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Kann EWU-Wirtschaft unter EZB-Ägide die Deflationsphase überspringen?
09.10.14 10:44
ING Investment Management
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Der gegenüber dem Euro stabilere US-Dollar zeigt bereits positive Wirkung für Europa, so die Experten von ING Investment Management in ihrem aktuellen "Marketexpress".
So gehe es mit der Ertragsdynamik wieder aufwärts, hin zu einem neutraleren Niveau. In den USA sei dieser Indikator dagegen rückläufig. Im Ergebnis liege die durchschnittliche Ertragsdynamik über einen Zeitraum von vier Wochen in der EWU jetzt höher als in den USA.
Bei ihrer kurzfristigen taktischen Asset-Allokation sind die Experten von ING Investment Management in europäischen Aktien neutral aufgestellt und halten eine überschaubare übergewichtete Position in US-Aktien. Im Hinblick auf die Momentum-Indikatoren müsse man sich vor Augen halten, dass die Wechselkursbewegungen das Investmentumfeld in den nächsten Monaten deutlich beeinflussen könnten, vor allem, falls die EZB offensiver vorgehen sollte. Der stabilere US-Dollar könnte zwar die europäischen Exporte pushen, aber auch das Gewinnwachstum in den USA hemmen.
Die US-Berichtssaison für das 3. Quartal beginne in zwei Wochen. Aktuell rechne man mit einer Zuwachsrate von 5,5% J/J. Vor drei Monaten habe der Markt noch 8,3% erwartet, die Erwartungen seien also deutlich zurückgegangen. Das würde bedeuten, dass die Erträge erstmals seit dem 3. Quartal 2008 gesunken seien. Über längere Zeiträume sei es jedoch nicht ungewöhnlich, dass die Erträge aufgrund der Urlaubszeit im 3. Quartal rückläufig seien. Doch in diesem Jahr komme noch ein weiterer Faktor hinzu: Der stärkere US-Dollar. Aufgrund der Basiseffekte dürfte sich das jedoch weniger im 3. Quartal als vielmehr im 4. Quartal auswirken.
Die stagnierenden Gewinne in den USA würden zwangsläufig eine Gefahr für die US-Aktienmärkte darstellen. Erschwerend kämen höhere effektive Steuersätze bei gleichzeitig geringeren Zinsvorteilen hinzu. Die Experten von ING Investment Management sehen kaum Spielraum für höhere Bewertungen, da die FED 2015 ihre Zinspolitik allmählich straffen werde. Falls die Gewinntrends in der EWU infolge schwacher Konjunktur dann nicht robust genug seien und die chinesische Wirtschaft auch noch ins Stocken gerate, könnten die globalen Aktienmärkte Turbulenzen erleben. Die Experten würden meinen, dass dieses Risiko in der kommenden Berichtssaison (Anfang 2015) noch ausgeprägter sein werde. Daher würden sie an ihrer kleinen übergewichteten Position in US-Aktien festhalten.
Die Aufwertung des US-Dollar bei gleichzeitiger Abwertung des Euro begünstige naturgemäß bestimmte Unternehmen. In den USA seien es vor allem konjunkturabhängige Firmen, die stärker international ausgerichteten Unternehmen den Rang ablaufen würden. Im Euroraum würden Unternehmen mit hoher Exponierung gegenüber dem US-Dollar und der US-Wirtschaft profitieren. Ein Exposure gegenüber China scheine momentan eher von Nachteil zu sein. Weitere EZB-Maßnahmen könnten die Exporteure in der EWU sowie den Finanzsektor begünstigen.
Bei der Pressekonferenz am 02.10. in Neapel habe Mario Draghi betont, dass Geldpolitik allein das Wachstum nicht wiederherstellen könne. Draghi habe seine Forderung nach Reformen erneuert. Auch fiskalpolitischer Handlungsspielraum und Nachfragestrategien seien gefordert. Und wieder habe Draghi die vorbehaltlose Entschlossenheit der EZB betont, weitere unorthodoxe Instrumente einzusetzen. Das sei aus Sicht der Experten ein klares Zeichen, dass die EZB erforderlichenfalls weitere Maßnahmen ergreifen werde. Natürlich gebe es auch bei der EZB abweichende Meinungen, z.B. im Hinblick auf das Timing zusätzlicher Maßnahmen. Doch wann sei der Zeitpunkt gekommen? Japan habe sich damit 20 Jahre lang Zeit gelassen, handle jetzt aber mit aller Entschlossenheit (Abenomics).
In Japan habe es 20 Jahre der Stagnation gebraucht, um die entscheidenden Maßnahmen schließlich mit der nötigen Entschlossenheit durchzuziehen. Auch Europa müsse sich entscheiden: Solle man dem Beispiel Japans folgen und 20 Jahre warten, bevor man die Konjunktur wieder dauerhaft belebe? Oder solle man aus der Geschichte lernen und Verbrauchern, Unternehmen und Anlegern dieses Szenario ersparen? Draghi habe offensichtlich von Japan gelernt. Ob die EWU-Wirtschaft unter seiner Ägide die Deflationsphase überspringen könne, hänge davon ab, ob er die politischen Spitzen der Region vom Nutzen einer abgestimmten Geld-, Fiskal- und Strukturpolitik überzeugen könne.
Die Vorstellung, dass die Politik sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite einbeziehen müsse, sei in einer Welt, die traditionell nur auf eine Seite fokussiert sei, sehr erfrischend. In jedem Fall scheine dies der richtige Ansatz zu sein, wenn man bedenke, dass es zahlreiche Rückkoppelungen zwischen den beiden Seiten der Gleichung gebe.
Im Kern gehe es bei einer Strukturreform darum, Ressourcen für eine produktivere Nutzung umzuschichten. Doch dafür müsse es auch die entsprechende Nachfrage geben. Solange Strukturreformen nicht von Konjunkturförderungsmaßnahmen auf der Nachfrageseite begleitet würden, seien die Aussichten auf Erfolg beschränkt. Dann könnte die Angebotsseite die Produktionslücke noch verstärken und so das Deflationsrisiko verschärfen. Hier komme es selbstverständlich auf ein kluges Austarieren der beiden Seiten an und das sei nicht leicht. Gleichzeitig dürften die politischen Entscheidungsträger nicht zaghaft sein. In diesem Umfeld sei Untätigkeit sicherlich die größere Gefahr.
In Erwartung weiterer EZB-Maßnahmen halten die Experten von ING Investment Management also an ihrer neutralen Position bei europäischen Aktien fest. Ob die Region 2015 ein Aktienthema werde, hänge vor allem von der EZB ab. (09.10.2014/alc/a/a)
So gehe es mit der Ertragsdynamik wieder aufwärts, hin zu einem neutraleren Niveau. In den USA sei dieser Indikator dagegen rückläufig. Im Ergebnis liege die durchschnittliche Ertragsdynamik über einen Zeitraum von vier Wochen in der EWU jetzt höher als in den USA.
Bei ihrer kurzfristigen taktischen Asset-Allokation sind die Experten von ING Investment Management in europäischen Aktien neutral aufgestellt und halten eine überschaubare übergewichtete Position in US-Aktien. Im Hinblick auf die Momentum-Indikatoren müsse man sich vor Augen halten, dass die Wechselkursbewegungen das Investmentumfeld in den nächsten Monaten deutlich beeinflussen könnten, vor allem, falls die EZB offensiver vorgehen sollte. Der stabilere US-Dollar könnte zwar die europäischen Exporte pushen, aber auch das Gewinnwachstum in den USA hemmen.
Die US-Berichtssaison für das 3. Quartal beginne in zwei Wochen. Aktuell rechne man mit einer Zuwachsrate von 5,5% J/J. Vor drei Monaten habe der Markt noch 8,3% erwartet, die Erwartungen seien also deutlich zurückgegangen. Das würde bedeuten, dass die Erträge erstmals seit dem 3. Quartal 2008 gesunken seien. Über längere Zeiträume sei es jedoch nicht ungewöhnlich, dass die Erträge aufgrund der Urlaubszeit im 3. Quartal rückläufig seien. Doch in diesem Jahr komme noch ein weiterer Faktor hinzu: Der stärkere US-Dollar. Aufgrund der Basiseffekte dürfte sich das jedoch weniger im 3. Quartal als vielmehr im 4. Quartal auswirken.
Die stagnierenden Gewinne in den USA würden zwangsläufig eine Gefahr für die US-Aktienmärkte darstellen. Erschwerend kämen höhere effektive Steuersätze bei gleichzeitig geringeren Zinsvorteilen hinzu. Die Experten von ING Investment Management sehen kaum Spielraum für höhere Bewertungen, da die FED 2015 ihre Zinspolitik allmählich straffen werde. Falls die Gewinntrends in der EWU infolge schwacher Konjunktur dann nicht robust genug seien und die chinesische Wirtschaft auch noch ins Stocken gerate, könnten die globalen Aktienmärkte Turbulenzen erleben. Die Experten würden meinen, dass dieses Risiko in der kommenden Berichtssaison (Anfang 2015) noch ausgeprägter sein werde. Daher würden sie an ihrer kleinen übergewichteten Position in US-Aktien festhalten.
Bei der Pressekonferenz am 02.10. in Neapel habe Mario Draghi betont, dass Geldpolitik allein das Wachstum nicht wiederherstellen könne. Draghi habe seine Forderung nach Reformen erneuert. Auch fiskalpolitischer Handlungsspielraum und Nachfragestrategien seien gefordert. Und wieder habe Draghi die vorbehaltlose Entschlossenheit der EZB betont, weitere unorthodoxe Instrumente einzusetzen. Das sei aus Sicht der Experten ein klares Zeichen, dass die EZB erforderlichenfalls weitere Maßnahmen ergreifen werde. Natürlich gebe es auch bei der EZB abweichende Meinungen, z.B. im Hinblick auf das Timing zusätzlicher Maßnahmen. Doch wann sei der Zeitpunkt gekommen? Japan habe sich damit 20 Jahre lang Zeit gelassen, handle jetzt aber mit aller Entschlossenheit (Abenomics).
In Japan habe es 20 Jahre der Stagnation gebraucht, um die entscheidenden Maßnahmen schließlich mit der nötigen Entschlossenheit durchzuziehen. Auch Europa müsse sich entscheiden: Solle man dem Beispiel Japans folgen und 20 Jahre warten, bevor man die Konjunktur wieder dauerhaft belebe? Oder solle man aus der Geschichte lernen und Verbrauchern, Unternehmen und Anlegern dieses Szenario ersparen? Draghi habe offensichtlich von Japan gelernt. Ob die EWU-Wirtschaft unter seiner Ägide die Deflationsphase überspringen könne, hänge davon ab, ob er die politischen Spitzen der Region vom Nutzen einer abgestimmten Geld-, Fiskal- und Strukturpolitik überzeugen könne.
Die Vorstellung, dass die Politik sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite einbeziehen müsse, sei in einer Welt, die traditionell nur auf eine Seite fokussiert sei, sehr erfrischend. In jedem Fall scheine dies der richtige Ansatz zu sein, wenn man bedenke, dass es zahlreiche Rückkoppelungen zwischen den beiden Seiten der Gleichung gebe.
Im Kern gehe es bei einer Strukturreform darum, Ressourcen für eine produktivere Nutzung umzuschichten. Doch dafür müsse es auch die entsprechende Nachfrage geben. Solange Strukturreformen nicht von Konjunkturförderungsmaßnahmen auf der Nachfrageseite begleitet würden, seien die Aussichten auf Erfolg beschränkt. Dann könnte die Angebotsseite die Produktionslücke noch verstärken und so das Deflationsrisiko verschärfen. Hier komme es selbstverständlich auf ein kluges Austarieren der beiden Seiten an und das sei nicht leicht. Gleichzeitig dürften die politischen Entscheidungsträger nicht zaghaft sein. In diesem Umfeld sei Untätigkeit sicherlich die größere Gefahr.
In Erwartung weiterer EZB-Maßnahmen halten die Experten von ING Investment Management also an ihrer neutralen Position bei europäischen Aktien fest. Ob die Region 2015 ein Aktienthema werde, hänge vor allem von der EZB ab. (09.10.2014/alc/a/a)


