Leitzinsen könnten eine ganze Weile unverändert bleiben


04.11.25 08:45
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Bei ihrer Sitzung am 30. Oktober hat die EZB die Leitzinsen unverändert bei 2,00% (Einlagenfazilitätssatz) und 2,15% (Hauptrefinanzierungssatz) belassen, berichten die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Diese Entscheidung sei nicht überraschend gekommen, da viele Mitglieder des EZB-Rates in den letzten Wochen bereits signalisiert hätten, die Zinspause fortzusetzen.

Eine bemerkenswerte Ergänzung der geldpolitischen Erklärung sei ein Absatz gewesen, in dem die Widerstandsfähigkeit der Eurozonen-Wirtschaft gewürdigt worden sei, wobei auf das relativ robuste Wirtschaftswachstum, den robusten Arbeitsmarkt und die soliden Bilanzen des privaten Sektors hingewiesen worden sei. In der Erklärung sei jedoch betont worden, dass die Aussichten insbesondere aufgrund der anhaltenden globalen Handelsstreitigkeiten und geopolitischen Spannungen weiterhin unsicher seien.

In der Pressekonferenz habe EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigt, dass die EZB in Bezug auf die Geldpolitik "in einer guten Position" sei. Sie betone den datenabhängigen Ansatz, Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung zu treffen, und erkläre, dass die EZB sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad festlegen werde. Dies bestätige, dass kleinere Abweichungen vom 2 %-Inflationsziel nicht zwangsläufig eine geldpolitische Reaktion auslösen würden.

Weiterhin zeige sich Lagarde zuversichtlicher hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten und räume ein, dass mehrere Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zurückgegangen seien. Sie behalte jedoch ihre bisherige Haltung zur Inflation bei und stelle fest, dass die Abwärts- und Aufwärtsrisiken weiterhin weitgehend ausgeglichen seien.

Lagardes Äußerungen bestätigten die Einschätzung, dass die EZB die Leitzinsen wahrscheinlich für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau belassen werde. Man habe seine Zinsprognose bereits nach der letzten Sitzung revidiert und gehe nun davon aus, dass die nächste Maßnahme der EZB eine Zinserhöhung in H2 2026 sei. Diese Erwartung basiere auf dem zu erwartenden Aufwärtsdruck auf die Inflation, der sich aus erhöhten fiskalischen Ausgaben, insbesondere bei Investitionen und Verteidigung, ergebe.

Highlights (Zitate stammen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde):

Zur künftigen Geldpolitik:

"Aus geldpolitischer Sicht befinden wir uns in einer guten Position. Ist diese Position unveränderlich? Nein, aber wir werden alles Notwendige tun, um sicherzustellen, dass wir in einer guten Position bleiben."

Anmerkung: Lagardes Äußerungen spiegelten das Bekenntnis der EZB zu einem flexiblen und vorsichtigen Ansatz wider. Mit ihrer Aussage, dass sich die EZB "in einer guten Position" befinde, diese jedoch nicht "unveränderlich" sei, betone sie, dass die geldpolitischen Entscheidungen weiterhin auf die sich entwickelnden wirtschaftlichen Bedingungen reagieren würden. Ihre Äußerungen deuteten darauf hin, dass sie mit dem aktuellen Zinsniveau zufrieden sei und dass die Leitzinsen wahrscheinlich für einige Zeit unverändert bleiben würden. Auf eine weitere Frage, ob eine Zinssenkung oder -erhöhung wahrscheinlicher sei, vermeide Lagarde eine direkte Antwort und bekräftige stattdessen den flexiblen Ansatz der EZB.

Zum Wirtschaftswachstum:

"Mit einem Wachstum von 0,2 % im dritten Quartal, das etwas über den Erwartungen liegt […], würde ich mich über das Wachstum nicht allzu sehr beklagen […]. Wir können es besser machen. Wir hoffen, dass es besser wird."

"[In der Pressekonferenz zur Sitzung im September sagte ich, dass] die Risiken für das Wachstum ausgewogener waren und sich die Spannbreite verringert hatte. […] Ich denke, dieses Mal haben wir anerkannt, dass einige der Abwärtsrisiken nachgelassen haben."

Anmerkung: Hier habe sie die am Tag der EZB-Entscheidung veröffentlichten Zahlen zum QoQ-Wachstum der Eurozone im dritten Quartal kommentiert. Lagarde scheine die Wachstumsaussichten etwas optimistischer zu sehen, bleibe jedoch hinsichtlich des Tempos und der Nachhaltigkeit der Erholung vorsichtig. Sie hebe hervor, dass mehrere Abwärtsrisiken für das Wachstum nachgelassen hätten, und erwähne dabei das im Sommer erzielte Handelsabkommen zwischen der EU und den USA, den jüngsten Waffenstillstand im Nahen Osten und die Fortschritte bei den Handelsverhandlungen zwischen den USA und China.

Zur Inflation:

"Ich würde nicht unbedingt die gleiche Schlussfolgerung [dass einige der Abwärtsrisiken nachgelassen haben] für die Inflation ziehen. Ich denke, in dieser Hinsicht ist das Bild ausgewogener."

Anmerkung: Sie räume zwar ein, dass die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum nachließen, übertrage diese Einschätzung jedoch nicht auf die Inflation, sondern beschreibe die Aussichten als ausgewogen, mit Risiken auf beiden Seiten. Dies deute darauf hin, dass die EZB keinen zwingenden Grund sehe, die Leitzinsen in naher Zukunft anzupassen, da die Inflation in der Eurozone derzeit nahe dem Inflationsziel von 2 % liege und dies voraussichtlich auch in den kommenden Quartalen so bleiben werde. (04.11.2025/alc/a/a)





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