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Japanische Staatsanleihen zuletzt gegen den weltweiten Trend recht stabil
01.10.13 16:14
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Die japanische Notenbank hatte im April ein massives Kaufprogramm für Staatsanleihen und andere Finanzinstrumente angekündigt; parallel dazu stellte Regierungschef Abe weit reichende wirtschaftliche Reformen und Maßnahmen zur Konjunkturankurbelung in Aussicht, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "bondreport" im vierteljährlichen Bericht zu den globalen Anleihemärkten.
Betrachte man die jüngsten Wachstumszahlen, so würden diese Maßnahmen und Ankündigungen bereits gut zu wirken scheinen. Doch unter der Oberfläche falle die Bilanz nicht so eindeutig aus. Die erzielte Wachstumsbeschleunigung sei zwar schön anzusehen im Vergleich zu den sehr schwachen Zahlen der Vorjahre. Um aber das gewaltige Schulden- und Defizitproblem Japans in den Griff zu bekommen, wären für die kommenden Jahre Wachstumsraten erforderlich, die selbst bei extrem optimistischen Annahmen wohl kaum zu erreichen sein dürften - vor allem angesichts der strukturellen Wirtschaftsprobleme Japans und der sehr unvorteilhaften demographischen Entwicklung. Auf den Finanzmärkten sei die Wirkung der April-Ankündigungen überraschend schnell verpufft. Die Staatsanleiherenditen seien seither deutlich gestiegen. Sie seien allerdings zuletzt sehr stabil geblieben, während weltweit die Renditen angestiegen seien.
Negativ entwickle sich weiterhin die Handelsbilanz. Vor allem die deutlich verteuerten Energieimporte aufgrund des schwächeren JPY würden das Handelsdefizit weiter ansteigen lassen. Immerhin scheine sich das Wirtschafswachstum zuletzt weiter beschleunigt zu haben und zugleich lasse der deflationäre Druck offenbar nach. Allerdings scheine bislang vor allem die "schlechte" Inflation auf dem Vormarsch zu sein, vor allem als Folge steigender Import- und Energiepreise. Schlecht sei dies deshalb, weil es zwar optisch eine höhere Teuerung (=Ende der Deflation) bedeute, doch nicht primär als Folge einer sich belebenden Wirtschaft oder einer gestiegenen Kauflust der Verbraucher. Vielmehr würden die Budgets der privaten Haushalte im nicht-diskretionären Bereich (Energie, Treibstoff, Lebensmittel) belastet, was entsprechend weniger Spielraum für "freiwillige" Konsumausgaben lasse und damit paradoxerweise im Inland sogar wieder deflationäre Tendenzen verstärken könne.
So positiv der schwächere JPY für Exportunternehmen und damit auch das Wirtschaftswachstum sein möge: Für den Lebensstandard der Masse der Bevölkerung dürften die Auswirkungen per Saldo eher negativ sein und auch für die katastrophale Schuldensituation Japans sei er bislang kein Heilmittel. Abzuwarten bleibe, wie sich die geplanten Mehrwertsteuererhöhungen auf die Wirtschaft auswirken würden. Für die Staatseinnahmen dürften sie sicherlich sehr positiv sein. In Anbetracht der enorm hohen und weiter rasant wachsenden Staatsverschuldung seien sie aber kaum mehr als ein erster Schritt und für sich genommen nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Eine extrem lockere Geldpolitik der Notenbank und die weitere Schwächung des JPY dürften sich damit noch lange Zeit fortsetzen. (Ausgabe Oktober 2013) (01.10.2013/alc/a/a)
Betrachte man die jüngsten Wachstumszahlen, so würden diese Maßnahmen und Ankündigungen bereits gut zu wirken scheinen. Doch unter der Oberfläche falle die Bilanz nicht so eindeutig aus. Die erzielte Wachstumsbeschleunigung sei zwar schön anzusehen im Vergleich zu den sehr schwachen Zahlen der Vorjahre. Um aber das gewaltige Schulden- und Defizitproblem Japans in den Griff zu bekommen, wären für die kommenden Jahre Wachstumsraten erforderlich, die selbst bei extrem optimistischen Annahmen wohl kaum zu erreichen sein dürften - vor allem angesichts der strukturellen Wirtschaftsprobleme Japans und der sehr unvorteilhaften demographischen Entwicklung. Auf den Finanzmärkten sei die Wirkung der April-Ankündigungen überraschend schnell verpufft. Die Staatsanleiherenditen seien seither deutlich gestiegen. Sie seien allerdings zuletzt sehr stabil geblieben, während weltweit die Renditen angestiegen seien.
Negativ entwickle sich weiterhin die Handelsbilanz. Vor allem die deutlich verteuerten Energieimporte aufgrund des schwächeren JPY würden das Handelsdefizit weiter ansteigen lassen. Immerhin scheine sich das Wirtschafswachstum zuletzt weiter beschleunigt zu haben und zugleich lasse der deflationäre Druck offenbar nach. Allerdings scheine bislang vor allem die "schlechte" Inflation auf dem Vormarsch zu sein, vor allem als Folge steigender Import- und Energiepreise. Schlecht sei dies deshalb, weil es zwar optisch eine höhere Teuerung (=Ende der Deflation) bedeute, doch nicht primär als Folge einer sich belebenden Wirtschaft oder einer gestiegenen Kauflust der Verbraucher. Vielmehr würden die Budgets der privaten Haushalte im nicht-diskretionären Bereich (Energie, Treibstoff, Lebensmittel) belastet, was entsprechend weniger Spielraum für "freiwillige" Konsumausgaben lasse und damit paradoxerweise im Inland sogar wieder deflationäre Tendenzen verstärken könne.
So positiv der schwächere JPY für Exportunternehmen und damit auch das Wirtschaftswachstum sein möge: Für den Lebensstandard der Masse der Bevölkerung dürften die Auswirkungen per Saldo eher negativ sein und auch für die katastrophale Schuldensituation Japans sei er bislang kein Heilmittel. Abzuwarten bleibe, wie sich die geplanten Mehrwertsteuererhöhungen auf die Wirtschaft auswirken würden. Für die Staatseinnahmen dürften sie sicherlich sehr positiv sein. In Anbetracht der enorm hohen und weiter rasant wachsenden Staatsverschuldung seien sie aber kaum mehr als ein erster Schritt und für sich genommen nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Eine extrem lockere Geldpolitik der Notenbank und die weitere Schwächung des JPY dürften sich damit noch lange Zeit fortsetzen. (Ausgabe Oktober 2013) (01.10.2013/alc/a/a)


