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Konjunktur sollte Kapitalmärkte 2017 unterstützen


16.12.16 10:00
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Ein turbulentes Kapitalmarktjahr geht dem Ende zu: Börsencrash in China, Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU, Militärputsch in der Türkei, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und zu guter Letzt das Nein der Italiener zu einer Verfassungsreform verbunden mit dem Rücktritt von Regierungschef Matteo Renzi im Dezember, so die Experten von Raiffeisen Capital Management.

Alles in allem viel Bewegung und wenig Stabilität. Dennoch sei das Kapitalmarktjahr 2016 für viele Anleger, die investiert geblieben seien, ein gutes Jahr gewesen. Doch wie gehe es an den Kapitalmärkten 2017 weiter? Was würden die wesentlichen Einflussfaktoren des kommenden Jahres sein?

"Insgesamt gehen wir von einem positiven Kapitalmarktjahr 2017 aus", so Ingrid Szeiler, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Capital Management. "Der Ausblick für die Aktienmärkte hat sich zuletzt zusehends aufgehellt. Die immer wieder monierte Schwäche der Unternehmensgewinne läuft aus. Im Jahr 2017 rechnen wir daher mit höheren Gewinnen." Dies sei nicht zuletzt auf die verbesserten Wachstumsaussichten zurückzuführen. Szeiler: "Viele Vorlaufindikatoren sind gestiegen, die veröffentlichten Konjunkturdaten liegen über den Erwartungen. Die Diskussion bezüglich verstärkter Infrastrukturausgaben ist der erwarteten Konjunkturdynamik ebenfalls zuträglich. Aber auch die Erholung der Rohstoffpreise, nicht zuletzt des Ölpreises, wirkt positiv auf viele Sektoren." Mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung sei auch 2017 zu rechnen. Unterdessen werde die Geldpolitik global gesehen locker bleiben, auch wenn die amerikanische Notenbank FED die Zügel etwas anziehen werde.

Die Aussichten für die US-Konjunktur seien jedenfalls gut. Sie würden durch ein stabiles Konsumentenvertrauen sowie dem Ende der Rückgänge der Industrieproduktion gestützt. Auch der US-Arbeitsmarkt präsentiere sich zunehmend robust. Die Arbeitslosigkeit liege stabil unter 5%. Für das Jahr 2017 würden Analysten daher mit einem realen Anstieg des BIP von 2,4% rechnen. "Bessere Fundamentaldaten und eine zurückhaltende Stimmung sprechen für weitere Anstiege am Aktienmarkt. Darüber hinaus ist der Jahresbeginn traditionell ein Zeitraum mit überdurchschnittlichen Aktienerträgen", so Szeiler.

In Europa zeige sich ein ähnlich positives Bild, was das Konsumentenvertrauen und die Konjunktur betreffe. Hier komme noch hinzu, dass die anhaltend expansive Geldpolitik der Zentralbank zusätzliche Schubkraft bringen könne. Szeiler: "Der Blick auf die Gewinnrevision zeigt ein zuletzt deutlich verbessertes Bild. Für die nächsten Monate erwarten wir daher erstmals seit langer Zeit auch von der Unternehmensgewinndynamik Rückenwind für die Kursentwicklung der europäischen Aktienmärkte." Auch für Schwellenländer-Aktien sei Raiffeisen Capital Mangement positiv gestimmt, denn diese seien darüber hinaus auch sehr günstig bewertet, vor allem Lateinamerika, Osteuropa und Asien.

Etwas differenzierter zeige sich das Bild bei den Anleihen. Das Schicksal der Anleger in europäischen Staatsanleihen werde wohl auch 2017 von den Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) abhängen. Die EZB habe im Dezember ihr Anleihen-Kaufprogramm bis Ende 2017 verlängert. Zinsanhebungsschritte seien kurz- bis mittelfristig nicht zu erwarten. Im Unterschied zu den USA, wo die FED in den Startlöchern für die nächste Zinsanhebung stehe. Die Wahl Donald Trumps habe dort bereits zu einem Anstieg der Renditen geführt, unterstützt durch höhere Inflationserwartungen.

"Wir setzen in der näheren Zukunft auf inflationsindexierte Staatsanleihen in Europa und den USA. Bei den Unternehmensanleihen sehen wir weiteres Potenzial bei Euro-High-Yield-Anleihen, also hochverzinslichen Anleihen mit einer Bonitätseinstufung, die niedriger ist als BBB. Aber auch Investment-Grade-Anleihen aus Europa mit einer Bonitätseinstufung von AAA bis BBB erachten wir als chancenreich, da sich das Marktumfeld aufhellt und die wirtschaftliche Entwicklung vieler Unternehmen positiv verläuft", so Chief Investment Officer Szeiler.

Bei Schwellenländer-Anleihen habe sich das Bild im Zuge der US-Präsidentenwahl etwas verändert: Vor allem in Lateinamerika sei es bei Anleihen und Währungen aufgrund der von Trump angekündigten protektionistischen Maßnahmen und dem Druck auf US-Zinsen zu teilweise erheblichen Korrekturen gekommen. Szeiler: "Aus unserer Sicht wird der Dämpfer aber nur vorübergehender Natur sein, da vieles von dem, was aktuell an den Finanzmärkten gepreist wird, nämlich starker Protektionismus und massive Infrastrukturausgaben, vermutlich nicht in dem angekündigten Ausmaß kommen wird." Was die Fundamentaldaten betreffe - Stichwort: Rohstoffentwicklung - spreche jedenfalls einiges für die Emerging Markets. (16.12.2016/alc/a/a)