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Konjunktur: Positive Daten aus Amerika, Renten: Unternehmensanleihen bevorzugen


20.05.16 11:35
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Finanzmärkte bleiben weiter nervös und befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen expansiver Geldpolitik der Zentralbanken und schwächelnder Weltkonjunktur sowie Zinsängsten in Amerika, so die Analysten der Weberbank.

Erfreuliche Konjunkturdaten seien diesmal aus Amerika gekommen. Hier hätten sich vor allem die Einzelhandelsumsätze, welche etwa 30% des privaten Konsums in den USA ausmachen würden, erfreulich entwickeln können. Mit einem Wachstum von 1,3% gegenüber dem Vormonat seien die Umsätze so kräftig gestiegen wie seit einem Jahr nicht mehr. Hauptverantwortlich dafür seien die starken Automobilabsätze gewesen. Aber auch ohne Autoverkäufe hätten die Einzelhandelsumsätze mit einer Zunahme um 0.8% ein starkes Wachstum verzeichnet.

Auch die Industrieproduktion sowie die Baubeginne und Baugenehmigungen hätten positiv überraschen können. Zu guter Letzt habe sich laut der Umfrage der Universität Michigan die Stimmung unter den Verbrauchern signifikant aufgehellt. Trotz der zuletzt positiven Daten sei das Bild der amerikanischen Konjunktur immer noch verhalten. So schwächele weiterhin das Verarbeitende Gewerbe, und die US-Wirtschaft zeige auch nach zwei schwachen Quartalen keine große Dynamik. Die Analysten würden aber zuversichtlich bleiben, dass die US-Wirtschaft aufgrund des sehr guten Arbeitsmarktes sowie des solide wachsenden Privatkonsums in den kommenden Quartalen weiter an Fahrt aufnehme.

Die europäische Wirtschaft sei gut in das Jahr 2016 gestartet. So sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal des Jahres gegenüber dem Schlussquartal 2015 um 0,5% und gegenüber dem Vorjahr um 1,5% gestiegen. So stark sei die Wirtschaft der Währungsunion zuletzt Ende 2014 gewachsen. Ob sich das Wirtschaftswachstum mit dieser Dynamik weiter fortsetzten werde, sei aber fraglich. So habe die Industrieproduktion mit einem Rückgang um 0,8% gegenüber dem Vormonat die Marktteilnehmer enttäuscht. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich das Wachstum der Industrieproduktion auf 0,2% abgeschwächt. Hoffnung für eine Belebung der Konjunktur würden die Einkaufsmanagerindices machen, welche sich zuletzt verbessert hätten. Insgesamt seien die Analysten für die Wirtschaftserholung in Europa zuversichtlich gestimmt, ein nachhaltig höheres Wirtschaftswachstum sei allerdings zur Zeit nicht zu erkennen.

Der deutsche Rentenmarkt habe zuletzt einen kleinen Dämpfer bekommen. So sei die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen innerhalb einer Woche von 0,10% auf ca. 0,19% gestiegen. Anziehende Inflationserwartungen sowie das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank (FED) hätten zu dem Renditeanstieg geführt. Laut dem Protokoll spreche sich die Mehrheit der Ausschussmitglieder für eine Zinserhöhung im Juni aus, sollte die Wirtschaft wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad einschwenken und die Inflation sich in Richtung 2% bewegen.

Die Finanzmärkte würden derzeit eine Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Juni von 32% einpreisen. Vor dem Hintergrund der zeitlichen Nähe der nächsten US-Notenbank-Sitzung zur Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union am 23. Juni halte man eine Zinserhöhung erst im Juli bzw. September für wahrscheinlicher. Insgesamt gehe man von zwei US-Zinserhöhungen in diesem Jahr aus. Auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) weitere Zinssenkungen ausschließe, würden diese möglich bleiben. Die Analysten würden insgesamt keinen starken und langristigen Renditeanstieg bei deutschen Staatsanleihen erwarten, würden aber aufgrund der Rendite/Risiko- Struktur Unternehmensanleihen sowie Rentenpapiere aus Schwellenländern bevorzugen.

Die Stimmung an den europäischen Aktienmärkten bleibe nervös. Zuletzt hätten sich die schwächelnde Weltkonjunktur, Diskussion um das Tempo der Leitzinserhöhungen in Amerika sowie politische Unsicherheiten wie z.B. der so gennante "Brexit" negativ auf die Aktienmärkte ausgewirkt. Auch von der Berichtsaison seien keine positiven Impulse gekommen. Zwar habe die Mehrzahl der europäischen Unternehmen die in sie gestellten Gewinnerwartungen übertreffen können, die Umsatzschätzungen seien hingegen überwiegend nicht erreicht worden. Amerikanische Aktien aus dem S&P 500-Index hätten gegenüber dem Vorjahr einen Gewinnrückgang von mehr als 8% verzeichnet. Dies sei der vierte Gewinnrückgang in Folge und der schlechteste Wert seit der Finanzmarktkrise.

Insgesamt würden sich die Aktienmärkte in einem Spannungsfeld zwischen Konjunktursorgen, politischer Unsicherheit und fallenden Gewinnen einerseits und expansiver Geldpolitik, attraktiver Bewertung sowie relativer Attraktivität (Aktien zu Renten) andererseits befinden. Aus Sicht der Analysten werde vor der "Brexit"-Entscheidung die Unsicherheit hoch bleiben und die Aktienmärkte lähmen. Mittelfristig sollte sich das extrem niedrige Zinsumfeld und der damit verbunden Anlagedruck privater und institutionelle Anleger positiv auf die Aktienmärkten auswirken. (20.05.2016/alc/a/a)