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Kann die EU eine weitere Krise abwickeln?
29.06.18 15:23
Lombard Odier IM
Genf (www.anleihencheck.de) - Im Zuge der sich rasant verändernden Marktrisiken, passen die führenden Zentralbanken derzeit ihre Strategie an, so Dr. Salman Ahmed, Chief Investment Strategist bei Lombard Odier IM.
Die EZB blicke auf einen herausfordernden Balanceakt, indem sie das Ende ihrer expansiven Geldpolitik ankündige und zugleich zugesichert habe, die Zinsen vorerst niedrig zu halten. Im Gegensatz dazu habe die US-Notenbank (FED) angedeutet, dass angesichts der niedrigen Arbeitslosigkeit in den USA, möglicherweise ihrerseits eine schnellere Zinsanhebung erforderlich sein könnte.
Die abweichenden fiskalpolitischen Strategien der Notenbanken dürften zu der momentanen Stärke des US-Dollars beitragen, ein wichtiger Faktor für risikoreiche Anlagen. Zwischenzeitlich habe sowohl die EZB als auch die FED vor einer Eskalation der Handelsspannungen zwischen den USA und China gewarnt, die signifikante wirtschaftliche Schäden anrichten und gleichzeitig Auswirkungen auf die Geldpolitik haben könnten.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor, der aktuell Anleger beschäftige, sei die Reaktion der EU auf eine mögliche Krise in der Eurozone, ausgelöst durch die politische Situation in Italien. Obwohl die Märkte der italienischen Politik zwar gelassen gegenüberstünden, befinde sich die populistische Koalition mit ihrer Agenda durchaus auf Koalitionskurs zur EU. Die Experten würden es daher für sehr wahrscheinlich halten, dass sich die Stimmung gegenüber Italien in den kommenden Monaten erneut verschlechtern dürfte. Die nächste große Herausforderung könnte sich im Herbst abzeichnen, wenn die italienische Regierung ihren ersten Haushaltsplan vorlegen wolle.
EU-Institutionen seien mittlerweile wesentlich besser auf eine Krise vorbereitet als in den Jahren 2011/2012, seien aber seitdem noch nicht auf die Probe gestellt worden - insbesondere nicht mit einem Problem in der Größenordnung Italiens. Um die Krise zu bewältigen, stünden der EZB heute mehrere Instrumente zur Verfügung, die allerdings nach Ansicht der Experten alle eine ähnliche Schwachstelle aufweisen würden: Politische Restriktionen könnten den Einsatz und die Wirksamkeit dieser Instrumente erheblich begrenzen.
Konsequenzen für Kapitalanlagen:
- Weitere Abweichungen zwischen der europäischen und amerikanischen Zentralbankpolitik könnten den US-Dollar weiter stärken. Dies sei ein bedeutendes Risiko für risikoreichere Anlagen, insbesondere in den Schwellenländern.
- Die Besorgnis der Zentralbanken im Hinblick auf Handelsspannungen zwischen den USA und China dürfte die Geldpolitik beeinflussen.
- Italien dürfte eine Gefahr bleiben, die Experten würden daher eine erneute Eskalation der Marktspannungen für sehr wahrscheinlich halten.
- Obwohl die EZB jetzt mehrere Instrumente zur Verfügung habe, könnte ihre Fähigkeit, auf eine erneute Krise zu reagieren, durch politische Restriktionen eingeschränkt werden. (29.06.2018/alc/a/a)
Die EZB blicke auf einen herausfordernden Balanceakt, indem sie das Ende ihrer expansiven Geldpolitik ankündige und zugleich zugesichert habe, die Zinsen vorerst niedrig zu halten. Im Gegensatz dazu habe die US-Notenbank (FED) angedeutet, dass angesichts der niedrigen Arbeitslosigkeit in den USA, möglicherweise ihrerseits eine schnellere Zinsanhebung erforderlich sein könnte.
Die abweichenden fiskalpolitischen Strategien der Notenbanken dürften zu der momentanen Stärke des US-Dollars beitragen, ein wichtiger Faktor für risikoreiche Anlagen. Zwischenzeitlich habe sowohl die EZB als auch die FED vor einer Eskalation der Handelsspannungen zwischen den USA und China gewarnt, die signifikante wirtschaftliche Schäden anrichten und gleichzeitig Auswirkungen auf die Geldpolitik haben könnten.
EU-Institutionen seien mittlerweile wesentlich besser auf eine Krise vorbereitet als in den Jahren 2011/2012, seien aber seitdem noch nicht auf die Probe gestellt worden - insbesondere nicht mit einem Problem in der Größenordnung Italiens. Um die Krise zu bewältigen, stünden der EZB heute mehrere Instrumente zur Verfügung, die allerdings nach Ansicht der Experten alle eine ähnliche Schwachstelle aufweisen würden: Politische Restriktionen könnten den Einsatz und die Wirksamkeit dieser Instrumente erheblich begrenzen.
Konsequenzen für Kapitalanlagen:
- Weitere Abweichungen zwischen der europäischen und amerikanischen Zentralbankpolitik könnten den US-Dollar weiter stärken. Dies sei ein bedeutendes Risiko für risikoreichere Anlagen, insbesondere in den Schwellenländern.
- Die Besorgnis der Zentralbanken im Hinblick auf Handelsspannungen zwischen den USA und China dürfte die Geldpolitik beeinflussen.
- Italien dürfte eine Gefahr bleiben, die Experten würden daher eine erneute Eskalation der Marktspannungen für sehr wahrscheinlich halten.
- Obwohl die EZB jetzt mehrere Instrumente zur Verfügung habe, könnte ihre Fähigkeit, auf eine erneute Krise zu reagieren, durch politische Restriktionen eingeschränkt werden. (29.06.2018/alc/a/a)


