Erweiterte Funktionen

Jackson Hole: FED-Präsident verzichtet auf eine offizielle Ankündigung des Taperings


30.08.21 11:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Powells Rede in Jackson Hole brachte keinerlei Neuigkeiten im Vergleich zur letzten Zinssitzung, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Bedingungen für das Tapering seien hinsichtlich der Inflation erfüllt, am Arbeitsmarkt aber noch nicht zur Gänze. Laufe alles nach Plan, könnte das Tapering noch in diesem Jahr starten.

Das Symposium der Federal Reserve in Jackson Hole werde traditionell zur Ankündigung wichtiger geldpolitischer Entscheidungen genutzt. Letztes Jahr sei es die Vorstellung der neuen geldpolitischen Strategie eines durchschnittlichen Inflationsziels (AIT) nach einer eineinhalbjährigen Evaluierungsphase gewesen. Am 27. August sei erwartet worden, dass Powell wichtige Hinweise zum Tapering geben werde. Die Reduktion der monatlichen Anleihekäufe werde als erster Schritt in der geldpolitischen Normalisierung nach der COVID-19-Krise erachtet.

Präsident Powell habe auf eine offizielle Ankündigung des Taperings verzichtet, sich jedoch vielen seiner Kollegen der Federal Reserve angeschlossen, die sich für einen Beginn des Taperings zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr ausgesprochen hätten, sollte sich die Wirtschaft weitgehend wie erwartet entwickeln. Die Inflation sei schneller als erwartet gestiegen. Die Kernrate habe im Juli 3,6% p.a. (PCE) erreicht. Erhöhte Inflationsraten würden nach wie vor als weitgehend vorübergehend angesehen, doch seien die Inflationsrisiken nach oben gerichtet und die Inflation werde sich noch bis zum Jahresende in der Nähe des derzeitigen Niveaus bewegen.

Im Dezember 2020 habe die Federal Reserve eine Kerninflationsrate von 1,8% p.a. für das vierte Quartal 2021 erwartet. Substanzielle weitere Fortschritte zur Erreichung des Preisstabilitätsziels, eine der beiden Bedingungen für das Tapering, seien damit erfüllt. Die Erholung am Arbeitsmarkt habe sich als langsamer erwiesen, aber in den letzten Monaten an Fahrt gewonnen. Steigende COVID-19-Fälle würden als kurzfristiges Risiko angesehen, die Nachhaltigkeit der Erholung werde aber nicht infrage gestellt.

Insgesamt habe Powells Rede im Vergleich zum Protokoll der Juli Zinssitzung wenig Neues zum Tapering gebracht. Der August-Arbeitsmarktbericht, der am 3. September veröffentlicht werde, habe sicherlich nochmals an Bedeutung gewonnen, um einzuschätzen, ob auf der nächsten FED Zinssitzung am 22. September ein Tapering-Beschluss bevorstehe. Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass das Tapering wohl Ende dieses Jahres (Dezember) oder Anfang nächsten Jahres (Januar) beginnt, so die Analysten der RBI.

An den Finanzmärkten habe vor allem der US-Dollar auf Powells Äußerungen mit einer Abschwächung gegenüber dem Euro reagiert (EUR/USD sei auf 1,18 gestiegen). Auch Treasury-Renditen hätten etwas nachgegeben. Es sei eine dovishe Botschaft gewesen, die den Markt jedoch nicht am falschen Fuß erwischt habe. (Ausgabe vom 27.08.2021) (30.08.2021/alc/a/a)