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Kurzbericht Januar 2020: Leicht höhere Renditen bei Staatsanleihen


03.01.20 12:00
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die Erholung der Weltwirtschaft, insbesondere im Industriesektor, nimmt zunehmend Gestalt an, so die Experten von Swisscanto Invest.

Erstmals seit sieben Monaten sei der globale Einkaufsmanagerindex wieder in der Wachstumszone. Gleichzeitig gebe es Anhaltspunkte, dass die Verlangsamung im Dienstleistungssektor zu Ende gehe. Zudem hätten sich die USA und China auf ein Teilabkommen zur Beilegung des Handelsstreits geeinigt. Dies stelle eine weitere Unterstützung zur konjunkturellen Stabilisierung der Weltwirtschaft dar. Indes entstehe mit den US-Präsidentschaftswahlen 2020 eine neue Quelle der Unsicherheit, schließlich werde der Wahlausgang die US-amerikanische Außen-, Handels- und Wirtschaftspolitik spürbar beeinflussen.

Angesichts der nach wie vor (zu) niedrigen Inflation würden die Notenbanken der wichtigsten Industriestaaten ihre expansive Geldpolitik beibehalten. Zwar sei die Luft an den Aktienmärkten durch die kräftigen Kursgewinne dünner geworden, aufgrund der verbesserten Konjunkturaussichten würden die Ertragsaussichten aber vergleichsweise attraktiv bleiben. Durch die besseren Konjunkturaussichten werde das globale Renditeniveau wieder leicht anziehen.

Infolge der weiterhin expansiven Notenbanken bleibe das Renditeanstiegspotenzial beschränkt. Die zuletzt veröffentlichten Wirtschaftsdaten würden allerdings auf eine Verbesserung im Industriesektor hinweisen und die Beruhigung im Handelsstreit unterstütze das Szenario einer Stabilisierung der Weltkonjunktur. Die Experten von Swisscanto Invest würden daher 2020 global mit einem leicht anziehenden Renditeniveau und etwas steileren Zinskurven rechnen. Die Voraussetzung für einen weiterführenden Renditeanstieg wäre allerdings eine Beschleunigung der Konjunktur, welche sich in naher Zukunft (noch) nicht abzeichne. Aus Ertragsoptik würden deutsche Bundesanleihen (EUR) sowie Eidgenossen (Schweizer Staatsanleihen) unattraktiv bleiben. Die höchsten Renditen seien nach wie vor in Nordamerika zu finden. Dabei habe Kanada im Verlauf von 2019 im Renditeranking Australien überholt, was die Attraktivität des Kanadischen Dollar als Anlagewährung erhöht habe.

Der Weltaktienmarkt habe ein außergewöhnlich gutes Jahr hinter sich. Aus den kräftigen Kursanstiegen 2019 lasse sich aber keine Prognose für 2020 ableiten. Ein Blick in die Vergangenheit zeige, dass zwischen einem Bärenmarkt und einem sogar noch stärkeren Anstieg alles vorgekommen sei in den Folgejahren. Entscheidend für die künftige Kursentwicklung würden daher die Fundamentaldaten bleiben. Aktuell haben sich die globalen Konjunkturindikatoren wieder leicht verbessert und in unserem Basisszenario gehen wir weiterhin davon aus, dass keine Rezession bevorsteht, so die Experten von Swisscanto Invest. Aufgrund der niedrigen Inflation sei auch nicht mit einer restriktiven Geldpolitik der global wichtigen Zentralbanken zu rechnen. Die Bewertung der Aktienmärkte sei im historischen Vergleich nicht hoch, aber 2019 deutlich gestiegen. Mit anderen Worten würden die Investoren auf ein wieder höheres Gewinnwachstum in der Zukunft hoffen. Die Experten von Swisscanto Invest würden davon ausgehen, dass sich der Bewertungsanstieg nicht fortsetzen werde. Die Aktienkurse würden daher von den nach wie vor gegenüber den Renditen der Staatsanleihen attraktiven Dividendenzahlungen bestimmt.

Es werde aber insbesondere die Gewinnentwicklung wichtig sein. Hier seien die Finanzanalysten zurückhaltend, denn sie würden ihre Erwartungen aktuell nach unten schrauben. Insofern dürfte die Mitte Januar beginnende Gewinnberichtssaison für das abgelaufene Quartal einen ersten Fingerzeig für 2020 liefern. Das Hauptaugenmerk werde wie immer auf den Unternehmen in den USA liegen. Die Konsensprognosen für den S&P 500 seien mit einem Jahresrückgang von rund einem Prozent niedrig. Die Konjunkturentwicklung in den USA sei im 4. Quartal besser verlaufen als ursprünglich befürchtet, weshalb die positiven Gewinnüberraschungen überwiegen sollten.

Darüber hinaus bestehe die Chance, dass sich infolge der Teileinigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China die Stimmung der Unternehmenslenker aufhelle und ihre Ausblicke positiver ausfallen würden. Die Kostenseite hätten die Unternehmen nach wie vor im Griff. Vor allem die Löhne würden trotz der niedrigen Arbeitslosenquote nur moderat steigen.

In der Summe sprächen die vorgenannten Faktoren dafür, dass auch 2020 ein positives Aktienjahr werde. Die Volatilität dürfte steigen, denn die Risiken seien nicht unerheblich. Erstens sei der Handelsstreit zwischen den USA und China noch nicht endgültig beigelegt. Zweitens stünden die US-Präsidentschaftswahlen an. Drittens stehe China mit Hongkong und den Uiguren vor innenpolitischen Herausforderungen. Viertens werde sich Europa weiter mit dem Brexit beschäftigen. Und fünftens würden vor allem bislang noch unbekannte oder nicht wahrgenommene Risiken lauern. Positiv an den meisten Risiken sei indes, dass sie sich entweder auflösen oder gar nicht eintreten würden.

Als sich im Frühjahr 2019 abgezeichnet habe, dass die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wieder expansiver werden würde, hätten die Experten von Swisscanto Invest die Chance für eine vorübergehend überdurchschnittliche Aktienmarktentwicklung in der Eurozone gesehen. Hintergrund sei die Beobachtung gewesen, dass sich der Markt aufgrund struktureller Probleme der Währungsgemeinschaft seit der Finanzkrise zwar unterdurchschnittlich entwickle, geldpolitische Lockerungen oder eine Konjunkturbeschleunigung relativ zum Rest der Welt aber immer wieder zu einer vorübergehenden Rally geführt hätten. Diese sei bislang ausgeblieben. Da die Experten von Swisscanto Invest aktuell keine weiteren Lockerungsschritte erwarten würden und auch die Wirtschaft im Vergleich zum Rest der Welt schwach unterwegs sei, würden sie vorerst nicht mehr davon ausgehen, dass sich die Aktien der Eurozone überdurchschnittlich entwickeln würden.

Etwas aufgehellt habe sich dagegen die Lage in Japan. Wie in der Eurozone seien dort die strukturellen Herausforderungen nach wie vor ungelöst. Das erwartete Gewinnwachstum für die Unternehmen liege sogar unter dem der Eurozone. Allerdings sei der japanische Markt gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) deutlich günstiger bewertet. Und die Teileinigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China biete aufgrund der engen Handelsverflechtungen generell wieder größere Kurschancen an den asiatischen Märkten. Diese hätten auch im Schwellenländerindex, den die Experten von Swisscanto Invest als attraktiv erachten würden, das mit Abstand größte Gewicht. (03.01.2020/alc/a/a)