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Japan: Vorsichtige Zinsanhebungen zeichnen sich ab


05.06.24 12:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Aktivitäten der Carry Trader üben einen spürbaren Druck auf die japanische Währung aus, so Tobias Basse von der NORD/LB in der aktuellen Ausgabe von "Economic Adviser".

Der schwache Japanische Yen sei in der Tat ein sehr zweischneidiges Schwert für die Wirtschaft Japans. Zwar würden die Abwertungstendenzen der Währung des Landes der heimischen Exportindustrie helfen, vor allem im Finanzministerium mache man sich jedoch zunehmend Sorgen, weil höhere Importpreise die Konsumfreude der Haushalte belasten könnten. Im Grunde habe sich zuletzt also kaum etwas verändert. Allerdings habe der Finanzminister Shunichi Suzuki die Probleme der momentanen Schwäche des Yen jüngst sehr klar betont. Folglich gerate die Bank of Japan unter neuen Handlungsdruck. Das Leitzinsniveau dürfte somit bald steigen. Die Notenbanker in Tokio sollten versuchen, die Notwendigkeit für neue Devisenmarktinterventionen zu verringern. Kurzfristig bleibe die Lage schwierig.

Aktuell pendele die Rendite von japanischen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren zwar bereits knapp oberhalb der Marke von 1,00%, die "Gegenstücke" aus den USA würden jedoch eine Verzinsung im Bereich von 4,50% aufweisen. Allerdings sollte die Notenbank in Washington im Laufe des Jahres noch Möglichkeiten für Zinssenkungen sehen. Im zweiten Halbjahr sei folglich - aufgrund der Kombination von etwas höheren Zinsen in Japan und etwas niedrigeren Zinsen in den Vereinigten Staaten - mit einem doch weniger schwachen Yen zu rechnen. Allerdings werde die Notenbank in Tokio nur vorsichtig agieren wollen.

Das FX-Segment dürfte die Bank of Japan also zu Zinsanhebungen zwingen. Zwar seien Deflationssorgen hier zuletzt noch stärker in den Hintergrund getreten, trotzdem sei keinesfalls von offensiven Anpassungen am Leitzinsniveau in Tokio auszugehen. Notenbankchef Kazuo Ueda stehe nun vor einer schwierigen Aufgabe. Angesichts der wohl geplanten lediglich sehr vorsichtigen Neuausrichtung der japanischen Geldpolitik dürfe er keinesfalls zu "taubenhaft" wirken. Sonst würde die im Kreis der Notenbanker in Tokio wahrscheinlich konsensfähige leichte Zinsanhebung mit Blick auf ihre Wirkung am Devisenmarkt regelrecht verpuffen. Dies wäre sicherlich nicht gewünscht. Insofern werde sich der Notenbankchef wahrscheinlich aktuell eher als geldpolitischer "Falke" präsentieren wollen.

Bei der Headline-Rate der Konsumentenpreise habe sich im April ein Anstieg um 2,5% Y/Y gezeigt, was genau im Rahmen der Erwartungen der Analysten der NORD/LB gelegen habe. Zwar sei der Preisauftrieb bei der CPI-Kernrate auf lediglich 2,2% Y/Y zurückgegangen, dennoch könne festgehalten werden, dass die fast schon üblichen Deflationsängste in Japan zuletzt doch klarer in den Hintergrund getreten seien. Die Lohnentwicklung sollte diesen Trend zunächst verstetigen. Folglich dürften die japanischen Preisdaten der Notenbank in Tokio einen gewissen Spielraum für Zinsanhebungen liefern, den diese dann wohl auch vorsichtig nutzen werde. (Ausgabe Juni 2024) (05.06.2024/alc/a/a)