Liquidität: Vor der Leitzinswende


14.02.22 09:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) hat die Leitzinsen im Januar unverändert gelassen, berichten die Analysten von Postbank Research.

Gleichzeitig habe FED-Chef Jerome Powell die Marktteilnehmer auf eine erste Leitzinserhöhung im März vorbereitet: Die Wirtschaft laufe gut und der Arbeitsmarkt sei gemessen an vielen Indikatoren sehr stark. Deshalb sei es angemessen, sehr bald die Zinsen anzuheben. Auch das Anleihekaufprogramm werde im März eingestellt. Im weiteren Verlauf des Jahres solle die Bilanz verkürzt werden, indem zurückgezahlte Anleihen nicht wieder neu investiert würden. Das sei von den Märkten so erwartet worden, dennoch hätten sie verschnupft reagiert: Powell habe unterstrichen, dass die Laufzeit der gekauften Anleihen relativ kurz sei und die Rückführung der Bilanzsumme folglich zügig erfolgen solle - schneller als bislang von den Anlegern erwartet.

Historisch hohe Inflationsraten in der Eurozone würden immer stärker auch die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck setzen, die Zinswende einzuleiten. Anfang Februar hätten die Währungshüter wie erwartet keine Änderungen in der Geldpolitik vorgenommen. Bemerkenswert sei allerdings die Vielzahl der Hinweise auf erhöhte Risiken von Inflationsraten in der nahen Zukunft gewesen, die über den Dezember-Projektionen lägen. Die nächste Sitzung im März werde insofern Klarheit darüber bringen, ob der EZB-Rat für 2023 und 2024 eine Preissteigerung von über 2% erwarte. Inzwischen schließe auch EZB-Chefin Christine Lagarde eine Leitzinserhöhung noch in diesem Jahr nicht mehr explizit aus.

Der deutliche Preisanstieg im Segment der Wohnimmobilien in Deutschland werde von einigen Marktbeobachtern zunehmend kritisch beurteilt. Das Verhältnis von Kaufpreisen zu Mieten sei auch hierzulande in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Inzwischen würden Wohnimmobilien in Großstädten mit dem 24-fachen des jährlichen Mietertrags bewertet - ähnlich teuer seien sie zuletzt während des Wiedervereinigungsbooms Mitte der 1990er-Jahre gewesen.

Hieraus auf eine allgemeine Überbewertung zu schließen, wäre aber kaum zulässig. Denn laut einem Erschwinglichkeitsindex der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seien Wohnimmobilien in Deutschland relativ zum Einkommen immer noch deutlich günstiger als beispielsweise in den 1980er-Jahren. Auch gebe es keine Anzeichen dafür, dass Wohnungen und Häuser weniger erschwinglich seien als in anderen Ländern. Unabhängig davon würden Immobilienanlagen dem allgemeinen Renditetrend folgen. Ein Ende des Aufschwungs am Wohnimmobilienmarkt sei vorerst nicht in Sicht.

Unterdessen würden sich Gewerbeimmobilien in den USA besser entwickeln als in anderen Ländern - denn die Wirtschaft dort habe sich relativ schnell von den ersten Pandemiewellen erholt. Investoren hätten 2021 mit Anlagen in Büro-, Einzelhandels- und Logistikimmobilien durchschnittlich eine Gesamtrendite von rund 8% erzielen können, die 2022 auf über 10% ansteigen könnte. Vergleichbare Investitionen in der Eurozone und im Vereinigten Königreich würden da bislang nicht mithalten, dürften aber immerhin Renditen im hohen einstelligen Prozentbereich abliefern. (Perspektiven Februar 2022) (14.02.2022/alc/a/a)





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