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Kann mit ZIRP oder NIRP eine Deflation vermieden werden?
30.10.15 11:14
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Inflation und Deflation sind für eine Volkswirtschaft beide eine sehr ungesunde Preisentwicklung, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
In den USA und in der Eurozone sei die Teuerungsrate (CPI) gegenüber dem Vorjahr nahezu auf 0% und damit auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen. Sie werde vermutlich bald unter die 0%-Marke sinken und erfülle dann formell das Kriterium einer Deflation. Da auf beiden Seiten des Atlantiks die Teuerung nach unterschiedlichen Methoden berechnet werde und damit nicht vergleichbar sei, habe die FED in obigem Chart einmal die europäische Methode auch für die USA angewandt. Die EZB verwende als Messgröße den harmonisierten Index der Konsumentenpreise (HICP). Die FED berücksichtige kalkulatorischen Mieten für eigengenutzten Wohnraum.
Eine längere Phase der Deflation sei für Regierungen und Notenbanken nicht hinnehmbar. Aus politischen Gründen könne Deflation "keine Option" werden. Die USA seien gegenüber dem Ausland Nettoschuldner von rund USD 6,7 Billionen. Die privaten und öffentlichen Haushalte seien in den USA und der Eurozone bis an die Oberlippen verschuldet.
In einer Deflation würden die Nominaleinkommen nur noch langsam wachsen oder sogar fallen und die nominalen Vermögenswerte würden sinken, während die nominalen Schulden konstant bleiben würden. Dadurch aber würden die realen Werte der Schulden steigen. In einer Deflation könnten Schulden damit tödlich sein. Es könne eine Spirale ausgelöst werden: Mehr sparen, weniger konsumieren, weniger investieren, Vermögenswerte liquidieren und so weiter. Der politische Druck auf Regierung und Notenbank zur Inflationierung der Volkswirtschaft steige dann immer mehr.
Das sei auch gegenwärtig zu beobachten. Obwohl die Notenbanken in aller Welt seit Ausbruch der Krise in 2008 schon rund 600 mal Leitzinsen gesenkt und die wichtigsten von ihnen rund USD 7,8 Billionen Liquidität mittels QE in die Märkte gepumpt hätten, würden die Rufe nach weiteren Lockerungen nicht verstummen. Gleichzeitig würden die Forderungen nach weiteren Konjunkturstimulierungen mittels Deficit Spending trotz weltweiter Rekordverschuldung immer lauter. Die Maastrichter Stabilitätskriterien würden von nur wenigen Ländern erreicht.
Eigentlich müsste das japanische Beispiel die Absurdität solcher Forderungen vor Augen führen. Dort werde seit nunmehr 25 Jahren versucht, die Volkswirtschaft durch ZIRP (zero interest rate policy) und inzwischen nicht mehr zählbaren Konjunkturförderungsprogrammen auf einen neuen Wachstumskurs zu bringen; doch vergeblich.
In Japan seien alle Sektoren mit rund 500% des BIP verschuldet. In den USA und in Westeuropa werde sogar eine Ausweitung von NIRP (negative interest rate politicy) diskutiert, obwohl dies einer Enteignung von Sparern und Anlegern gleichkomme. Statt Reformen in der Budgetpolitik anzustreben, würden Regierungen und Notenbanken im politischen Druck zur Inflationierung unweigerlich nachgeben, wie jetzt schon zahlreiche Beispiele zeigen würden.
Den Hinweisen auf drohende Deflation könne entgegengehalten werden, dass die Rohstoffpreise nicht sehr viel weiter fallen könnten und damit die Konsumentenpreisanstiege noch weiter vermindern würden. Zahlreiche Minen seien schon jetzt an ihrer Rentabilitätsgrenze angelangt. Die Betreiber würden die Minen eher stilllegen als mit Verlust weiter zu fördern. Das sei schon jetzt bei den Edelmetallen Minen zu beobachten. Die Konsumausgaben würden nur deswegen sinken, weil die Energiepreise fallen würden. Würden die Energiepreise nicht mehr sinken, könnten die Konsumentenpreise allein schon wegen des Basiseffektes auch schnell wieder steigen.
Außerdem gebe es noch andere Arten der Inflation, nicht nur der Anstieg der Konsumentenpreise. Die ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken habe bereits zu einer inflationären Entwicklung der Kurse an den Aktien- und Rentenbörsen geführt. Auch zahlreiche Immobilienmärkte würden starke Preisanstiege zeigen. Niemand spreche über die Schuldeninflation. Die Schulden seien weltweit seit 2008 um rund USD 57 auf USD 199 Billionen gestiegen (Quelle: McKinsey). Noch mehr Schulden würden wie ein Damoklesschwert wirken.
Bei weit vorausschauenden Dispositionen an den Finanzmärkten nicht auf anhaltende Deflation setzen. Wir befinden uns weltweit in einem bisher unbekannten Terrain, so die Experten von "fairesearch". Das könne durchaus in schwere Turbulenzen münden mit Protektionismus, einem Abwertungswettlauf und gegenseitigen Schuldzuweisungen. Noch mehr QE dürfte kaum eine Lösung bringen, wie das Beispiel Japan gezeigt habe. (Ausgabe vom 29.10.2015) (30.10.2015/alc/a/a)
In den USA und in der Eurozone sei die Teuerungsrate (CPI) gegenüber dem Vorjahr nahezu auf 0% und damit auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen. Sie werde vermutlich bald unter die 0%-Marke sinken und erfülle dann formell das Kriterium einer Deflation. Da auf beiden Seiten des Atlantiks die Teuerung nach unterschiedlichen Methoden berechnet werde und damit nicht vergleichbar sei, habe die FED in obigem Chart einmal die europäische Methode auch für die USA angewandt. Die EZB verwende als Messgröße den harmonisierten Index der Konsumentenpreise (HICP). Die FED berücksichtige kalkulatorischen Mieten für eigengenutzten Wohnraum.
Eine längere Phase der Deflation sei für Regierungen und Notenbanken nicht hinnehmbar. Aus politischen Gründen könne Deflation "keine Option" werden. Die USA seien gegenüber dem Ausland Nettoschuldner von rund USD 6,7 Billionen. Die privaten und öffentlichen Haushalte seien in den USA und der Eurozone bis an die Oberlippen verschuldet.
In einer Deflation würden die Nominaleinkommen nur noch langsam wachsen oder sogar fallen und die nominalen Vermögenswerte würden sinken, während die nominalen Schulden konstant bleiben würden. Dadurch aber würden die realen Werte der Schulden steigen. In einer Deflation könnten Schulden damit tödlich sein. Es könne eine Spirale ausgelöst werden: Mehr sparen, weniger konsumieren, weniger investieren, Vermögenswerte liquidieren und so weiter. Der politische Druck auf Regierung und Notenbank zur Inflationierung der Volkswirtschaft steige dann immer mehr.
Eigentlich müsste das japanische Beispiel die Absurdität solcher Forderungen vor Augen führen. Dort werde seit nunmehr 25 Jahren versucht, die Volkswirtschaft durch ZIRP (zero interest rate policy) und inzwischen nicht mehr zählbaren Konjunkturförderungsprogrammen auf einen neuen Wachstumskurs zu bringen; doch vergeblich.
In Japan seien alle Sektoren mit rund 500% des BIP verschuldet. In den USA und in Westeuropa werde sogar eine Ausweitung von NIRP (negative interest rate politicy) diskutiert, obwohl dies einer Enteignung von Sparern und Anlegern gleichkomme. Statt Reformen in der Budgetpolitik anzustreben, würden Regierungen und Notenbanken im politischen Druck zur Inflationierung unweigerlich nachgeben, wie jetzt schon zahlreiche Beispiele zeigen würden.
Den Hinweisen auf drohende Deflation könne entgegengehalten werden, dass die Rohstoffpreise nicht sehr viel weiter fallen könnten und damit die Konsumentenpreisanstiege noch weiter vermindern würden. Zahlreiche Minen seien schon jetzt an ihrer Rentabilitätsgrenze angelangt. Die Betreiber würden die Minen eher stilllegen als mit Verlust weiter zu fördern. Das sei schon jetzt bei den Edelmetallen Minen zu beobachten. Die Konsumausgaben würden nur deswegen sinken, weil die Energiepreise fallen würden. Würden die Energiepreise nicht mehr sinken, könnten die Konsumentenpreise allein schon wegen des Basiseffektes auch schnell wieder steigen.
Außerdem gebe es noch andere Arten der Inflation, nicht nur der Anstieg der Konsumentenpreise. Die ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken habe bereits zu einer inflationären Entwicklung der Kurse an den Aktien- und Rentenbörsen geführt. Auch zahlreiche Immobilienmärkte würden starke Preisanstiege zeigen. Niemand spreche über die Schuldeninflation. Die Schulden seien weltweit seit 2008 um rund USD 57 auf USD 199 Billionen gestiegen (Quelle: McKinsey). Noch mehr Schulden würden wie ein Damoklesschwert wirken.
Bei weit vorausschauenden Dispositionen an den Finanzmärkten nicht auf anhaltende Deflation setzen. Wir befinden uns weltweit in einem bisher unbekannten Terrain, so die Experten von "fairesearch". Das könne durchaus in schwere Turbulenzen münden mit Protektionismus, einem Abwertungswettlauf und gegenseitigen Schuldzuweisungen. Noch mehr QE dürfte kaum eine Lösung bringen, wie das Beispiel Japan gezeigt habe. (Ausgabe vom 29.10.2015) (30.10.2015/alc/a/a)


