Erweiterte Funktionen

Jüngster Anstieg der Anleiherenditen nur von kurzer Dauer?


21.03.12 12:32
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - In den letzten Tagen sind die Staatsanleiherenditen in den USA, Großbritannien und einigen Kernländern des Euroraums deutlich gestiegen, so Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers.

Die Experten würden meinen, dass dies der Beginn einer Normalisierung sein könnte. Am Ende würden die Renditen wieder ähnlich hoch sein wie vor der akuten Phase der europäischen Schuldenkrise im Jahr 2011.

Als Auslöser der Korrektur habe manchen Marktbeobachtern die Mitteilung der britischen Regierung gegolten, möglicherweise Anleihen mit hundertjähriger bzw. unbegrenzter Laufzeit zu emittieren, um sich die historisch niedrigen Zinsen zu sichern. Tatsächlich seien aber wohl mehrere Faktoren zusammengekommen: Dank der Liquiditätsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Fortschritte beim Fiskalpakt sei das Risiko ungeordneter Zahlungsausfälle und eines Auseinanderbrechens der europäischen Währungsunion kleiner geworden. Auch die erfolgreiche Umschuldung Griechenlands habe die Risiken in Europa zumindest vorübergehend gesenkt. Im letzten Jahr habe die Schuldenkrise die Anleger in sichere Häfen getrieben - mit der Folge, dass die Renditen deutscher, amerikanischer und britischer Anleihen unter zwei Prozent gefallen seien. Wenn das Interesse an sicheren Häfen abnehme, müssten die Renditen zwangsläufig steigen.

Hinzu komme, dass die internationalen Konjunkturdaten seit Ende letzten Jahres unerwartet gut gewesen seien, mit den USA an der Spitze: Sowohl die Arbeitsmarktentwicklung als auch der Private Verbrauch seien ermutigend. Auch das Wachstum der Emerging Markets-Länder scheine stärker als noch vor einigen Monaten erwartet. Selbst im Euroraum würden sich nicht alle Länder in der Rezession befinden. Insbesondere Deutschland wachse erheblich stärker als einige seiner kleineren Handelspartner.

Auch die Geldpolitik mache vielen Anleiheinvestoren auf lange Sicht Sorgen. Die erhebliche Ausweitung der Zentralbankbilanzen in den USA, Großbritannien und im Euroraum berge langfristig höhere Inflationsrisiken. Aber auch ohne einen Anstieg der Teuerung würden sich manche Investoren fragen, ob noch mehr Quantitative Easing wirklich realistisch sei. Wenn sich der Konjunkturausblick verbessere, würden die Zweifel daran steigen, dass die Notenbanken die Zinsen auf unbestimmte Zeit nicht erhöhen würden.

Natürlich gebe es nach wie vor Risiken, so dass die Weltwirtschaft am Ende doch schwächer wachsen könnte als erwartet. Die europäische Schuldenkrise sei nicht völlig verschwunden, selbst wenn die Liquiditäts- und Solvenzrisiken einstweilen zurückgegangen seien. In vielen Ländern leide das Wachstum unter staatlichen Sparmaßnahmen. Auch in den USA werde es irgendwann so weit sein. Zunächst aber sei eine weltweite Erholung wahrscheinlicher geworden. Viele Beobachter würden Renditen langlaufender Staatsanleihen von zwei Prozent auf Dauer für unmöglich halten. Nach dem jüngsten Renditeanstieg sei zwar auch wieder ein Rückgang denkbar, wenn die Märkte auf Äußerungen der Notenbanken und die naturgemäß immer wieder einmal enttäuschenden Konjunkturdaten reagieren würden. Für einen mittelfristigen Anstieg der Anleiherenditen gebe es aber gute Gründe.

Was bedeute das nun für Anleiheinvestoren? Wer hohe Zinsrisiken in seinem Portfolio habe, müsse mit Kursverlusten rechnen. Wenn die Renditen steigen würden, würden die Kurse fallen. Die Experten würden daher Unternehmensanleihen bevorzugen. Eine bessere Konjunktur lasse zwar die Staatsanleiherenditen steigen, sei aber andererseits gut für Unternehmen und entsprechend für die Kurse ihrer Anleihen. Den steigenden risikolosen Renditen stünden dann engere Spreads gegenüber. Außerdem rate man zu Strategien mit kurzer Duration, also zu Unternehmensanleihen mit Laufzeiten von weniger als fünf Jahren. Dieses Marktsegment werde nicht so stark unter einem Anstieg der Langfristrenditen leiden, biete den Investoren aber attraktive laufende Erträge - deutlich über denen von Staatsanleihen oder Geldmarktanlagen.

Außerdem habe AXA Investment Managers (AXA IM) für mehrere Fonds spezielle Anteilklassen mit einem niedrigeren Zinsänderungsrisiko aufgelegt (Redex). Investoren könnten damit in attraktive inflationsindexierte Anleihen oder Unternehmensanleihen investieren und sich zugleich gegen einen allgemeinen Renditeanstieg absichern.

Vielleicht sei der jüngste Anstieg der Anleiherenditen nur von kurzer Dauer - eine kurzfristige Reaktion auf die nachlassenden Risiken in Europa. Wahrscheinlicher sei aber, dass sich die Staatsanleiherenditen jetzt normalisieren würden. Die Risiken für den Zinsausblick der Experten seien angesichts der extrem niedrigen Zinsen asymmetrisch. Wer in europäische Anleihen investiere, sollte sich daher auf das Unvermeidbare vorbereiten. (21.03.2012/alc/a/a)