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Machtspiele Für einen Erfolg muss der US-Präsident die Notenbank "erobern"


05.09.25 13:01
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Donald Trump steckt in der Zwickmühle. Sein Wirtschaftsprogramm droht ins Leere zu laufen, so Olaf Hordenbach, Chefredakteur von Märkte & Zertifikate Weekly in einer aktuellen Ausgabe.

Dieses stehe ja im Wesentlichen auf zwei Beinen, die vom "Haus- und Hofökonomen" des Weißen Hauses, Stephen Miran, entworfen worden seien. Es seien zum einen die Handelszölle, die ausländische Produkte in den USA unattraktiver machen und für zusätzliche Einnahmen sorgen sollten, es sei zum anderen die Abwertung des US-Dollar, die US-Produkte im Ausland "künstlich" verbilligen solle. Dieses Wirtschaftsprogramm, das der Agenda "Make America great again" untergeordnet sei, sei unter Wirtschaftswissenschaftlern höchst umstritten und werde von den meisten Ökonomen abgelehnt. Nichtsdestotrotz, Trump verfolge es mit Vehemenz.

Das Problem dabei: Beide Maßnahmen, also Handelszölle und Dollar-Abwertung, würden die Inflation in den USA antreiben. So habe die Supermarktkette Walmart, deren Filialen in Amerika allgegenwärtig seien, erst vor wenigen Tagen eine deutliche Erhöhung der Preise für Nahrungsmittel angekündigt. Beobachter würden schätzen, dass die Inflation im laufenden Jahr in den USA bei über 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr liegen könnte, das wäre deutlich mehr als im Euroraum mit knapp 2 Prozent.

Durch die relativ hohe Inflation sei die US-Notenbank dazu "verdonnert", die Zinsen dort zu lassen, wo sie gerade seien, bei 4,25 bis 4,50 Prozent, oder sogar noch zu erhöhen, aber bestimmt nicht zu senken. Genau Letzteres fordere aber Donald Trump, da sein Wirtschaftsprogramm nur funktioniere, wenn die Amerikaner kräftig konsumieren würden. Der Inlandkonsum sei das dritte, "versteckte" Bein des Wirtschaftsprogramms von Stephen Miran. Doch auf die Zinsen habe Trump keinen Einfluss, da die US-Notenbank unabhängig sei. Vor diesem Hintergrund werde verständlich, warum der US-Präsident mit aller Macht versuche, bei der US-Notenbank seine Leute unterzubringen / Stephen Miran sei schon platziert, nun sei eine US-Notenbankgouverneurin möglicherweise zu Unrecht entlassen worden, die als Kritikerin von Miran gelte. Der Machtkampf um die Notenbank sei an Brisanz und Bedeutung kaum zu überbieten. Nur wenn Trump ihn gewinne, könne sein "Make America great again" überhaupt funktionieren - was nicht heiße, dass es am Ende auch erfolgreich sei, da müsste quasi die ganze Welt mitspielen, Stichwort Dollar-Abwertung -, doch danach sehe es im Moment nicht aus.

Aus all dem folge, dass europäische Aktien in den Augen von Hordenbach Favorit bleiben würden. Zumal bei Euro-Aktien auch eine Dollar-Abwertung nicht direkt zum Tragen komme. Das sei bei US-Aktien, die ja an der Heimatbörse in Dollar notieren würden, deutlich problematischer. (Ausgabe vom 05.09.2025) (05.09.2025/alc/a/a)