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Marios Mehrfach-Enttäuschung - EZB hat die Markt-Erwartungen offenbar verfehlt


08.12.15 12:26
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - An und für sich lautete die Frage im Vorfeld eigentlich gar nicht, ob sie kommen, sondern in welchem Umfang sie ausfallen würde: Die weitere Lockerung der Geldpolitik, mit der die Europäische Zentralbank (EZB) die niedrige Inflation im Euroraum bekämpfen und ein Niveau von 2,0 Prozent erreichen will, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly".

Am Donnerstag habe die EZB allerdings etwas verkündet, womit die Anleger so offenbar nicht gerechnet hätten: Die Notenbank belasse den Leitzins unverändert bei 0,05 Prozent. Den sogenannten Einlagenzins habe die EZB zwar weiter gesenkt, von zuvor minus 0,2 auf nunmehr minus 0,3 Prozent. Doch damit habe das Institut auch nur die Mindesterwartung der Investoren erfüllt; viele hätten mit einem größeren Schnitt gerechnet. Den Strafzins müssten Banken zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken würden - mit dieser Maßnahme wolle die EZB die Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben.

An der ersten Enttäuschung der Anleger - der DAX habe nach Bekanntgabe der Lockerungsmaßnahmen kräftig nachgegeben - habe auch die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi kaum etwas ändern können, wonach sein Institut das laufende Anleihekaufprogramm ausweiten werde. Seit März kaufe die Zentralbank monatlich Wertpapiere im Volumen von durchschnittlich 60 Milliarden Euro auf; dieses Programm, das ursprünglich nur bis September kommenden Jahres laufen sollte, werde nun mindestens bis März 2017 ausgeweitet.

Es werde angesichts der heftigen Abwärtsbewegung des DAX immer deutlicher, dass die Erwartungen der Anleger an Draghi übertrieben gewesen seien. Und dass die Nervosität am Markt derzeit überdurchschnittlich hoch sei. Da die Bewertung der Aktien europäischer Unternehmen im internationalen Vergleich aber nach wie vor verhältnismäßig attraktiv sei, könnte diese jüngste Korrektur vorübergehender Natur sein. Nichtsdestotrotz sollten Anleger die derzeit hohe Volatilität berücksichtigen - und im Hinterkopf haben, dass mit der FED-Sitzung am 16. Dezember ein Ereignis anstehe, das für ähnliche Unruhe sorgen könnte wie die jüngste EZB-Entscheidung. (Ausgabe vom 04.12.2015) (08.12.2015/alc/a/a)