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Kommentar zur kommenden EZB-Ratssitzung: Wo ist Schluss?
24.10.22 10:30
abrdn
London (www.anleihencheck.de) - Große Zinserhöhungen sind heutzutage zur Normalität geworden, so Pietro Baffico, European Economist bei abrdn.
Der unaufhaltsame Anstieg der Inflation bereite den Entscheidungsträgern mehr Sorgen als die Risiken einer drohenden Rezession. Die Inflation im Euroraum sei im September mit 9,9% auf einem Rekordhoch bestätigt worden. Die Kerninflation habe 4,8% erreicht, was den Druck auf die EZB aufrechterhalte, eine straffere Geldpolitik vorzuziehen.
Der andere Faktor, der die Gesamtnachfrage und damit auch die Inflation stützen dürfte, sei die fiskalische Unterstützung, die von den europäischen Regierungen schrittweise umgesetzt werde. In einer Wirtschaft, die bereits überhitzt sei, würden die fiskalpolitischen Interventionen einen geldpolitischen Ausgleich erfordern, um die Auswirkungen auf die Nachfrage auszugleichen. Daher dürfte es kaum überraschen, dass auch Mitglieder des EZB-Rats Bedenken hinsichtlich der möglichen Auswirkungen der Fiskalpolitik geäußert hätten. Sie würden darauf verweisen, dass Maßnahmen zur Linderung der Lebenshaltungskostenkrise am besten gezielt und zeitlich begrenzt seien.
Die Experten würden davon ausgehen, dass die EZB auf der Oktober-Sitzung nächste Woche eine weitere Anhebung um 75 Basispunkte verkünden werde. Die Debatte über den künftigen Kurs drehe sich nicht mehr um die Normalisierung der Zinssätze nach über einem Jahrzehnt historisch akkommodierender Geldpolitik, sondern vielmehr um den Zinssatz zum Ende des Zinserhöhungszyklus. Die Risikobilanz deute darauf hin, dass sich die Anhebung in ähnlicher Größenordnung im Dezember wiederholen könnte, auch wenn sich die Zentralbank im Vorfeld nicht festlegen werde und weiterhin von den Daten abhängig sei.
Auch das Thema Quantitative Tightening (QT) rücke zunehmend in den Fokus, da nur wenige Entscheidungsträger eine Straffung der EZB-Bilanz ab 2023 vorschlagen würden. Es sei also möglich, dass das Thema im Oktober diskutiert werde. In jedem Fall würden die Experten erwarten, dass der Prozess schrittweise beginne, eher das Asset Purchase Programme (APP) als das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) betreffe und eher in Form einer passiven Abwicklung (teilweise oder für alle fälligen Wertpapiere) als in Form von aktiven Verkäufen von Vermögenswerten erfolge. Für Anleger könnte dieser Prozess das Risiko einer Fragmentierung innerhalb der Eurozone erhöhen, insbesondere angesichts der angespannten Marktbedingungen und einer bevorstehenden Rezession. Diese Faktoren könnten auch den Abbau der Bilanz verzögern. (Ausgabe vom 21.10.2022) (24.10.2022/alc/a/a)
Der unaufhaltsame Anstieg der Inflation bereite den Entscheidungsträgern mehr Sorgen als die Risiken einer drohenden Rezession. Die Inflation im Euroraum sei im September mit 9,9% auf einem Rekordhoch bestätigt worden. Die Kerninflation habe 4,8% erreicht, was den Druck auf die EZB aufrechterhalte, eine straffere Geldpolitik vorzuziehen.
Die Experten würden davon ausgehen, dass die EZB auf der Oktober-Sitzung nächste Woche eine weitere Anhebung um 75 Basispunkte verkünden werde. Die Debatte über den künftigen Kurs drehe sich nicht mehr um die Normalisierung der Zinssätze nach über einem Jahrzehnt historisch akkommodierender Geldpolitik, sondern vielmehr um den Zinssatz zum Ende des Zinserhöhungszyklus. Die Risikobilanz deute darauf hin, dass sich die Anhebung in ähnlicher Größenordnung im Dezember wiederholen könnte, auch wenn sich die Zentralbank im Vorfeld nicht festlegen werde und weiterhin von den Daten abhängig sei.
Auch das Thema Quantitative Tightening (QT) rücke zunehmend in den Fokus, da nur wenige Entscheidungsträger eine Straffung der EZB-Bilanz ab 2023 vorschlagen würden. Es sei also möglich, dass das Thema im Oktober diskutiert werde. In jedem Fall würden die Experten erwarten, dass der Prozess schrittweise beginne, eher das Asset Purchase Programme (APP) als das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) betreffe und eher in Form einer passiven Abwicklung (teilweise oder für alle fälligen Wertpapiere) als in Form von aktiven Verkäufen von Vermögenswerten erfolge. Für Anleger könnte dieser Prozess das Risiko einer Fragmentierung innerhalb der Eurozone erhöhen, insbesondere angesichts der angespannten Marktbedingungen und einer bevorstehenden Rezession. Diese Faktoren könnten auch den Abbau der Bilanz verzögern. (Ausgabe vom 21.10.2022) (24.10.2022/alc/a/a)


