Erweiterte Funktionen
Makroökonomie: Zwischen Umkehr und Inhaftierung
11.12.18 16:30
La Financière de l´Echiquier
Paris (www.anleihencheck.de) - Nach dem auf dem G20-Gipfel erreichten Waffenstillstand im Handelskrieg zwischen China und den USA war die Erholung der Märkte nur von kurzer Dauer, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Fondsmanager der La Financière de L'Echiquier.
In der vergangenen Woche hätten Risikoanlagen erneut im Minus geschlossen. Hierfür seien zwei Gründe zu nennen: Die Sorge um eine Umkehrung der US-Zinskurve und die auf Ersuchen der USA in Kanada erfolgte Inhaftierung der Finanzdirektorin des chinesischen Huawei-Konzerns.
Die Entwicklung dieser jüngsten Angelegenheit gelte es abzuwarten, um beurteilen zu können, inwieweit sie die anstehenden Handelsgespräche zwischen den USA und China gefährden könnte. Jedenfalls verursache die Festnahme von Meng Wanzhou, der Tochter des Huawei-Gründers Ren Zhengfei, Unsicherheit bei den Verhandlungen zwischen China und den USA. Einerseits, weil Huawei ein wichtiges chinesisches Unternehmen und einer der Hauptkonkurrenten von Apple sei, und andererseits, weil Ren Zhengfei sehr enge Verbindungen zur kommunistischen Partei Chinas unterhalte.
Die Sorgen aufgrund der potenziellen Umkehrung der US-Zinskurve würden näherer Erläuterung bedürfen. Diese Bedenken würden sich auf das Zinsniveau im Bereich zwei- und dreijähriger Laufzeiten beziehen, das gegenwärtig höher sei als im fünfjährigen Bereich, und würden auf einer Lehre der Vergangenheit fußen: Die Umkehrung der Kurve sei ein sehr guter Frühindikator für eine Rezession. Um jedoch deutlich zu sein, müsse dieses "Rezessionssignal" einen Großteil der Zinskurve betreffen und zugleich durch die relevantesten Zinsdifferenzen, also zehn Jahre zu drei Monaten und zwei Jahre zu drei Monaten, statistisch bestätigt sein. Die Zinsdifferenz zehn Jahre zu drei Monaten habe zwar mit 49 Basispunkten einen Tiefstand erreicht, bleibe jedoch positiv. Die Differenz bei zwei Jahren zu drei Monaten liege mit 37 Basispunkten nahe an ihrem Durchschnitt seit 2010 (44 Bp) und deutlich über ihrem Tiefstand vom Juli 2017. Zudem stelle man bei Betrachtung aller möglichen Zinsdifferenzen fest, dass sich lediglich rund 4 Prozent der US-Zinskurve umgekehrt hätten. Das "Rezessionssignal" sei jedoch erst belastbar, wenn diese Statistik mindestens 50 Prozent erreiche.
Überdies müsse angemerkt werden, dass die Verengung des Abstands zwischen dem Zinssatz bei zehn Jahren und bei drei Monaten vor allem von einer Schwäche des zehnjährigen Zinssatzes herrühre. Denn dieser sei von 3,24 Prozent Anfang November auf 2,88 Prozent Anfang Dezember gesunken. Grund seien insbesondere die als sehr akkommodierend empfundenen Äußerungen der FED. Noch in der Vorwoche seien die langfristigen Zinssätze nach Veröffentlichung eines Artikels im Wall Street Journal zurückgegangen, dem zufolge die Notenbank nach ihrer Dezember-Sitzung eine "Pause" einlegen und beschließen könnte, sich bei ihrem Handeln an den Indikatoren zu orientieren. Das sei aber nichts Neues! Seit Monaten wissen wir, dass die FED "data dependent" ist und sich die Möglichkeit offenlässt, das Tempo ihrer geldpolitischen Straffungspolitik den wirtschaftlichen Bedingungen anzugleichen, so die Experten von La Financière de L'Echiquier.
Darin eine größere Kehrtwende beim Kurs der FED zu erkennen oder auf eine vorübergehende Umkehrung eines sehr begrenzten Teils der Zinskurve überzureagieren seien zwei Symptome eines Marktes, der überaus stark unter Stress stehe und an dem jede Information überinterpretiert werden könne, solange sie die kurzfristige Stimmung der Anleger rechtfertige. (11.12.2018/alc/a/a)
In der vergangenen Woche hätten Risikoanlagen erneut im Minus geschlossen. Hierfür seien zwei Gründe zu nennen: Die Sorge um eine Umkehrung der US-Zinskurve und die auf Ersuchen der USA in Kanada erfolgte Inhaftierung der Finanzdirektorin des chinesischen Huawei-Konzerns.
Die Sorgen aufgrund der potenziellen Umkehrung der US-Zinskurve würden näherer Erläuterung bedürfen. Diese Bedenken würden sich auf das Zinsniveau im Bereich zwei- und dreijähriger Laufzeiten beziehen, das gegenwärtig höher sei als im fünfjährigen Bereich, und würden auf einer Lehre der Vergangenheit fußen: Die Umkehrung der Kurve sei ein sehr guter Frühindikator für eine Rezession. Um jedoch deutlich zu sein, müsse dieses "Rezessionssignal" einen Großteil der Zinskurve betreffen und zugleich durch die relevantesten Zinsdifferenzen, also zehn Jahre zu drei Monaten und zwei Jahre zu drei Monaten, statistisch bestätigt sein. Die Zinsdifferenz zehn Jahre zu drei Monaten habe zwar mit 49 Basispunkten einen Tiefstand erreicht, bleibe jedoch positiv. Die Differenz bei zwei Jahren zu drei Monaten liege mit 37 Basispunkten nahe an ihrem Durchschnitt seit 2010 (44 Bp) und deutlich über ihrem Tiefstand vom Juli 2017. Zudem stelle man bei Betrachtung aller möglichen Zinsdifferenzen fest, dass sich lediglich rund 4 Prozent der US-Zinskurve umgekehrt hätten. Das "Rezessionssignal" sei jedoch erst belastbar, wenn diese Statistik mindestens 50 Prozent erreiche.
Überdies müsse angemerkt werden, dass die Verengung des Abstands zwischen dem Zinssatz bei zehn Jahren und bei drei Monaten vor allem von einer Schwäche des zehnjährigen Zinssatzes herrühre. Denn dieser sei von 3,24 Prozent Anfang November auf 2,88 Prozent Anfang Dezember gesunken. Grund seien insbesondere die als sehr akkommodierend empfundenen Äußerungen der FED. Noch in der Vorwoche seien die langfristigen Zinssätze nach Veröffentlichung eines Artikels im Wall Street Journal zurückgegangen, dem zufolge die Notenbank nach ihrer Dezember-Sitzung eine "Pause" einlegen und beschließen könnte, sich bei ihrem Handeln an den Indikatoren zu orientieren. Das sei aber nichts Neues! Seit Monaten wissen wir, dass die FED "data dependent" ist und sich die Möglichkeit offenlässt, das Tempo ihrer geldpolitischen Straffungspolitik den wirtschaftlichen Bedingungen anzugleichen, so die Experten von La Financière de L'Echiquier.
Darin eine größere Kehrtwende beim Kurs der FED zu erkennen oder auf eine vorübergehende Umkehrung eines sehr begrenzten Teils der Zinskurve überzureagieren seien zwei Symptome eines Marktes, der überaus stark unter Stress stehe und an dem jede Information überinterpretiert werden könne, solange sie die kurzfristige Stimmung der Anleger rechtfertige. (11.12.2018/alc/a/a)


