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Keine Angst vor Anleihenknappheit


24.03.15 11:46
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Seit die Europäische Zentralbank begonnen hat, Staatsanleihen zu kaufen, bewegt die Rentenmärkte ein Thema, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.

Sei der Markt ausreichend liquide, dass die EZB ihre Bilanzsumme wie geplant um 60 Mrd. Euro pro Monat ausweiten könne? Und was passiere, wenn das Angebot austrockne, da sich beispielsweise Pensionskassen von ihren Beständen nicht trennen würden? Würden dann die Kriterien aufgeweicht und andere Wertpapiere gekauft? Wer ein gutes Gedächtnis habe, der kenne die Thematik bereits.

Als die Clinton-Administration in den USA mehrere Jahre Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet habe, sei spekuliert worden, dass eine Knappheit an US-Staatsanleihen zu Verwerfungen an den Rentenmärkten führen könnte. Dazu sei es dann nie gekommen, da steigende Staatsdefizite schon bald wieder zu höherer Emissionstätigkeit geführt hätten.

Der gleiche Ausgang wäre für Euroland nicht zu hoffen. Die Sorge vor sich verknappendem Angebot an Obligation sei dennoch übertrieben. Dies liege vor allem daran, dass das primäre Ziel der EZB die Inflationsrate sei und nicht die Bilanzsumme. Die Ausweitung der Bilanzsumme sei lediglich ein Mittel, mit dem die EZB versuche Finanzmarktentwicklungen anzustoßen, die zu mehr Wachstum und höherer Inflationsentwicklung führen sollten.

EZB-Präsident Draghi habe bereits im November explizit dargestellt, welche Effekte er von quantitativer Lockerung erwarte, nämlich niedrigere Zinsen, höhere Vermögenspreise und einen schwächeren Wechselkurs. Führen solle dies dann zu einem höheren Angebot und Nachfrage nach Krediten, mehr Investitionen, einem stärkeren privaten Konsum und höheren Exporten und so zu mehr Wachstum und Inflation.

Den Zwischenschritt auf den Finanzmärkten habe die EZB bereits sehr früh erreicht. Fortsetzen müsse sie ihr Programm dennoch, sonst würden die Märkte wieder auspreisen, dass die EZB bis mindestens September 2016 am Markt aktiv bleibe. Allerdings ließe sich diskutieren, ob sich das Volumen der Käufe reduzieren ließe. Die EZB könnte damit die Vermögenspreise hoch und die Zinsen und den Euro niedrig halten, bräuchte aber weniger Risiken auf ihre Bilanz zu nehmen.

Entscheidendes Kriterium dafür würden die Inflationsprojektionen im Juni sein. Sollte die EZB in ihren vierteljährlichen Wirtschaftsprojektionen zu dem Schluss kommen, dass die Inflation mittelfristig doch höher sei als bislang geschätzt, dann wäre es möglich auch weniger als monatlich 60 Mrd. Euro zu kaufen. Gesagt habe die EZB dies bislang so nicht. Aber da das Ende der quantitativen Lockerung von der Erreichung der Inflationsnorm abhängig gemacht worden sei, sollte auch ein kürzeres und kleineres Programm möglich sein.

Der schwache Euro spreche dafür, dass die Inflationsprognosen im Juni angehoben würden. Vielleicht wäre das bereits eine gute Gelegenheit, die monatlichen Käufe etwas zu drosseln. Die Knappheitsdiskussion werde sich dann von selbst erübrigen. (Ausgabe vom 23.03.2015) (24.03.2015/alc/a/a)