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Liquidität treibt die Märkte - doch die Risiken steigen


03.09.25 12:40
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die globalen Finanzmärkte profitieren derzeit von stark steigender Liquidität, so Beat Thoma, Chief Investment Officer bei Fisch Asset Management.

Neben den USA trage auch China mit geldpolitischen Lockerungen und Stützungsmaßnahmen zur Stabilisierung der Konjunktur bei. Aktien- und Kreditmärkte zeigten sich daher weiter robust. Gleichzeitig warne Thoma vor den Risiken einer künstlich manipulierten Zinskurve und den tiefgreifenden Folgen für Inflation, Inflationserwartungen und langfristige Staatsanleihenrenditen:

Das US-Treasury und die Fed würden bereits seit einiger Zeit versuchen, die Renditen am langen Ende der Zinskurve nach unten zu drücken. Dazu würden sie eine Reihe von Maßnahmen ergreifen. Neben der verstärkten Emission von T-Bills - die aufgrund ihrer Geldähnlichkeit die Liquidität im Finanzsystem erhöhen würden - würden Staatsanleihen mit langer Laufzeit am Markt zurückgekauft, was den Preis steigen lasse und damit die Renditen senke.

Es werde auch öffentlich Einfluss auf die Fed und sogar auf das "Bureau of Labor Statistics" genommen, mit dem Ziel, die Anleihenmärkte zu beeinflussen. Außerdem dürfte in absehbarer Zeit die "Supplementary Leverage Ratio" gelockert werden, um es dem US-Bankensystem zu ermöglichen, noch mehr Staatsanleihen zu kaufen. Diese Maßnahmen würden nicht nur dem Ziel tieferer Renditen am langen Ende der Zinskurve dienen, sondern würden auch die Liquidität im Finanzsystem erhöhen und damit die Aktien- und Kreditmärkte bis auf Weiteres nach oben treiben.

Zudem dürfte dies mittelfristig auch den US-Dollar unter Druck bringen, was aber von der US-Regierung gewünscht und gefördert werde. Diese amerikanische Geldmaschinerie wirke auch auf die globalen Finanzmärkte - verstärkt dadurch, dass viele andere Zentralbanken ihre Geldpolitik ebenfalls lockern würden. Allein China habe in den vergangenen Monaten umgerechnet mehr als 1.500 Milliarden US-Dollar in sein Finanzsystem gepumpt. Potenzielle Risiken würden von den Anlegern derzeit vollständig ignoriert und in den Hintergrund gedrängt.

Insgesamt würden die globalen Finanzmärkte damit auf einem Pulverfass sitzen. Doch die Aufwärtstrends seien derzeit noch stabil. Verkaufssignale würden sich erst ergeben, wenn - einzeln oder in Kombination - folgende Bedingungen eintreten würden: Der US-Dollar breche nochmals um mindestens 5 bis 8% ein, die 10-jährigen US-Staatsanleiherenditen würden auf über 4,6% steigen, die 30-jährigen Renditen auf japanische Staatsanleihen würden 3,5% erreichen, die globale Liquidität nehme ab oder die Inflation ziehe weiter deutlich an. Erst dann erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit einer langanhaltenden Korrektur an den globalen Aktienmärkten massiv. (03.09.2025/alc/a/a)