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Japanischer Rentenmarkt: Renditen kräftig gestiegen


27.05.13 12:31
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit Verblüffung verfolgen Analysten und Händler die täglichen Berichte von der Tokioter Börse, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Der Nikkei 225 scheine seit sechs Monaten nur eine einzige Richtung zu kennen. Mit einem Stand von rund 15.000 sei er aber noch weit von den 40.000 von Anfang 1990 entfernt. Für einen ausländischen Anleger, der den Wechselkurs berücksichtigen müsse, sehe das Bild aber schon wieder ganz anders aus.

Der JPY sei gegenüber dem USD in einem Jahr um 21,8% gefallen und habe in der vergangenen Woche erstmals seit April 2009 wieder die Marke von 100 JPY pro 1 USD erreicht. Gegenüber dem Euro sei der JPY seit Jahresbeginn von 113,61 auf zuletzt 131,25 gefallen. Seinen Sturz habe der JPY im Oktober 2012 begonnen.

Ob die Politik des neuen Premierministers Shinzo Abe aber längerfristig auch konjunkturelle Erfolge bringen werde, bleibe höchst ungewiss. Der wirtschafts- und geldpolitische Kurs von Abesan und der BoJ ("Abenomics") berge hohe Risiken. ZIRP und QE würden ohne Erfolg schon seit 20 Jahren versucht. Aber jetzt kämen noch eine gezielte Abwertungspolitik zur Förderung des Exports und ein Inflationsziel von 2% hinzu. Die Abwertung passe den Handelspartnern nicht, das Inflationsziel sei Gift für die Billiarden großen JPY-Rentenmärkte.

Die Renditen seien in den letzten Tagen kräftig gestiegen, im Fünf-Jahresbereich auf ein 13-Monatshoch trotz monatlicher Aufkäufe von USD 75 Mrd. durch die BoJ. Das Verbrauchervertrauen sei erstmals seit sechs Monaten wieder gesunken. Ein Inflationsziel könne bei dieser Liquiditätsschwemme auch schnell zum Selbstläufer werden. Rechnerisch würde eine Teuerungsrate von 3% mit Renditen in dieser Höhe die gesamten Steuereinnahmen des Staates nur zur Finanzierung der Sollzinsen der Staatsschulden in Höhe von 240% des BIP erfordern.

Die Wachstumskraft des BIP in Nippon bleibe gebremst. Für den Aktienmarkt wäre daher sogar ein Bewertungsabschlag angebracht. Der Kursrückschlag um 7% an einem einzigen Tag zeige, auf welchem unsicheren Boden eine ausschließlich Liquiditätsgetriebene Börsen stehe. Käufe würden zu riskant erscheinen. (Ausgabe vom 25.05.2013) (27.05.2013/alc/a/a)