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Können die Erträge von Bundesanleihen noch weiter sinken?
13.06.19 12:45
Legg Mason
Baltimore (www.anleihencheck.de) - "Sie sind aktuell der Blitzableiter für die Ängste des Marktes", sagt Gordon S. Brown, Co-Head of Global Portfolios bei der auf Anleihen spezialisierten Legg Mason-Tochtergesellschaft Western Asset Management, wenn er über deutsche Bundesanleihen spricht.
Denn die deutschen Fundamentaldaten würden die aktuellen Zinsen kaum rechtfertigen, betone der Anleihe-Experte: "Seit der Finanzkrise sind Anleger darauf gefasst, mit dem unerwarteten zu rechnen. Doch als langfristig orientierter Value-Investor sind wir fest davon überzeugt, dass sich letztendlich die Fundamentaldaten durchsetzen und der entscheidende Faktor für die Bewertungen sind." Brown gebe zu, dass es durchaus möglich sei, dass die Zinsen für deutsche Bundesanleihen weiter zerrieben würden - aber nur, weil sich in ihnen zu viele schlechte Nachrichten widerspiegeln würden und sie sich von den langfristigen makroökonomischen Treibern losgelöst hätten.
Dafür nenne der erfahrene Legg Mason-Fondsmanager gleich mehrere Gründe: Die sich zuspitzenden Spannungen im Welthandel - denn die Länder der Eurozone hätten vergleichsweise offene Volkswirtschaften; die starke Zinsrally der US-Treasuries, die mehr als 100 Basispunkte seit dem letzten Hoch im November gut gemacht hätten; der immer wahrscheinlicher werdende "No-Deal-Brexit"; ein erneuter Fokus auf italienische Schulden und die dortigen geldpolitischen Dynamiken; die nicht empfänglich scheinenden Inflationserwartungen.
Ungeachtet dieser Ängste des Marktes: Wie stehe es denn nun wirklich um den fundamentalen Hintergrund? "Das zweite Halbjahr 2018 war sowohl für die Eurozone als auch für Deutschland schwach. Seitdem hat sich das Wachstum jedoch erholt - und zwar deutlich mehr, als vom Markt erwartet. Denn die negativen Faktoren in einigen Industriesektoren - allen voran der Automobilbranche - klingen langsam ab", analysiere Brown. Zudem zeichneten auch zukunftsgerichtete Umfragedaten ein positiveres Bild seit dem Tief im Januar. Die inländischen Wachstumstreiber der Eurozone, die auch für Deutschland gelten würden, blieben robust und würden damit eine gewisse Resilienz gegenüber der langwierigen Schwäche im Fertigungssektor beweisen. Auch der Arbeitsmarkt sei äußerst solide mit guten Einkommen, die den privaten Binnenkonsum stützten.
"Fasst man die harten Daten sowie die vorwärts gerichteten Indikatoren zusammen, erwarten wir nach unseren Berechnungen ein Wachstum für die Eurozone von rund einem Prozent. Das ist zwar nicht spektakulär, bleibt aber dennoch nur leicht hinter den Erwartungen für die Region von 1,3 Prozent zurück. In jedem Fall ist aus unserer Sicht eine solche Wachstumsrate stark genug, um die Sorgen vor einer Rezession zu zerschlagen", betone Browne und füge hinzu: "Zudem hat die EZB betont, dass sie an ihrem Kurs einer entgegenkommenden Geldpolitik festhält, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen. Im Zweifel, so heißt es von den Währungshütern, wird sie auch handeln, sollte es wesentliche Abwärtsrisiken geben."
Und was heiße das für die Anleger? "Natürlich behalten wir die Richtungen, aus denen der aktuelle Gegenwind bläst, sehr genau im Auge. Das gilt insbesondere für die Spannungen im Welthandel, die durchaus eskalieren könnten", sage Brown. "Alles in allem sind Anleger unserer Meinung nach jedoch zu pessimistisch was den Ausblick für die Eurozone und das weltweite Wirtschaftswachstum angeht." Wenn es nicht zu einer signifikanten Verschlechterung der Handelsbeziehungen zwischen den USA und China und/oder zu einem abrupten Stopp der Aktivitäten zwischen beiden Ländern im zweiten Halbjahr dieses Jahres komme, seien die Experten der Legg Mason-Tochtergesellschaft davon überzeugt, dass auch die Kapitalertragszinsen der Staatsanleihen aus den Industrienationen zu viel Pessimismus widerspiegeln würden. Und bei all dem seien deutschen Bundesanleihen die am stärksten überbewerteten Papiere.
"Deutsche Bundesanleihen rentierten noch im vergangenen Oktober bei über 0,5 Prozent - in einer Zeit, als sich die deutsche Wirtschaft zusammenzog. Wenn wir mit unserem Basisszenario robust, aber unspektakulär' für das weltweite Wachstum richtig liegen, sollten die Zinsen der Bunds wieder im positiven Bereich rentieren - oder zumindest auf dem Niveau vom Ende vergangenen Jahres bei etwa 0,2 Prozent", schließe Brown ab. (13.06.2019/alc/a/a)
Denn die deutschen Fundamentaldaten würden die aktuellen Zinsen kaum rechtfertigen, betone der Anleihe-Experte: "Seit der Finanzkrise sind Anleger darauf gefasst, mit dem unerwarteten zu rechnen. Doch als langfristig orientierter Value-Investor sind wir fest davon überzeugt, dass sich letztendlich die Fundamentaldaten durchsetzen und der entscheidende Faktor für die Bewertungen sind." Brown gebe zu, dass es durchaus möglich sei, dass die Zinsen für deutsche Bundesanleihen weiter zerrieben würden - aber nur, weil sich in ihnen zu viele schlechte Nachrichten widerspiegeln würden und sie sich von den langfristigen makroökonomischen Treibern losgelöst hätten.
Dafür nenne der erfahrene Legg Mason-Fondsmanager gleich mehrere Gründe: Die sich zuspitzenden Spannungen im Welthandel - denn die Länder der Eurozone hätten vergleichsweise offene Volkswirtschaften; die starke Zinsrally der US-Treasuries, die mehr als 100 Basispunkte seit dem letzten Hoch im November gut gemacht hätten; der immer wahrscheinlicher werdende "No-Deal-Brexit"; ein erneuter Fokus auf italienische Schulden und die dortigen geldpolitischen Dynamiken; die nicht empfänglich scheinenden Inflationserwartungen.
"Fasst man die harten Daten sowie die vorwärts gerichteten Indikatoren zusammen, erwarten wir nach unseren Berechnungen ein Wachstum für die Eurozone von rund einem Prozent. Das ist zwar nicht spektakulär, bleibt aber dennoch nur leicht hinter den Erwartungen für die Region von 1,3 Prozent zurück. In jedem Fall ist aus unserer Sicht eine solche Wachstumsrate stark genug, um die Sorgen vor einer Rezession zu zerschlagen", betone Browne und füge hinzu: "Zudem hat die EZB betont, dass sie an ihrem Kurs einer entgegenkommenden Geldpolitik festhält, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen. Im Zweifel, so heißt es von den Währungshütern, wird sie auch handeln, sollte es wesentliche Abwärtsrisiken geben."
Und was heiße das für die Anleger? "Natürlich behalten wir die Richtungen, aus denen der aktuelle Gegenwind bläst, sehr genau im Auge. Das gilt insbesondere für die Spannungen im Welthandel, die durchaus eskalieren könnten", sage Brown. "Alles in allem sind Anleger unserer Meinung nach jedoch zu pessimistisch was den Ausblick für die Eurozone und das weltweite Wirtschaftswachstum angeht." Wenn es nicht zu einer signifikanten Verschlechterung der Handelsbeziehungen zwischen den USA und China und/oder zu einem abrupten Stopp der Aktivitäten zwischen beiden Ländern im zweiten Halbjahr dieses Jahres komme, seien die Experten der Legg Mason-Tochtergesellschaft davon überzeugt, dass auch die Kapitalertragszinsen der Staatsanleihen aus den Industrienationen zu viel Pessimismus widerspiegeln würden. Und bei all dem seien deutschen Bundesanleihen die am stärksten überbewerteten Papiere.
"Deutsche Bundesanleihen rentierten noch im vergangenen Oktober bei über 0,5 Prozent - in einer Zeit, als sich die deutsche Wirtschaft zusammenzog. Wenn wir mit unserem Basisszenario robust, aber unspektakulär' für das weltweite Wachstum richtig liegen, sollten die Zinsen der Bunds wieder im positiven Bereich rentieren - oder zumindest auf dem Niveau vom Ende vergangenen Jahres bei etwa 0,2 Prozent", schließe Brown ab. (13.06.2019/alc/a/a)


