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Kapitalmarkt: Die "finanzielle Repression" lässt grüßen


02.11.12 16:52
Allianz Global Investors

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Internationale Notenbanken fluten weiterhin die Kapitalmärkte mit billiger Liquidität: Umfangreiche Anleihekaufprogramme der G-4-Notenbanken, niedrige oder sogar weiter sinkende Leitzinsen - allen voran der Zentralbanken der Wachstumsländer, so die Analysten von Allianz Global Investors.

Es sei ein regelrechter Wettlauf um die expansivste Geldpolitik. Geldpolitik und Fiskalpolitik seien dabei aber aufs engste verknüpft.

In den USA laufe Ende des Jahres "Operation Twist" - der Aufkauf langlaufender Staatsanleihen - aus, wenngleich "QE3", die dritte Generation der Geldmengenausweitung, bereits von US-Notenbankchef Ben Bernanke ausgerufen worden sei. Gleichzeitig steige aber der Finanzierungsbedarf der USA. "Fiscal Cliff" hin oder her - demnächst dürfte die US-Staatsverschuldung die gesetzliche Schuldenobergrenze von 16,4 Bio. US-Dollar erreicht haben. Bleibe abzuwarten, ob die fiskalischen Sparmaßnahmen dann tatsächlich in der Größenordnung von über 600 Mrd. US-Dollar bzw. knapp 4% des Bruttoinlandsprodukts umgesetzt würden.

Nach den USA selbst dürften die zwei wichtigsten Gläubiger Amerikas - China und Japan - immer weniger bereit sein, US-Treasuries zu kaufen. Chinas stark exportorientiertes Wirtschaftsmodell scheine sich in Richtung Stärkung des Binnenkonsums zu verschieben. Wie das National Bureau of Statistics kürzlich bekannt gegeben habe, steuere zum ersten Mal seit über einer Dekade der inländische Konsum bereits etwa 55% zum Wirtschaftswachstum bei. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, sei es eine Frage der Zeit, dass die dann entstehenden Leistungsbilanzdefizite China von einem Kapitalexporteur zum Kapitalimporteur werden lassen würden.

Zusätzlich sorge in Japan die demografische Entwicklung dafür, dass die Japaner immer mehr entsparen würden. Auch hier dürften Kapitalimporte die Folge sein. Wer kaufe dann noch (US-)Staatsanleihen, wenn nicht die Zentralbanken?

Investoren sollten sich daher die Frage stellen, wo die überschüssige Liquidität investiert werde bzw. wer in Zukunft die Käufer am (US-)Staatsanleihemarkt sein könnten. Für die Notenbanken sei es klar: Sie würden weiterhin die größten Käufer von Staatsanleihen sein müssen. Künstlich niedrig gehaltene Zinsen - im "Idealfall" eine negative Realrendite - seien gut für die Entschuldung, aber nicht für die Anleger. Die "finanzielle Repression" lasse grüßen. (Ausgabe November 2012) (02.11.2012/alc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.