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Japan: Renditekurvensteuerung wird beendet
31.03.23 10:15
RBC BlueBay Asset Management
London (www.anleihencheck.de) - Spätestens im Juni wird sich die Geldpolitik in Japan grundlegend verändern, so Mark Dowding, Chief Investment Officer von BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.
Die Renditen seien in der vergangenen Woche wieder etwas angestiegen, lägen aber im Monatsvergleich nach wie vor deutlich niedriger. Die Debatte über die Wahrscheinlichkeit und den Zeitpunkt einer Rezession halte derweil an.
Die Experten würden nach wie vor mit einer weiteren Zinserhöhung durch die US-Notenbank FED im Mai rechnen, seien aber skeptisch, dass die Zinsen kurz danach sinken würden - selbst wenn das Wachstum ins Stocken gerate. Letztendlich seien sie der Meinung, dass die Inflation zunächst deutlich niedriger ausfallen müsse, bevor die Währungshüter eine lockerere Politik in Erwägung ziehen könnten.
Mit Blick auf Japan seien die Experten der Ansicht, dass ein geldpolitischer Wechsel im Gange sei. Die Experten würden weiterhin davon ausgehen, dass die Bank of Japan (BoJ) auf ihrer Sitzung im April - oder wahrscheinlicher im Juni - die Renditekurvensteuerung aufgeben werde. Die Kerninflation in Japan sei im vergangenen Monat auf 3,5 Prozent gestiegen, während das Ergebnis der Shunto-Lohnverhandlungen mit knapp 4 Prozent über den Erwartungen gelegen habe.
Der Japanische Yen sei strukturell günstig: Der Preis für ein Bier im Tokioter Stadtteil Shinbashi sei mit 800 Yen genau so hoch wie vor 30 Jahren. Damals sei Dowding ein Besuch in Japan unerschwinglich teuer vorgekommen. Heute erscheine er im Vergleich dazu billig. Der schwache Yen trage auch dazu bei, den Tourismus in Japan anzukurbeln. Das würden die langen Schlangen von Besuchern zeigen, die in dieser Woche zur Kirschblütensaison in das Land einreisen würden. Der Arbeitskräftemangel sei offensichtlich und die Hotelpreise seien in letzter Zeit stark gestiegen, da die Nachfrage derzeit größer sei als das Angebot.
Diese Anekdoten würden den Schluss zulassen, dass die äußerst lockere Politik und die Renditekurvensteuerung nicht mehr gerechtfertigt seien. In gewisser Weise finde es Dowding schade, dass BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda diese auf seiner letzten Sitzung nicht abgeschafft habe. Schließlich seien die wirtschaftlichen Bedingungen heute ganz anders als 2016, als sie ins Leben gerufen worden sei. Damals sei ein maximaler Stimulus erforderlich gewesen, um die deflationäre Gefahr einzudämmen. Das sei heute nicht mehr der Fall. Die Inflation erweise sich in Japan als unpopulär und die BoJ werde immer mehr für sie verantwortlich gemacht.
Die Experten hätten die jüngste Kursentwicklung japanischer Staatsanleihen genutzt, um ihre Short-Position auf das Maximum aufzustocken. Aus ihrer Sicht gebe es eine große Asymmetrie im voraussichtlichen Renditeprofil. Wenn sie mit ihrer Einschätzung hinsichtlich der BoJ falsch lägen, würden sie erwarten, dass die Renditen auf ihrem aktuellen Stand bleiben würden. Sie hätten nur wenig Spielraum für einen Rückgang. Sollten die Experten jedoch richtig liegen, könnten sich auf der Grundlage eines fairen Wertes von zehnjährigen japanischen Staatsanleihen, den sie bei um die 1,25 Prozent sehen würden, erhebliche Gewinne ergeben.
Insgesamt würden die Experten davon ausgehen, dass die Volatilität zu Beginn der verkürzten Osterwoche zurückgehen werde. Der Credit-Suisse-Schock gerate in Vergessenheit. Es bestehe daher ihrer Meinung nach Spielraum für eine Verbesserung der Stimmung in Bezug auf europäische Finanztitel. Die Probleme im Zusammenhang mit den kleineren und regionalen Banken in den USA seien jedoch noch nicht gelöst. Es bleibe wichtig, die Entwicklungen zu beobachten. (31.03.2023/alc/a/a)
Die Renditen seien in der vergangenen Woche wieder etwas angestiegen, lägen aber im Monatsvergleich nach wie vor deutlich niedriger. Die Debatte über die Wahrscheinlichkeit und den Zeitpunkt einer Rezession halte derweil an.
Die Experten würden nach wie vor mit einer weiteren Zinserhöhung durch die US-Notenbank FED im Mai rechnen, seien aber skeptisch, dass die Zinsen kurz danach sinken würden - selbst wenn das Wachstum ins Stocken gerate. Letztendlich seien sie der Meinung, dass die Inflation zunächst deutlich niedriger ausfallen müsse, bevor die Währungshüter eine lockerere Politik in Erwägung ziehen könnten.
Der Japanische Yen sei strukturell günstig: Der Preis für ein Bier im Tokioter Stadtteil Shinbashi sei mit 800 Yen genau so hoch wie vor 30 Jahren. Damals sei Dowding ein Besuch in Japan unerschwinglich teuer vorgekommen. Heute erscheine er im Vergleich dazu billig. Der schwache Yen trage auch dazu bei, den Tourismus in Japan anzukurbeln. Das würden die langen Schlangen von Besuchern zeigen, die in dieser Woche zur Kirschblütensaison in das Land einreisen würden. Der Arbeitskräftemangel sei offensichtlich und die Hotelpreise seien in letzter Zeit stark gestiegen, da die Nachfrage derzeit größer sei als das Angebot.
Diese Anekdoten würden den Schluss zulassen, dass die äußerst lockere Politik und die Renditekurvensteuerung nicht mehr gerechtfertigt seien. In gewisser Weise finde es Dowding schade, dass BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda diese auf seiner letzten Sitzung nicht abgeschafft habe. Schließlich seien die wirtschaftlichen Bedingungen heute ganz anders als 2016, als sie ins Leben gerufen worden sei. Damals sei ein maximaler Stimulus erforderlich gewesen, um die deflationäre Gefahr einzudämmen. Das sei heute nicht mehr der Fall. Die Inflation erweise sich in Japan als unpopulär und die BoJ werde immer mehr für sie verantwortlich gemacht.
Die Experten hätten die jüngste Kursentwicklung japanischer Staatsanleihen genutzt, um ihre Short-Position auf das Maximum aufzustocken. Aus ihrer Sicht gebe es eine große Asymmetrie im voraussichtlichen Renditeprofil. Wenn sie mit ihrer Einschätzung hinsichtlich der BoJ falsch lägen, würden sie erwarten, dass die Renditen auf ihrem aktuellen Stand bleiben würden. Sie hätten nur wenig Spielraum für einen Rückgang. Sollten die Experten jedoch richtig liegen, könnten sich auf der Grundlage eines fairen Wertes von zehnjährigen japanischen Staatsanleihen, den sie bei um die 1,25 Prozent sehen würden, erhebliche Gewinne ergeben.
Insgesamt würden die Experten davon ausgehen, dass die Volatilität zu Beginn der verkürzten Osterwoche zurückgehen werde. Der Credit-Suisse-Schock gerate in Vergessenheit. Es bestehe daher ihrer Meinung nach Spielraum für eine Verbesserung der Stimmung in Bezug auf europäische Finanztitel. Die Probleme im Zusammenhang mit den kleineren und regionalen Banken in den USA seien jedoch noch nicht gelöst. Es bleibe wichtig, die Entwicklungen zu beobachten. (31.03.2023/alc/a/a)


