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Japan: Wird BoJ ihre Anleihekäufe nun drastisch ausweiten?


27.12.12 12:28
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Japanische Zentralbank (BoJ) könnte mit dem Erdrutschsieg der Rechtskonservativen bei den jüngsten Parlamentswahlen einen Großteil ihrer bisherigen Unabhängigkeit verlieren, so die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "bondreport".

Verglichen mit der extrem lockeren Geldpolitik der FED und der EZB agiere die BoJ bislang vergleichsweise restriktiv und solange sie dies nicht ändere, dürfte die Stärke des Japanischen Yens anhalten. Der starke Yen wiederum bringe aber selbst große Traditionsunternehmen immer stärker in Bedrängnis, vor allem gegenüber asiatischen Konkurrenten. Zugleich rutsche Japans Handelsbilanz nach Jahrzehnten hoher Überschüsse immer stärker ins Minus, in erster Linie aufgrund stark erhöhter Energieimporte nach der Abschaltung fast aller Atomkraftwerke. Bedrohlich sei dies für Japan vorerst jedoch nicht, zumal abzuwarten bleibe, ob der langfristig geplante Atomausstieg nicht schon bald wieder revidiert werde. Viel ernster seien die rapide fortschreitende Überalterung der Bevölkerung und die ausufernde Staatsverschuldung von (offiziell) weit über 200% des BIPs.

Um dem entgegenzusteuern, könnte die künftige Regierung neben Steuererhöhungen vor allem die Notenbank dazu veranlassen, ihre Anleihekäufe drastisch auszuweiten und gezielt den Yen zu schwächen. Angenehmer "Nebeneffekt" dessen wäre, dass die Notenbank auf diese Weise auch gleich große Teile der japanischen Neuverschuldung direkt finanzieren könnte. Japan drohe anderenfalls trotz der derzeit noch recht komfortablen Refinanzierungssituation früher oder später der Kollaps der Staatsfinanzen. Letzteres wiederum könnte bedeuten, dass die BoJ - egal ob "unabhängig" oder nicht - schon bald förmlich gezwungen sein werde, sogar noch massiver mit Staatsanleihekäufen aufzutreten als FED und EZB.

Abzuwarten sei, wie die Devisenmärkte darauf reagieren würden und welche politischen Folgen damit verbunden wären. Gut möglich, dass nach mehreren Jahren erstaunlich niedriger Volatilitäten auf den Devisenmärkten künftig wieder eine Phase größerer Kursbewegungen folge - beispielsweise ausgelöst durch einen markant schwächeren Yen, der für Japan früher oder später wohl fast überlebenswichtig sein dürfte. Für die kommenden Jahre sei damit ein nachhaltiger Zinsanstieg bei japanischen Staatsanleihen sehr unwahrscheinlich. Wenn sich die Finanzmärkte jedoch Japans Problemen intensiver zuwenden würden, könnte das Land spätestens ab 2015/2016 zum nächsten Brennpunkt in Sachen Staatverschuldung werden. (Ausgabe Dezember 2012) (27.12.2012/alc/a/a)