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Konstruktives Umfeld für High Yield-Anleihen


18.03.21 10:30
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die Ausfallraten im Universum der High Yield-Anleihen erreichten im Jahr 2020 mit 6,8 Prozent in den USA und vier Prozent in Europa ihren Zenit, so Roland Hausheer, Leiter High Yield bei Swisscanto Invest.

Dies sei der höchste Stand seit der Finanzkrise 2007/08. Der Höhepunkt dürfte jedoch durchschritten sein. Analysiere man die monatlichen Insolvenzen, so falle auf, dass diese schon seit mehreren Monaten kontinuierlich fallen würden. Im Januar und Februar dieses Jahres sei sogar kein einziger Ausfall verzeichnet worden. Die Experten würden davon ausgehen, dass sich dieser Trend fortsetzen werde und man im Jahr 2021 substanziell tiefere Ausfallraten von nur zwei Prozent sehen werde.

Momentan preise der Markt eine Ausfallrate von etwa 3,5 Prozent ein. Generell hätten High Yield-Unternehmen beträchtliche Liquiditätspuffer aufgebaut, um die Corona-Pandemie zu überstehen. Dies sei über die Beanspruchung von Staatshilfen, die Emission von Anleihen oder Aktien sowie durch Kostensparprogramme erreicht worden. Im Durchschnitt habe sich die Liquidität der Unternehmen somit um rund 50 bis 70 Prozent erhöht.

Der wesentlichste Faktor dabei sei sicher der sehr gute Zugang zum Kapitalmarkt. Selbst diejenigen Unternehmen, die von der Pandemie am härtesten getroffen worden seien - namentlich Flug- oder Kreuzfahrtgesellschaften - hätten gegenwärtig keinerlei Probleme, am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen. Und dies, obwohl sie momentan nur einen Bruchteil des normalen Umsatzes erzielen würden. Die Nachfrage scheine geradezu unbeschränkt.

So habe American Airlines vergangene Woche eine Jumbo-Anleihe in Höhe von rund 6,5 Milliarden US-Dollar platzieren können. Trotz des riesigen Volumens habe die Nachfrage die Emissionsgröße um ein Vielfaches überstiegen. Der Markt setze somit ein klares Zeichen, dass er die momentane Krise als temporär betrachte und davon ausgehe, dass sich mit der weltweiten Ausrollung von Impfkampagnen bald wieder eine gewisse Normalisierung einstellen werde.

Während sich Unternehmen wie American Airlines höher verschulden müssten, um die Pandemiekrise zu überstehen, widerspiegele dies in keiner Weise die Hauptaktivität am Neuemissionsmarkt. Der High Yield-Markt habe in 2020 ein Rekordvolumen an Neuemissionen verzeichnet und sei auch in 2021 bereits wieder rekordverdächtig gestartet. Gleichwohl betreffe die weitaus größte Mehrheit der Transaktionen - rund 65 Prozent in 2020 und ca. 80 Prozent im bisherigen Jahresverlauf - Refinanzierungen von bestehenden Schulden. Mit anderen Worten: High Yield-Unternehmen würden ein konservatives Bilanzmanagement betreiben und keine neuen Schulden generieren, sondern bestehende zu günstigeren Konditionen erneuern.

Spätestens zur Mitte dieses Jahres würden die Experten mit der schrittweisen Öffnung der Wirtschaft eine starke globale Konjunkturerholung erwarten. Unsere Makroökonomen haben ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft für dieses Jahr jüngst auf rund 6,4 Prozent angehoben, so die Experten von Swisscanto Invest. Und eine aufstrebende Wirtschaft sei grundsätzlich sehr positiv für High Yield-Anleihen.

Auf Unternehmensebene hätten die Experten bereits seit dem 3. Quartal 2020 eine kontinuierliche Verbesserung der Unternehmenszahlen beobachtet. Wichtige Bereiche wie der Automobil- oder Freizeitsektor, die sehr stark von der Pandemie betroffen gewesen seien, hätten sich sehr rasch erholt, wodurch sich der Ausblick für Ausfallraten allgemein aufhelle. Auch das Umfeld für Energieunternehmen habe sich aufgrund des starken Anstiegs des Ölpreises deutlich verbessert. Dies sei insbesondere deshalb wichtig, weil der Energiesektor für den Hauptteil der Insolvenzen verantwortlich gewesen sei.

Eine starke wirtschaftliche Erholung, deutlich sinkende Ausfallraten sowie die hohe Refinanzierungstätigkeit aufgrund eines gut funktionierende Primärmarktes seien die wesentlichen Gründe für den weiterhin sehr konstruktiven High Yield-Ausblick der Experten. Darüber hinaus dürfte die Geldpolitik weltweit noch lange ultraexpansiv bleiben. Nebst dem attraktiven Carry würden die Experten durchaus auch Potenzial für weitere Spread-Verengungen sehen. Vor allem in Sektoren, die stark durch Corona belastet worden seien und günstige Bewertungen aufweisen würden. Dabei bleibe eine selektive Titelauswahl entscheidend. (18.03.2021/alc/a/a)