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Italienische Renditen auffallend unauffällig


12.12.18 12:15
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es ist schon erstaunlich, wie lange sich der Euro gestern in einem Zustand präsentierte, den man durchaus als widerstandsfähig bezeichnen kann. Zum einen mit Blick auf die italienische Haushaltssituation, so die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Habe es vor ein paar Tagen noch so ausgesehen, als ob sich Italien etwas ernsthafter darum bemühen würde, seine geplante Neuverschuldung für das Jahr 2019 von ursprünglich 2,4 auf 2,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu senken, scheine die Bereitschaft für diesen Schritt seit gestern leicht gesunken zu sein. Denn Medienberichten zufolge, die sich auf sogenannte Regierungsquellen berufen hätten, sehe es nun nicht danach aus, als ob Italiens Premier Minister Giuseppe Conte bei seinem für heute anberaumten Treffen mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker eine wesentlich geringere Neuverschuldungsquote als 2,2 Prozent anbieten dürfte. Nicht zuletzt, weil keine der beiden Koalitionsparteien, repräsentiert durch Matteo Salvini (Lega Nord) und Luigi Di Maio (FünfSterne-Partei), ein niedrigeres Budgetdefizit ins Auge fassen möchte.

Vor allem auch im Hinblick auf Frankreich, wo man davon ausgehe, dass die jüngsten Zugeständnisse von Staatspräsident Emmanuel Macron an die Protestbewegung der "Gelbwesten", die unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns und Entlastungen für Rentner vorsehen würden, 8 bis 10 Mrd. Euro kosten könnten. Womit gleichzeitig die EU-Defizit-Hürde von 3,0 Prozent überschritten würde. Gleichzeitig würde Rom wahrscheinlich eine Neuverschuldung des eigenen Landes von 2,0 Prozent unter diesen veränderten (relativen) Rahmenbedingungen bereits als riesengroßes Entgegenkommen an die EU verkaufen können. 2,0 Prozent, die sich immer noch auf eine viel zu optimistische Wachstumsprognose Italiens von 1,5 Prozent beziehen, während die Deutsche Bank AG für 2019 nur noch ein BIP von 0,7 Prozent für das Land vorhersieht.

Während gestern der Renditeaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen auf den höchsten Stand seit Frühjahr 2017 angezogen habe, sei der Renditevorsprung zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen mit ähnlicher Laufzeit mit zuletzt 288 Basispunkten geradezu unauffällig geblieben. Dass die Gemeinschaftswährung zum Ende der europäischen Handelssitzung doch noch etwas unter Druck geraten sei, dürfte daher nicht primär einer intrinsischen Euro-Schwäche, sondern vielmehr einer leichten Dollar-Stärke geschuldet sein. Möglicherweise hervorgerufen durch den US-Produzentenpreis-Index, der im November gegenüber dem Vormonat in der Kernrate mit +0,3 Prozent (im Jahresvergleich +2,7 Prozent) über der Konsenserwartung der Ökonomen gelegen habe. Damit durfte der Euro einen weiteren Tag im Rahmen seines kurzfristigen Abwärtstrends bislang ohne überzeugende Dynamik zwischen 1,1440/45 und 1,1160 verbringen. (12.12.2018/alc/a/a)