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Nach Italien-Wahl bleiben Märkte ruhig - aber wie lange noch?
27.09.22 15:10
BNY Mellon IM
Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Die Märkte warten nun ab, welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen die neue Regierung ergreifen wird, so Thilo Wolf, Deutschland-Chef von BNY Mellon Investment Management.
Die Wahlversprechen würden umfangreiche Haushaltsausgaben und Steuersenkungen beinhalten. Die jährlichen Kosten dafür sollten schätzungsweise zwischen 100 und 170 Milliarden Euro liegen - das entspreche etwa sechs bis neun Prozent des BIP Italiens.
BNY Mellon Investment Management gehe nicht davon aus, dass der Wahlausgang unmittelbar zu einer größeren negativen Neubewertung italienischer Anleihen oder von Anleihen der Eurozone führen werde. Nach Einschätzung von BNY Mellon Investment Management werde die neue Regierung zumindest kurzfristig unvorsichtige finanzpolitische Maßnahmen und eine direkte Konfrontation mit den EU-Institutionen vermeiden.
Die Märkte würden jedoch weiterhin auf das Potenzial für systemische Risiken achten. Italien und der Euroraum insgesamt würden sich bereits mit einem schweren Stagflationsschock konfrontiert sehen, da das Wirtschaftswachstum aufgrund der restriktiven Geldpolitik der EZB und der höheren Zinssätze sinken werde. Hinzu komme, dass eine wichtige Stütze der Nachfrage nach italienischen Staatsanleihen allmählich nachgeben könnte, wenn sich die EZB ab Oktober über eine Verkleinerung ihrer Bilanz Gedanken mache. Mit dem im Juli eingeführten "Transmissionsschutzinstrument" (TPI) habe die EZB allerdings die Sorgen um italienische Staatsschulden fürs Erste eindämmen können.
Angesichts der italienischen Staatsverschuldung von rund 150 Prozent des BIP sei die Kombination aus negativem bzw. geringem Wachstum, steigenden Zinsen und einer stärkeren Abhängigkeit von privaten Anlegern bei der Finanzierung der Schulden jedoch an sich schon ein Problem.
Das TPI sei kein perfektes Instrument: Seine Anwendung hänge davon ab, ob Italien eine Reihe von Kriterien erfülle, insbesondere ob (i) die Finanzpolitik der Regierung mit den Empfehlungen der Europäischen Kommission und der allgemeinen Schuldentragfähigkeit übereinstimme und (ii) die Politik mit den Auflagen des Konjunkturprogramms vereinbar bleibe.
Letztendlich glaube BNY Mellon Investment Management, dass die neue italienische Regierung versuchen werde, die TPI-Bedingungen zu erfüllen - im riskanten aktuellen finanziellen Umfeld wäre das am vernünftigsten. Sie werde sich damit abfinden müssen, dass sie die Finanzpolitik nicht annähernd so stark lockern könne wie im Wahlkampf versprochen. Gleichzeitig werde sie trotz des Widerstands der Koalitionsparteien gegen einige Reformen des Konjunkturprogramms nicht in der Lage sein, die geplanten Strukturreformen sinnvoll zu verschieben oder zu ändern.
Diese Sichtweise berge jedoch eindeutige Risiken: Sollte die neue Regierung angesichts der oben beschriebenen Schwachstellen die EU/EZB auf die Probe stellen und auf eine deutlichere Abkehr von einer soliden Politik drängen, könnten sich die Marktbedingungen rasch ändern.
Wenn der Markt die Unterstützung der EZB in Frage stellen sollte, könnten sich die systemischen Risiken sogar selbst erfüllen: Die Zinsen würden steigen, was zu einem noch schwächeren Wachstum und größeren Schulden führen würde. Das wiederum würde dann wieder zu steigenden Zinssätzen führen, und so weiter Ein solches Szenario sei nicht undenkbar, wie ein Vergleich mit dem jüngsten Ausverkauf britischer Staatsanleihen zeige. (27.09.2022/alc/a/a)
Die Wahlversprechen würden umfangreiche Haushaltsausgaben und Steuersenkungen beinhalten. Die jährlichen Kosten dafür sollten schätzungsweise zwischen 100 und 170 Milliarden Euro liegen - das entspreche etwa sechs bis neun Prozent des BIP Italiens.
BNY Mellon Investment Management gehe nicht davon aus, dass der Wahlausgang unmittelbar zu einer größeren negativen Neubewertung italienischer Anleihen oder von Anleihen der Eurozone führen werde. Nach Einschätzung von BNY Mellon Investment Management werde die neue Regierung zumindest kurzfristig unvorsichtige finanzpolitische Maßnahmen und eine direkte Konfrontation mit den EU-Institutionen vermeiden.
Die Märkte würden jedoch weiterhin auf das Potenzial für systemische Risiken achten. Italien und der Euroraum insgesamt würden sich bereits mit einem schweren Stagflationsschock konfrontiert sehen, da das Wirtschaftswachstum aufgrund der restriktiven Geldpolitik der EZB und der höheren Zinssätze sinken werde. Hinzu komme, dass eine wichtige Stütze der Nachfrage nach italienischen Staatsanleihen allmählich nachgeben könnte, wenn sich die EZB ab Oktober über eine Verkleinerung ihrer Bilanz Gedanken mache. Mit dem im Juli eingeführten "Transmissionsschutzinstrument" (TPI) habe die EZB allerdings die Sorgen um italienische Staatsschulden fürs Erste eindämmen können.
Das TPI sei kein perfektes Instrument: Seine Anwendung hänge davon ab, ob Italien eine Reihe von Kriterien erfülle, insbesondere ob (i) die Finanzpolitik der Regierung mit den Empfehlungen der Europäischen Kommission und der allgemeinen Schuldentragfähigkeit übereinstimme und (ii) die Politik mit den Auflagen des Konjunkturprogramms vereinbar bleibe.
Letztendlich glaube BNY Mellon Investment Management, dass die neue italienische Regierung versuchen werde, die TPI-Bedingungen zu erfüllen - im riskanten aktuellen finanziellen Umfeld wäre das am vernünftigsten. Sie werde sich damit abfinden müssen, dass sie die Finanzpolitik nicht annähernd so stark lockern könne wie im Wahlkampf versprochen. Gleichzeitig werde sie trotz des Widerstands der Koalitionsparteien gegen einige Reformen des Konjunkturprogramms nicht in der Lage sein, die geplanten Strukturreformen sinnvoll zu verschieben oder zu ändern.
Diese Sichtweise berge jedoch eindeutige Risiken: Sollte die neue Regierung angesichts der oben beschriebenen Schwachstellen die EU/EZB auf die Probe stellen und auf eine deutlichere Abkehr von einer soliden Politik drängen, könnten sich die Marktbedingungen rasch ändern.
Wenn der Markt die Unterstützung der EZB in Frage stellen sollte, könnten sich die systemischen Risiken sogar selbst erfüllen: Die Zinsen würden steigen, was zu einem noch schwächeren Wachstum und größeren Schulden führen würde. Das wiederum würde dann wieder zu steigenden Zinssätzen führen, und so weiter Ein solches Szenario sei nicht undenkbar, wie ein Vergleich mit dem jüngsten Ausverkauf britischer Staatsanleihen zeige. (27.09.2022/alc/a/a)


