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Italien: Staatsanleiherenditen legen eine Pause in der Aufwärtsbewegung ein


30.08.18 11:30
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es ist nicht so, dass es gestern keine ökonomischen Daten gegeben hätte, aber diese haben derzeit wenig Auswirkung auf den Kurs des Euro, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Natürlich könnte man jetzt einwenden, der GfK-Konsumklima-Index für Deutschland sei ohnehin fast wie erwartet ausgefallen. Aber dass der Dollar ausgerechnet den höchsten Kurs des Tages markiert habe, als das US-Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal nach oben revidiert worden sei und das bevorzugte Inflationsmaß der FED, der Index der persönlichen Konsumausgaben, in der Kernrate wie erwartet ausgefallen sei, habe fast schon etwas Symptomatisches gehabt: Der Greenback wolle nicht so richtig steigen. Obwohl nun für die Notenbank kein Anlass bestehe, den bisherigen Kurs mit der Zielsetzung von noch zwei weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr zu ändern. Dabei habe es zunächst gar nicht so schlecht ausgesehen, denn der Euro habe zumindest gestern Vormittag zunächst zur Schwäche geneigt.

Und fast schien es so, als ob die Akteure nach einem zweiwöchigen, fast ununterbrochenen Anstieg des Euro aufgewacht seien, so die Analysten der Deutschen Bank. Zumal einem Medienbericht und ungenannten Quellen zufolge Italien die EZB um eine neue Runde von Anleihekäufen ersuchen könnte, um seine Verschuldungssituation vor spekulativen Attacken und einem möglicherweise drohenden Downgrade der Ratingagenturen zu schützen. Dieser Wunsch nach EZB-Unterstützung sei nicht neu, aber es gebe nicht viele, die ihn für realistisch halten würden. Immerhin: Die Renditen der italienischen Staatsanleihen hätten gestern erstmals eine Pause in der seit einer Woche sich deutlich abzeichnenden Aufwärtsbewegung eingelegt.

Unterdessen sei die Türkische Lira gegenüber dem Dollar abermals unter Druck geraten und weise nun seit Einberufung der Telefonkonferenz des türkischen Finanzministers vor zwei Wochen für internationale Investoren gegenüber dem Dollar erneut einen Verlust von mehr als 12 Prozent aus. Als nicht gerade hilfreich dürfte sich nämlich ein Artikel des "Wall Street Journal" vom Dienstagabend erwiesen haben, demzufolge Deutschland angeblich bereit gewesen wäre, der Türkei finanzielle Notfallhilfe zukommen zu lassen. Eine Meldung, die von deutschen Regierungsvertretern umgehend dementiert worden sei. Für viele Akteure bleibe indes die Ursache für den starken Euro-Anstieg während der vergangenen beiden Wochen unklar.

Neben der zuletzt immer wieder zitierten zurückgekehrten Risikofreude mache eine andere Geschichte schon seit Tagen die Runde: Wenn auch von manchen Experten für fast unmöglich gehalten, werde mancherorts ein Extrem-Risiko (tail-risk) darin gesehen, dass das US-Finanzministerium, möglicherweise auf Anweisung von Präsident Donald Trump, den Dollar durch Interventionen künstlich abschwächen könnte. Ob diese Befürchtung dazu beitrage, den Euro in seinem kurzfristigen Aufwärtstrend zwischen 1,1565 und 1,1850 zu stützen? (30.08.2018/alc/a/a)