividendenrendite. Viele Marktteilnehmer stehen unter enormen Renditedruck, sind zudem unterinvestiert und wollen bzw. müssen demnächst kaufen, so die Experten von Robert Beer Investment.

Vorsicht würden die Experten von Robert Beer Investment allerdings bei Technologiewerten und illiquiden Startups walten lassen. Nicht nur, dass viele IPOs der vergangenen Monate enttäuscht hätten. Am Fall von WeWork könne man erkennen, wieviel heiße Luft teilweise in den Bewertungen enthalten sei. Eine Befürchtung, die man bei fundamental und qualitativ hochwertigen Blue Chips derzeit nicht haben müsse.

Für die Aktienmärkte sei seit Jahren die Notenbankpolitik und die daraus resultierende Liquidität entscheidend. Neben der FED würden derzeit auch die europäische und die japanische Notenbank für permanente Anleihekäufe und somit Liquidität sorgen. Es treffe also weiterhin enorm viel Anlagekapital auf extrem niedrige Zinsniveaus und fair bewertete Aktienmärkte. Daher würden die Experten bei ihrer Einschätzung bleiben und sähen die letzten Wochen 2019 als auch das kommende Jahr besonders für europäische Aktien positiv.

Da jedoch die großen Themen Handelskonflikt und Brexit weiterhin ungelöst und auch die Akteure teilweise unberechenbar seien, bleibe die politische Unsicherheit groß. Die Volatilität könne daher jederzeit auch einmal heftiger aufflammen. Daher sollten Anleger Anlagen mit aktivem Risikomanagement bevorzugen und generell Rücksetzer als Einstiegs- und Nachkaufgelegenheit sehen. (Ausgabe vom 03.12.2019) (04.12.2019/alc/a/a)