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Juli-Sitzung der EZB: Keine größeren Überraschungen erwartet


22.07.25 09:00
Crédit Mutuel AM

Paris (www.anleihencheck.de) - Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen innerhalb von etwas mehr als einem Jahr um 200 Basispunkte gesenkt hat, dürfte sie auf ihrer Juli-Sitzung die Geldpolitik unverändert lassen und damit eine Pause in ihrem Lockerungszyklus einlegen - ob nun vorübergehend oder nicht, so François Rimeu, Senior Market Strategist, bei Crédit Mutuel Asset Management.

Erwartungen von Crédit Mutuel Asset Management:

- Leitzinsen: Der EZB-Rat dürfte den Einlagensatz, den wichtigsten Referenzzinssatz, unverändert bei 2,0% belassen - ein als neutral angesehenes Niveau. Die EZB dürfte betonen, dass dieser Satz angesichts der jüngsten Wirtschaftsdaten und der allmählichen Annäherung der Inflation an ihr Ziel weiterhin angemessen sei.

- Kommunikation: Auf Grundlage des letzten Sitzungsprotokolls könnte die EZB damit beginnen, ihre Strategie anzupassen und sich von ihrem streng datenabhängigen Ansatz lösen. Da das Inflationsziel von 2% nun erreicht sei, könnte die EZB zu einem stärker vorausschauenden Ansatz der Risikobewertung übergehen. Die Entscheidungen würden weiterhin von Sitzung zu Sitzung getroffen, ohne sich vorher auf die künftige Entwicklung der Zinssätze festzulegen.

- Wirtschaft: Die Wachstumsrisiken seien zwar nach wie vor überwiegend negativ, was vor allem auf die weltweiten Handelsspannungen und die damit verbundenen Unsicherheiten zurückzuführen sei. Es werde jedoch erwartet, dass Christine Lagarde mehrere Faktoren hervorheben werde, die nach wie vor für eine allmähliche mittelfristige Erholung sprechen würden: ein starker Arbeitsmarkt, steigende Reallöhne, gelockerte Finanzierungsbedingungen und eine beispiellose fiskalische Unterstützung in Deutschland. In Bezug auf die Inflation dürfte sie betonen, dass die Risiken ausgewogen seien und eine nachhaltige Unterschreitung des Ziels unwahrscheinlich erscheine. Außerdem dürfte die EZB-Präsidentin die Auswirkungen der Euro-Aufwertung herunterspielen und bekräftigen, dass die EZB keine Wechselkursziele verfolge.

Zusammenfassend:

Die EZB werde im Juli voraussichtlich eine Pause einlegen, da sie auf die Veröffentlichung ihrer aktualisierten makroökonomischen Projektionen im September warte. Auf der Pressekonferenz dürfte Christine Lagarde die Bedeutung der Beibehaltung einer vorsichtigen und flexiblen Geldpolitik auf Basis einer kontinuierlichen Risikobewertung betonen, ohne jedoch ausdrückliche Hinweise auf künftige Zinsschritte zu geben. Insgesamt würden keine größeren Überraschungen erwartet und die Auswirkungen auf die Märkte dürften sehr begrenzt bleiben. (22.07.2025/alc/a/a)