Erweiterte Funktionen

Italienische Staatsanleihen markieren den höchsten Renditestand seit April 2014


31.08.18 12:00
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Devisenhandel hat manchmal etwas Verblüffendes, zum Beispiel wenn man sich die Entwicklung des Euro und die Argumente betrachtet, mit denen diese erklärt wird, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Verfolge man die Berichterstattung von den Finanzmärkten nur oberflächlich oder sogar nur gelegentlich, falle eines ganz besonders auf: Während der vergangenen Monate seien die meisten Kursentwicklungen an den Devisenmärkten mit Risikofreude oder Risikoaversion begründet worden. Manchmal falle es aber schwer, Risikoeinstellung und Kursentwicklung miteinander in Einklang zu bringen. Vor allen Dingen, wenn Entwicklungen, die eigentlich zu einer Änderung der Risikoeinstellung führen sollten, ignoriert würden. So könne man es schon als auffällig bezeichnen, wenn etwa der Euro einerseits in der Zeit zwischen dem 22. und 29. August fast eine Woche lang gegenüber dem Dollar stetig und per Saldo in der Spitze um rund 200 Punkte steige und das mit wachsender Risikofreude begründet werde.

Gleichzeitig hätten etwa die Renditen zehnjähriger italienischer Staatsanleihen in der Spitze um 20 Basispunkte zugelegt - eigentlich ein Warnzeichen. Interessanterweise befestige sich der Schweizer Franken, die Fluchtwährung schlechthin, gegenüber dem Euro bereits seit Dienstagvormittag, aber selbst am Mittwoch habe man vielerorts noch von Risikofreude der Akteure gesprochen.

Erst gestern, als der Zugewinn bei den Renditen zehnjähriger italienischer Staatsanleihen bis auf zuhöchst 3,22 Prozent anschwoll und damit (wie auch der Renditevorsprung gegenüber Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit) auf den zweithöchsten Stand dieses Jahres zog, schien sich die Einstellung der Akteure gegenüber dem Euro etwas geändert zu haben, so die Analysten der Deutschen Bank. Zumal der bisherige Renditehöchststand bei den italienischen Staatsanleihen vom 29. Mai durch einen so genannten "Spike", einen kurzzeitigen extremen Kurssprung, gekennzeichnet sei und bis dahin sogar den höchsten Renditestand seit April 2014 markiert habe. An jenem Maitag schien übrigens die Regierungsbildung zwischen Lega Nord und der Fünf-Sterne-Partei zu platzen, sodass Neuwahlen drohten, so die Analysten der Deutschen Bank. Heute sei die Situation anders, aber es gehe letztlich um das gleiche Problemfeld: Italien und die EU.

Immerhin habe es gestern auch noch wichtige Preisdaten zu begutachten gegeben, so etwa den für die US-Notenbank so wichtigen Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE), der im Juli gegenüber dem Vorjahr in der Kernrate mit +2,0 Prozent so ziemlich genau den Erwartungen entsprochen habe. Auf der anderen Seite sei der vorläufige deutsche harmonisierte Konsumentenpreisindex für den Monat August mit +1,9 Prozent (ggü. Vorjahr) leicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der Euro habe sich gestern etwas schwächer gezeigt, bleibe aber in seinem kurzfristigen Aufwärtstrend zwischen 1,1565 und 1,1815. (31.08.2018/alc/a/a)